Der Zoo kämpft um sei­ne Zu­kunft

Für das ge­plan­te Ele­fan­ten­haus flie­ßen kei­ne EU-För­der­mit­tel. Die Dick­häu­ter zäh­len aber zu den gro­ßen At­trak­tio­nen, die das Pu­bli­kum se­hen will. Die Di­rek­to­rin stellt nun die Über­le­bens­fra­ge

Friedberger Allgemeine - - Region Augsburg - VON EVA MA­RIA KNAB Fo­to: Sil­vio Wy­szen­grad

Der Zoo braucht ein neu­es Ele­fan­ten­haus. Doch bei den Fi­nan­zie­rungs­plä­nen gibt es ei­nen schwe­ren Rück­schlag. Von der Eu­ro­päi­schen Uni­on wer­den kei­ne För­der­mit­tel für das Augs­bur­ger Mil­lio­nen­pro­jekt flie­ßen. Das teilt Di­rek­to­rin Bar­ba­ra Jantsch­ke mit. Aus ih­rer Sicht geht es jetzt um die Exis­tenz­fra­ge. „Der Zoo ist auf Dau­er im Über­le­ben ge­fähr­det, wenn die neue Ele­fan­ten­an­la­ge nicht kommt“, sagt sie.

Dick­häu­ter zäh­len für Zoo­be­su­cher zu den gro­ßen At­trak­tio­nen. Von der frü­he­ren Ele­fan­ten­her­de in Augs­burg sind aber nur noch zwei Tie­re üb­rig: Tar­ga und Bur­ma. Da­zu kommt, dass bei­de Weib­chen alt sind. Bur­ma ist 47 Jah­re. Tar­ga zählt mit 61 Jah­ren welt­weit zu den äl­tes­ten Zoo­ele­fan­ten. Kei­ner kann sa­gen, wie lan­ge sie noch lebt. In die­sem Al­ter kann schon ei­ne leich­te Krank­heit sehr schnell töd­lich sein. Mit dem fort­ge­schrit­te­nen Al­ter von Tar­ga hängt wie­der­um ein drit­tes Pro­blem zu­sam­men: Der Zoo kann kei­ne neu­en, jün­ge­ren Ele­fan­ten ho­len, nicht ein­mal als Er­satz. Denn das be­ste­hen­de Ge­he­ge er­füllt nicht mehr die Hal­tungs­vor­schrif­ten für die­se Art.

Nach Ein­schät­zung der Zoo­di­rek­to­rin führt kein Weg an ei­nem neu­en Ele­fan­ten­haus vor­bei – auch wenn es mit der ur­sprüng­lich ge­plan­ten

Die Vor­ga­ben der EU wa­ren nicht er­füll­bar

Fi­nan­zie­rung nicht ge­klappt hat. Zu­nächst war vor­ge­se­hen, ei­ne mo­der­ne An­la­ge für acht Mil­lio­nen Eu­ro zu bau­en. Gut ein Drit­tel der Kos­ten soll­ten über För­der­mit­tel aus dem Li­fe-Pro­gramm wie­der her­ein­kom­men. Doch mit dem För­der­an­trag hat es nicht ge­klappt.

„Es hat sich her­aus­ge­stellt, dass die Fi­nan­zie­rungs­vor­ga­ben der EU für das Pro­jekt nicht er­füll­bar wa­ren, auch nicht nach ei­ner Nach­bes­se­rung“, so Jantsch­ke. Ver­ein­facht ge­sagt, konn­ten die Kos­ten für das Ele­fan­ten­haus nicht so­weit her­un­ter­ge­rech­net wer­den, dass die Ober­gren­ze für die EU-För­de­rung ein­ge­hal­ten wor­den wä­re. Jantsch­ke will aber wei­ter um das neue Ele­fan­ten­haus kämp­fen. Ihr Ziel ist nun, dass der Zoo das Vor­ha­ben sel­ber fi­nan­ziert. Die An­la­ge soll bis 2019 in ei­ner güns­ti­ge­ren, ab­ge­speck­ten Va­ri­an­te für sechs Mil­lio­nen Eu­ro ge­baut wer­den. „Beim Tier­wohl wer­den kei­ne Ab­stri­che ge­macht“, ver­spricht sie. Ein­ge­spart wer­den soll aber die Au­ßen­fas­sa­de – ähn­lich wie bei der WWK-Are­na. Auch be­glei­ten­de An­ge­bo­te für jün­ge­re Be­su­cher wie ein „Was­ser­rund­gang“wer­den nicht rea­li­siert.

Zwar hat Jantsch­ke in­zwi­schen ei­nen neu­en Part­ner für das Ele­fan­ten­haus im Boot. Der Freun­des­kreis des Zoos hat mehr­heit­lich be­schlos­sen, sich zum ers­ten Mal an ei­nem Ge­mein­schafts­pro­jekt mit dem Zoo zu be­tei­li­gen. „Wir wol­len nach bes- Kräf­ten Geld für die Ele­fan­ten sam­meln“, sagt Vor­sit­zen­der Her­bert Main­ka. Für den För­der­ver­ein al­lei­ne sei das Pro­jekt aber meh­re­re Num­mern zu groß. Bei der Fi­nan­zie­rung gibt es des­halb im­mer noch ei­nen Knack­punkt.

Der neue Plan sieht vor, dass in­ner­halb von drei Jah­ren 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro an Spen­den ein­ge­wor­ben wer­den. 500 000 Eu­ro will der Zoo aus ei­ge­nen Mit­teln in das Pro­jekt ein­brin­gen und wei­te­re vier Mil­lio­nen Eu­ro über ein Dar­le­hen fi­nan­zie­ren. Um die­ses Dar­le­hen auf­neh­men und ab­zah­len zu kön­nen, braucht die städ­ti­sche Zoo Gm­bH je­doch die Hil­fe der Stadt. Die­ses Pro­blem be­schäf­tig­te nun auch den Auf­sichts­rat der städ­ti­schen Toch­ter­ge­sell­schaft. Vor­sit­zen­der ist OB Kurt Gribl. Das Er­geb­nis der Sit­zung: Über das Um­welt­re­fe­rat soll ein An­trag auf Fi­nan­zie­rungs­bei­hil­fe fürs Ele­fan­ten­haus in die städ­ti­schen Gre­mi­en ein­ge­bracht wer­den. Bis­lang hat die Stadt noch nie ei­ne In­ves­ti­ti­on des Zoos be­zu­schusst.

Nach Ein­schät­zung der Di­rek­to­rin ist ei­ne Fi­nanz­sprit­ze nun aber nö­tig für den Fort­be­stand des Zoos in Augs­burg. Sie macht ei­ne Rech­nung auf. Da­nach müs­sen at­trak­ti­ve Groß­tie­re ge­zeigt wer­den, da­mit ge­nü­gend Be­su­cher kom­men. Par­al­lel müs­sen re­gel­mä­ßig die Ein­tritts­prei­se er­höht wer­den, um stei­gen­de Kos­ten für Löh­ne, Ener­gie und Fut­ten ter auf­zu­fan­gen. In den ver­gan­ge­nen 14 Jah­ren ha­be sich der Ein­tritts­preis für Er­wach­se­ne von fünf auf zehn Eu­ro ver­dop­pelt, sagt Jantsch­ke. Trotz­dem sei­en die Be­su­cher die­sen Weg mit­ge­gan­gen und die Be­su­cher­zah­len von 450 000 auf 600 000 an­ge­stie­gen.

Ei­nes sagt die Di­rek­to­rin nun aber vor­aus: „Wenn kei­ne Ele­fan­ten mehr zu se­hen sind, wird die Ak­zep­tanz für Preis­er­hö­hun­gen mit Si­cher­heit ver­schwin­den.“Und die nächs­te Preis­run­de sei schon bald nö­tig. »Kom­men­tar

Bei uns im In­ter­net Fo­tos von den Zoo-Ele­fan­ten un­ter: augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de/bil­der

Die Ele­fan­ten Tar­ga und Bur­ma zäh­len zu den gro­ßen At­trak­tio­nen des Zoos. Ges­tern Nach­mit­tag toll­ten sich die bei­den vor dem Ele­fan­ten­haus, das für die art­ge­rech­te Tier­hal­tung drin­gend er­neu­ert wer­den muss.

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