In­sel-flair

Born­holm. Land­schaft­lich ab­wechs­lungs­reich mit fei­nen Sand­strän­den, Klip­pen, Wald und Fel­dern, ver­träum­ten Fi­scher­or­ten, Kir­chen und Kunst­hand­werk. Die dä­ni­sche Son­nen­in­sel bie­tet fo­to­gra­fisch reiz­vol­les Ter­rain, auch ab­seits der be­kann­ten We­ge. Fc-fo­to­gr

fotocommunity Magazin - - Portfolio | Georg Wichmann - Al­le Fo­tos: Ge­org Wich­mann

Ge­org Wich­manns „gro­ßes The­ma“ist Born­holm, das be­lieb­te klei­ne Son­nen­idyll mit­ten in der Ost­see zwi­schen Schwe­den, Po­len und Deutsch­land. Seit 1999 be­reist er die In­sel re­gel­mä­ßig und fo­to­gra­fier­te dort aus­gie­big. Vor al­lem das fas­zi­nie­ren­de Licht und be­stimm­te Plät­ze zo­gen ihn im­mer wie­der dort­hin. „Die klei­ne In­sel ist ein wah­rer Mi­kro­kos­mos und hat auf we­ni­ger als 600 km2 weit­aus mehr zu bie­ten, als nur die hüb­schen Rund­kir­chen und den fei­nen Sand am Strand von Dueod­de“, er­zählt er. So man­che Ent­de­ckung er­fuhr Wich­mann nur durch den Kon­takt zu Ein­hei­mi­schen. Et­wa wel­cher Teil des al­ten Ret­tungs­we­ges be­son­ders reiz­voll ist, wo die Ju­gend frü­her den Na­men der An­ge­him­mel­ten in den St­ein ge­ritzt hat oder wel­ches Lo­kal beim Al­lin­ge Jazz­Fes­ti­val un­be­dingt auf­ge­sucht wer­den soll­te (es ist das Ca­fe Værf­tet in Sand­vig, man bucht den Tisch ein Jahr im Vor­aus). Born­holm lebt von sei­nem his­to­ri­schen Charme. Ma­le­ri­sche Küs­ten­or­te mit Fi­scher­or­ten und Fach­werk­häu­sern, bun­tes Kunst­hand­werk mit zahl­rei­chen Ga­le­ri­en und Werk­stät­ten und im­po­san­te Bau­ten, Rui­nen und Wehr­an­la­gen bie­ten in­spi­rie­ren­de Mo­ti­ve. Aber frei­lich, auch an Born­holm nagt der Zahn der Zeit, macht die Ent­wick­lung nicht Halt. „So ei­ni­ges, was ich dort fo­to­gra­fiert ha­be, ist über die Jah­re ve­rän­dert wor­den oder so­gar ganz ver­schwun­den.“In­so­fern konn­te Ge­org Wich­mann das ei­ne oder an­de­re Stück Ge­schich­te zu­min­dest fo­to­gra­fisch kon­ser­vie­ren. „Das al­te Schwimm­bad von Sand­vig et­wa ist be­reits pas­sé und das mo­der­ne „Vi­si­tor Cen­ter“am Ham­mers­hus ist, mit zu­ge­ge­ben gran­dio­ser Ar­chi­tek­tur, letzt­lich ein Ein­schnitt in die um­ge­ben­de Na­tur, die Ku­lis­se wird sich nach­hal­tig ve­rän­dern.“

Das pas­sen­de Me­di­um: Film statt Kar­te

„Al­les, was ich auf Born­holm di­gi­tal fo­to­gra­fiert ha­be, woll­te zu mei­nem Por­trät der In­sel nicht so recht pas­sen. Born­holm und die Nost­al­gie sind für mich un­trenn­bar und so reif­te der Ent­schluss, dort aus­schließ­lich auf Film zu fo­to­gra­fie­ren. Lie­ber gleich klas­sisch als nach­träg­lich Bil­der auf re­tro zu trim­men“, er­zählt Wich­mann. Über die Jah­re ist so ei­ne Samm­lung von meh­re­ren Tau­send Ne­ga­ti­ven ent­stan­den. Die meis­ten in Far­be auf Fu­ji Rea­la 100 und in Schwarz­weiß auf dem Ko­dak Tri-x 400 auf­ge­nom­men mit ei­ner Ya­shi­ca MAT 124G und ei­ner Lei­ca M6. 2007 hat der Fo­to­graf dort pha­sen­wei­se mit ei­ner Ma­miya RB 67 PRO S fo­to­gra­fiert. „Das ist ei­ne wun­der­ba­re aber auch sehr klot­zi­ge Ka­me­ra mit fast 3 kg Ge­wicht. Da ha­ben nicht we­ni­ge Leu­te ge­glaubt, sie wür­den ei­ner Tv-live-über­tra­gung bei­woh­nen.“

Die Fo­to­tour: Pla­nung und Aus­rüs­tung

Früh mor­gens zum Son­nen­auf­gang oder der spä­te Nach­mit­tag sind Wich­manns be­vor­zug­te Zei­ten, um auf Born­holm auf Mo­tiv­su­che zu ge­hen. An­fangs hat­te er die fast kom­plet­te Aus­rüs­tung an di­ver­sen Ka­me­ras und Ob­jek­ti­ven mit­ge­schleppt. Mitt­ler­wei­le über­legt er vor­ab, was er da­zu braucht und kann mit leich­te­rem Ge­päck los­zie­hen. Für Wan­de­run­gen ist die Hol­ga per­fekt; au­ßer ein paar Rol­len Film und et­was Kle­be­band braucht es als Zu­be­hör nur ein paar Papp­strei­fen, um die Film­rol­le et­was fest­zu­klem­men, da­mit der Film un­ter Span­nung und plan bleibt. Für Mo­ti­ve in Ru­he, bei de­nen we­sent­lich mehr Zeit ver­bleibt, greift er zur Ya­shi­ca MAT oder der Ma­miya 645. Wel­cher Son­nen­stand dann wohl der je­weils pas­sen­de sein wird, schätzt er mit­hil­fe von Land­kar­ten ab. Die ta­ges­ak­tu­el­le In­for­ma­ti­on da­zu lie­fern ihm

ein Blick aus dem Fens­ter und der Wet­ter­dienst. „Und wenn et­was doch nicht passt, ma­che ich ein Fo­to mit dem Han­dy und ei­ne No­tiz. Das ist hilf­reich für den zwei­ten An­lauf“, er­gänzt er. Für al­les an­de­re, ins­be­son­de­re aber wenn Spon­ta­nei­tät ge­for­dert ist, wie et­wa bei Ver­an­stal­tun­gen, wird die M6 mit dem 35er-ob­jek­tiv um­ge­hängt.

Aufnahmetechnik: Die rich­ti­ge Be­lich­tung

Da Wich­mann für sei­ne al­ten Ka­me­ras fast aus­schließ­lich Ne­ga­tiv­fil­me ver­wen­det, neigt er bei den Auf­nah­men zu leich­ten Über­be­lich­tun­gen für et­was mehr Zeich­nung in den Schat­ten. Für die Be­lich­tungs­mes­sung hat er sich da­zu ei­nen klei­nen Hand­be­lich­tungs­mes­ser mit Ka­lot­te zu­ge­legt. „Der ist sehr prak­tisch, wenn es kniff­li­ger wird.“Sta­tiv oder Blitz ver­wen­det er eher sehr sel­ten, denn bei den meis­ten sei­ner Ka­me­ras hat er mit der Zeit ge­lernt, die­se bis zu Zei­ten von 1/8 s noch aus­rei­chend per Hand ru­hig zu hal­ten.

Kom­po­si­ti­on und Nach­be­ar­bei­tung

Den Bild­aus­schnitt legt er be­reits beim Blick durch den Su­cher fest. Das ist dann durch­aus ei­ne Sa­che von Mil­li­me­tern: et­was nach vor­ne oder nach hin­ten, et­was zur Sei­te, et­was hö­her oder tie­fer. Schon klei­ne Än­de­run­gen än­dern das Bild enorm. „Ich las­se mir Zeit da­bei. Al­les an­de­re ge­schieht dann im ge­wähl­ten Aus­schnitt. Manch­mal kom­plet­tiert der Zu­fall das Bild.“Zu sei­nen Nach­ar­bei­ten ge­hö­ren das Kor­ri­gie­ren von Hel­lig­keit und Kon­trast. „Das geht so­wohl di­gi­tal mit ent­spre­chen­der Soft­ware als auch beim Ab­we­deln oder Nach­be­lich­ten mit den Hän­den und Papp­scha­blo­nen beim Split­gra­de Prin­ting in der Dun­kel­kam­mer.“

Back from Ship Ahoi Born­holm 2010. Die Kam­pen beim An­le­gen in Sva­n­eke (Auf­ge­nom­men mit ei­ner Lei­ca M6)

Men with Whi­te Caps Born­holm 2008, Sze­ne am Ha­fen von Al­lin­ge. (Auf­ge­nom­men mit ei­ner Ya­shi­ca MAT 124G)

Alo­ne in Ou­ter Space Born­holm 2010. Blick aus ei­ner Räu­che­rei in Sva­n­eke. (Auf­ge­nom­men mit ei­ner Ya­shi­ca MAT 124G)

Nor­dic Jung­le Fe­ver Born­holm 2012. An der Schloss­hei­de von Ham­mers­hus. (Auf­ge­nom­men mit ei­ner Hol­ga 120 GCFN)

Litt­le Gol­den Pond Born­holm 2014. Auf ei­ner Wan­de­rung nörd­lich von Ham­mers­hus. (Auf­ge­nom­men mit ei­ner Hol­ga 120 GCFN)

Down by the Sea Born­holm 2012. Son­nen­un­ter­gang in Al­lin­ge. (Auf­ge­nom­men mit ei­ner Ya­shi­ca MAT 124G)

Wu­the­ring Heights Cast­le Born­holm 2012. Der Man­tel­turm der Schloss­rui­ne Ham­mers­hus. (Auf­ge­nom­men mit ei­ner Hol­ga 120 GCFN)

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