Wie man Mut auf ei­ne Wand sprüht

In die­sem Jahr ge­stal­tet Bar­ba­ra Gräwe das leer ste­hen­de Lech-Ho­tel in Lech­hau­sen. Und es gibt im­mer mehr Haus­ei­gen­tü­mer, die sich so ein Ge­mäl­de wün­schen

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON MI­RI­AM ZISSLER

Die Of­fen­ba­cher Künst­le­rin Bar­ba­ra Gräwe zeigt mit ih­rem Wand­bild am leer ste­hen­den Lech-Ho­tel in der Neu­bur­ger Stra­ße in Lech­hau­sen Mut in sei­ner gan­zen Viel­falt. Da gibt es die Hand, die et­was Mu­ti­ges zu Pa­pier bringt, ei­nen Mund, der Mu­ti­ges aus­spricht, ein Ohr, das die­se Ge­dan­ken auf­nimmt. Es ist ein Rad zu se­hen, ein Flug­zeug, ein Sprung­turm. „Das sind je­weils Gren­zen, die über­wun­den wer­den müs­sen. Ich ha­be in die­sem Bild al­les zu­sam­men­ge­wür­felt, was ich mit Mut ver­bin­de. Das war mei­ne In­ter­pre­ta­ti­on des The­mas“, sagt die 24-Jäh­ri­ge. Über al­lem thront die Frie­dens­tau­be.

Bei der Aus­schrei­bung des dies­jäh­ri­gen Wand­bilds im Rah­men des Frie­dens­fest­pro­gramms hat die Ju­ry ihr den Zu­schlag er­teilt. Die ge­bür­ti­ge Frei­bur­ge­rin stu­diert an der Hoch­schu­le für Gestal­tung in Of­fen­bach. Das Ma­len be­glei­tet sie schon lan­ge, ge­sprüht wird seit dem Jahr 2013. Un­ter an­de­rem in Frank­furt und Of­fen­bach hat „Sa­re“, wie das Pseud­onym der Künst­le­rin lau­tet, schon gro­ße Wän­de be­sprüht. „Doch so groß wie die hier in Augs­burg war noch kei­ne. Die größ­te Her­aus­for­de­rung ist die Kal­ku­la­ti­on der Far­be“, sagt sie. Rund 100 Qua­drat­me­ter misst die Flä­che, an der sie noch bis Mitt­woch ar­bei­ten wird.

Bei „Mut zur Viel­falt“han­delt es sich be­reits um das vier­te Wand­bild, das im Rah­men des Frie­dens­fest­pro­gramms rea­li­siert wird. Nach dem Mu­ral zum The­ma „Pro­test“, wel­ches im Jahr 2013 am SKM-Ge­bäu­de an der Blau­en Kap­pe ent­stand und dem tem­po­rä­ren Wand­bild „Hei­mat“am Grand­ho­tel 2014, folg­te im ver­gan­ge­nen Jahr das groß­flä­chi­ge Bild „Gren­zen“an der ehe­ma­li­gen Spi­che­rer Schu­le in Pfer­see. Und es könn­ten noch vie­le fol­gen, denn das In­ter­es­se bei Haus­be­sit­zern ist groß. „Man hat deut­lich ge­merkt, dass die Nach­fra­ge in den ver­gan­ge­nen Jah­ren an­ge­stie­gen ist“, sagt Mo­na Ro­ther vom Augs­bur­ger Frie­dens­bü­ro. In die­sem Jahr gab es 20 An­ge­bo­te, die von ei­nem Kran­ken­haus, zwei Schu­len, ei­nem Sport­ver­ein, ei­ner Im­mo­bi­li­en­fir­ma so­wie meh­re­ren Pri­vat­per­so­nen stamm­ten. Vier Mo­ti­ve gab es zur Aus­wahl.

Die Ju­ry, die aus Da­ni­el Trös­ter vom Ver­ein „Die Bun­ten“, der städ­ti­schen Pop­kul­tur­be­auf­trag­ten Bar­ba­ra Fried­richs, Chris­ti­ne Schnell­ham­mer von der Ar­beits­ges­mein- schaft Frie­dens- und Kon­flikt­for­schung so­wie Mo­na Ro­ther be­stand, ent­schied sich für das Mo­tiv von Bar­ba­ra Gräwe. Ei­ne Schu­le wür­de sich ein Mo­tiv des Augs­bur­ger Künst­lers BRNZN für sei­ne Wand wün­schen, ei­ne Pri­vat­per­son könn­te sich vor­stel­len sei­ne Haus­wand mit ei­nem Mo­tiv des Ber­li­ner Künst­ler­kol­lek­tivs KERA be­ma­len zu las­sen. „Die­se Wand liegt im Denk­mal­schutz­gür­tel. Ins­ge­samt la­gen die Hälf­te al­ler Wän­de in die­sem Be­reich und es wird im Herbst noch ein­mal ein Ge­spräch mit der Denk­mal­schutz­be­hör­de ge­ben, ob nicht doch der ei­ne oder an­de­re Stand­ort in Fra­ge kom­men könn­te“, so Ro­ther. Bis­her hat­te sich die Be­hör­de da­ge­gen aus­ge­spro­chen.

Ins­ge­samt reich­ten 15 Künst­ler aus dem ge­sam­ten Bun­des­ge­biet und dem Aus­land, wie aus Ams­ter­dam oder Bra­si­li­en, ih­re Vor­schlä­ge zum The­ma „Mut zur Viel­falt“ein. Zur Rea­li­sie­rung wei­te­rer Wand­bil­der wür­den pro Mo­tiv et­wa 2000 Eu­ro fäl­lig wer­den. „Die Bun­ten“ha­ben aus die­sem Zweck ein Spen­den­kon­to er­rich­tet.

Fo­tos: Sil­vio Wy­szen­grad, An­net­te Zo­epf

2016: Die Ak­ti­ons­ge­mein­schaft Lech­hau­sen hat sich für das Wand­bild am Lech-Ho­tel ein­ge­setzt. Es er­hielt den Zu­schlag und wird der­zeit von Bar­ba­ra Gräwe be­sprüht. Ihr The­ma: Mut zur Viel­falt.

2015: Fre­de­ric Son­tag sym­bo­li­siert „Gren­zen“an der Spi­che­rer Schu­le.

2013: Das Kol­lek­tiv Cap­tain Bor­der­li­ne ge­stal­tet die Wand am SKM-Ge­bäu­de.

2014: Tem­po­rär sprü­hen Max Birkl und BRNZN am Grand­ho­tel.

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