Neue We­ge in der Land­wirt­schaft

Blu­mentha­ler wol­len so­li­da­ri­sche Land­wirt­schaft be­trei­ben. Mit­glie­der kön­nen beim An­bau und mehr mit­re­den

Friedberger Allgemeine - - Wirtschaft Im Wittelsbacher Land - Fo­to: dpa

Aichach-Blu­men­thal Bei der Ab­kür­zung „So­la­wi“run­zeln vie­le ver­mut­lich erst ein­mal die Stirn. Nie bis sel­ten ge­hört, ist aber voll im Kom­men. „So­la­wi“be­deu­tet „so­li­da­ri­sche Land­wirt­schaft“und bie­tet ein grund­sätz­lich neu­es Kon­zept für die Pro­duk­ti­on und den Um­gang mit Nah­rungs­mit­teln.

Beim Tag der of­fe­nen Tür auf Schloss Blu­men­thal (Aichach) bo­ten Kath­rin Schae­fer und Big­gi Häus­ler ei­nen Vor­trag über das Pro­jekt an, mit an­schlie­ßen­der Füh­rung. Vie­le In­ter­es­sier­te lö­sen sich aus dem Trei­ben des In­nen­ho­fes, um sich in der klei­nen Ga­le­rie zu in­for­mie­ren. Mit Wur­zeln in Ja­pan in den 1960er-Jah­ren, fin­det die So­la­wi in Deutsch­land erst seit 2011 star­ke Ver­brei­tung. Der­zeit gibt es et­wa 100 da­von.

Die Idee da­zu ent­stand auf­grund der viel­fäl­ti­gen Pro­ble­me, die die mo­der­ne Land­wirt­schaft mit sich bringt. Zum ei­nen spielt die wirt­schaft­li­che Ab­hän­gig­keit des Ver­brau­chers von we­ni­gen, gro­ßen Be­trie­ben ei­ne Rol­le, die wie­der­um auf Welt­markt­prei­se an­ge­wie­sen sind. Die so­li­da­ri­sche Land­wirt­schaft bie­tet ei­ne mög­li­che Stra­te­gie, dem ent­ge­gen­zu­wir­ken. Le­bens­mit­tel, so die Re­fe­ren­tin­nen, wer­den nicht mehr über den Markt ver­trie­ben, son­dern in ih­rem ei­ge­nen Wirt­schafts­kreis­lauf an Mit­glie­der, die die­sen or­ga­ni­sie­ren und fi­nan­zie­ren. Ein zwei­tes Pro­blem stellt die ra­pi­de ab­neh­men­de Bo­den­frucht­bar­keit durch Dün­ger und schwe­re Ma­schi­nen dar, die laut Schae­fer in gro­ßem Flä­chen­ver­lust re­sul­tie­re. Das neue Kon­zept stellt ein an­de­res Han­deln in den Mit­tel­punkt: ver­ant­wor­tungs­vol­ler, nach­hal­ti­ger Um­gang mit der Na­tur, der ei­ne bäu­er­li­che und viel­fäl­ti­ge Land­wirt­schaft in der Re­gi­on för­dert.

„Das hat zahl­rei­che Vor­tei­le für den Ver­brau­cher“, so Kath­rin Schae­fer. Sie spricht von ho­her Pro­dukt­qua­li­tät, re­gio­na­ler Ver­füg­bar­keit, Trans­pa­renz über die Her­stel­lungs­be­din­gun­gen und vor al­lem fun­da­men­tal neu­en Er­fah­run­gen im Zu­sam­men­hang mit dem Wert der Le­bens­mit­tel. Die­se Er­fah­rung stüt­ze sich bei vie­len Ver­brau­chern le­dig­lich auf den Preis im Su­per­markt. Durch ak­ti­ve Mit­ge­stal­tung und ge­mein­sa­me Ei­ni­gung über grund­sätz­li­che Vor­ge­hens­wei­sen, et­wa auf die Stan­dards der An­bau­me­tho­den, ent­ste­he so ei­ne vom öko­no­mi­schen Zwang be­frei­te Wirt­schafts­ge­mein­schaft. Kon­kret lie­fe das so ab, dass sich Mit­glie­der ein­mal in der Wo­che zu­nächst Obst und Ge­mü­se ab­ho­len könn­ten. Das wur­de zu­vor in dem nach Be­dürf­nis­sen ge­staf­fel­ten Bei­trags­sys­tem fest­ge­legt. Ei­ne ak­ti­ve Teil­nah­me sei kein Muss, so Schae­fer, aber ger­ne ge­se­hen. Sie könn­te bei­spiels­wei­se aus ei­ner Zwie­bel-Steck-Ak­ti­on oder dem ge­mein­sa­men Ein­ko­chen von To­ma­ten­so­ße be­ste­hen.

Nach dem Vor­trag spa­zie­ren die Teil­neh­mer ge­mein­sam über das Ge­län­de. Wo heute noch Hüh­ner in der Er­de schar­ren, sol­len spä­ter ein­mal Milch­zie­gen gra­sen, und wo die­ses Jahr wäh­rend des El­fen­fes­tes die Wie­sen zu­ge­parkt wa­ren, lie­gen zwei spä­te­re An­bau­flä­chen. Ein bis ein­ein­halb Hekt­ar sind ins­ge­samt für die so­li­da­ri­sche Land­wirt­schaft in Blu­men­thal ge­plant. (anks)

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