Obi-Mit­ar­bei­ter: Fi­lia­le gleicht „To­ten­hal­le“

Die Mit­ar­bei­ter des Bau­mark­tes in der Rei­chen­ber­ger Stra­ße wol­len wis­sen, wie es mit ih­ren Jobs wei­ter­geht. Doch Obi mau­ert und plant laut Ge­werk­schaft die Schlie­ßung des Mark­tes

Friedberger Allgemeine - - Augsburg | Service - VON ANDREA WEN­ZEL

Ge­werk­schaft rech­net mit har­ten Ver­hand­lun­gen

Die Kun­den des Obi-Markts in der Rei­chen­ber­ger Stra­ße sind am Mon­tag ge­gen 9.30 Uhr von ei­nem schril­len Pfeif­kon­zert emp­fan­gen wor­den. Die Mit­ar­bei­ter des Bau­markts mach­ten in ei­ner Ak­ti­on mit der Ge­werk­schaft Ver­di ih­rer Un­zu­frie­den­heit mit ih­rer Ar­beits­si­tua­ti­on Luft. „Wie mit den Mit­ar­bei­tern in die­ser Fi­lia­le um­ge­gan­gen wird, ist men­schen­un­wür­dig“, sagt Ge­werk­schafts­ver­tre­ter Tho­mas Gür­le­beck und be­zieht sich da­bei auf die seit Wo­chen an­dau­ern­de Hän­ge­par­tie um ei­ne mög­li­che Schlie­ßung der Augs­bur­ger Fi­lia­le. Zum 1. Ju­li hat­te die Kon­zern­füh­rung den Markt völ­lig un­ver­mit­telt ge­schlos­sen, nach gro­ßen Pro­tes­ten der Mit­ar­bei­ter und der Ge­werk­schaft aber wie­der ge­öff­net. Seit­her war un­klar, wie es wei­ter­geht.

Ein Ge­spräch zwi­schen Ge­werk­schaft und Obi brach­te am Mon­tag laut Ver­di nur in ei­nem Punkt Klar­heit: „Die ein­zig kla­re Aus­sa­ge war, dass der Stand­ort Augs­burg al­ter­na­tiv­los still­ge­legt wer­den soll“, sag­te Ge­werk­schafts­ver­tre­ter Tho­mas Gür­le­beck da­nach. Es ge­be aber noch kei­nen Ter­min. Die Vor­schlä­ge von Obi zu ge­plan­ten Ab­fin­dun­gen für die Mit­ar­bei­ter sei­en „mei­len­weit weg von jeg­li­cher Rea­li­tät“, so Gür­le­beck. Er rech­net mit har­ten Ver­hand­lun­gen – die Un­si­cher­heit für die An­ge­stell­ten geht wei­ter.

Wie schwie­rig schon die ver­gan­ge­nen Wo­chen wa­ren, schil­dert Ger­trud Wa­gner, die Be­triebs­rä­tin der Fi­lia­le Augs­burg und stell­ver­tre­ten­de Ge­samt­be­triebs­rats­che­fin bei Obi: „Die Hän­ge­par­tie ist für vie­le Mit­ar­bei­ter ei­ne gro­ße psy­chi­sche Be­las­tung.“Man­che Kol­le­gen sei­en des­halb be­reits krank­ge­schrie­ben.

Was sich seit 1. Ju­li im Markt ab­ge­spielt hat, ist höchst un­ge­wöhn­lich. Das Obi-Ra­dio wur­de ab­ge­schal­tet, der Ein­gang an der Pro­vi­ant­bach­stra­ße ge­schlos­sen. „Man fühlt sich hier wie in ei­ner To­ten­hal­le“, be­schreibt Mit­ar­bei­te­rin Chris­ti­ne Hih­ler ih­ren Ein­druck. Sie und ih­re Kol­le­gin­nen be­rich­ten wei­ter, dass die Mit­ar­bei­ter auf­ge­for­dert wor­den sei­en, per­sön­li­che und al­le nicht mehr be­nö­tig­ten Ge­gen­stän­de aus den Bü­ros zu ent­fer­nen. „Wir sit­zen in fast lee­ren Räu­men, je­der mit ei­nem Ku­gel­schrei­ber und nur noch der al­ler­nö­tigs­ten Aus­stat­tung“, be­schreibt Do­ris Lang ih­ren der­zei­ti­gen Ar­beits­all­tag. „Da fühlt man sich schon be­schei­den und es macht über­haupt kei­nen Spaß mehr. Mal ganz ab­ge­se­hen von der Sor­ge um den Job.“Clau­dia Klin­ger rich­tet den Blick zu­dem auf den Markt selbst. „Da sieht es furcht­bar aus. Wie in ei­nem Ramschla­den.“

Tat­säch­lich prä­sen­tiert sich die Obi-Fi­lia­le nicht mehr be­son­ders at­trak­tiv. Im Ein­gangs­be­reich prei­sen gro­ße Ban­ner Ta­pe­ten, Lam­pen und Gar­ten­zu­be­hör zu deut­lich re­du­zier­ten Prei­sen an, die Tier­ab­tei­lung ist be­reits aus­ge­räumt, nur noch die lee­ren Aqua­ri­en ste­hen da, und auch im Au­ßen­be­reich gibt es kaum noch Wa­re.

Ge­werk­schafts­ver­tre­ter Gür­le­beck ver­mu­te­te schon vor den Ge­sprä­chen am Mon­tag in Augs­burg mit Obi, dass ei­ne Schlie­ßung der Fi­lia­le kaum noch zu ver­hin­dern sei. Die­se Ein­schät­zung be­stä­tig­te sich dann im Ver­lauf des Tref­fens, so Gür­le­beck. Aus Sicht von Be­triebs­rä­tin Wa­gner sei nicht nach­voll­zieh­bar, war­um die Fi­lia­le schlie­ßen soll: „Das ver­steht kei­ner von uns.“Nun ge­he es dar­um, das Bes­te für die Mit­ar­bei­ter dar­aus zu ma­chen. Die Ge­werk­schaft und der Be­triebs­rat drin­gen dar­auf, dass mit Hil­fe ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le über den In­ter­es­sens­aus­gleich und den So­zia­plan ver­han­delt wird. Tho­mas Gür­le­beck hat­te schon vor­ab be­män­gelt, dass Ver­di lan­ge kei­ne Zah­len von Obi er­hal­ten hat­te. Sie sei­en erst kurz­fris­tig ein­ge­trof­fen.

Die Obi-Füh­rung selbst woll­te, wie schon zu­letzt, vor Ort kei­ne Stel­lung­nah­me zur ak­tu­el­len Si­tua­ti­on ab­ge­ben.

Fo­to: Sil­vio Wy­szen­grad

Auf ih­rem Trans­pa­rent spre­chen die Obi-Mit­ar­bei­ter den Mit­ei­gen­tü­mer des Un­ter­neh­mens, Karl-Eri­van Haub, an. Der Markt in Söm­mer­da (Thü­rin­gen) war zum 1. Ju­li ver­kauft wor­den. Links im Fo­to Tho­mas Gür­le­beck von Ver­di.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.