Dis­kus­si­on über „Kil­ler­spie­le“

Com­pu­ter Po­li­ti­ker wol­len ein Ver­bot. Doch wo­rum geht es da­bei ei­gent­lich und wel­ches Er­geb­nis ist wahr­schein­lich?

Friedberger Allgemeine - - Friedberg -

Aichach-Fried­berg Nach dem Amok­lauf in ei­nem Mün­che­ner Ein­kaufs­zen­trum wur­den wie­der Ru­fe nach ei­nem Ver­bot von „Kil­ler­spie­len“laut. Denn der Tä­ter soll re­gel­mä­ßig den Ego-Shoo­ter Coun­ter­strike ge­spielt und sich bei sei­nem An­griff „wie in ei­nem Com­pu­ter­spiel“be­wegt ha­ben. Das sag­te die Po­li­zei. Doch was sind „Kil­ler­spie­le“über­haupt und ist ein Ver­bot rea­lis­tisch? Das hat K!ar.Text her­aus­ge­fun­den.

● Was ist ein Kil­ler­spiel? Wie der Na­me schon sagt, sind das Vi­deo­spie­le, in de­nen es um das „Kil­len“, al­so das Tö­ten, von an­de­ren di­gi­tal dar­ge­stell­ten Men­schen geht.

● War­um wird über ein Ver­bot dis­ku­tiert? Bei Amok­läu­fern, egal ob nach Win­nen­den im Jahr 2009 oder jetzt in Mün­chen, wird häu­fig fest­ge­stellt, dass sie aus­gie­big Vi­deoo­der Com­pu­ter­spie­le mit ge­walt­tä­ti­gem In­halt ge­spielt ha­ben. Vie­le Po­li­ti­ker re­agie­ren dar­auf mit Ver­bots­for­de­run­gen.

Vie­le Me­dien­ex­per­ten glau­ben aber nicht, dass ein Ver­bot sinn­voll wä­re. So sagt bei­spiels­wei­se der Me­di­en­psy­cho­lo­ge Ru­dolf Weiß: „Die­se Spie­le tra­gen im gro­ßen Um­fang zur Ver­ro­hung der Ge­sell­schaft bei – aber es ist ver­mes­sen, zu sa­gen, dass aus je­dem Spie­ler ein At­ten­tä­ter wird.“

Ent­schei­den­der sind für die Ex­per­ten, wie sta­bil die Per­sön­lich­kei­ten der ein­zel­nen Men­schen sind und ob sie in ge­si­cher­ten Fa­mi­li­en­ver­hält­nis­sen le­ben.

● Wie wahr­schein­lich ist ein Ver­bot? Un­wahr­schein­lich. Ei­ner­seits sind die Ver­bots­for­de­run­gen ein be­kann­ter Re­flex nach Amok­läu­fen, an­de­rer­seits spre­chen sich auch nam­haf­te Po­li­ti­ker ge­gen ein Ver­bot aus. Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re sag­te, in ei­nem frei­heit­li­chen Rechts­staat sei ein Ver­bot „nicht der rich­ti­ge Weg“. Auch Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig hält nichts da­von, die Spie­le zu ver­bie­ten: „Nicht je­der, der die­se Art von Spie­len spielt, wird auch zum Amok­läu­fer.“Au­ßer­dem gilt das deut­sche Ju­gend­schutz­sys­tem bei Vi­deo­spie­len als sehr fort­schritt­lich.

● Wer ver­gibt die Al­ters­frei­ga­ben bei Vi­deo­spie­len? In Deutsch­land ist das die Un­ter­hal­tungs­soft­ware Selbst­kon­trol­le (USK). Sie tes­tet die Spie­le und ver­gibt die Frei­ga­ben, an die sich Händ­ler hal­ten müs­sen. Die Kri­te­ri­en gel­ten als sehr streng. Wird man in ei­nem Spiel bei­spiels­wei­se für das Tö­ten von Men­schen mit Punk­ten oder Spiel­geld be­lohnt oder ist die Ge­walt­dar­stel­lung be­son­ders dras­tisch, darf ein Spiel nur an Voll­jäh­ri­ge ver­kauft wer­den. Ist ein Spiel be­son­ders bru­tal, kann es „in­di­ziert“wer­den. Das über­nimmt die Bun­des­prüf­stel­le für ju­gend­ge­fähr­den­de Me­di­en (BPjM). Wird ein Spiel in­di­ziert, dann be­deu­tet das, dass in Deutsch­land nicht da­für ge­wor­ben wer­den darf, dass kei­ne Ar­ti­kel dar­über ver­öf­fent­licht wer­den dür­fen und dass die­ses Spiel in Lä­den nicht nor­mal im Re­gal ste­hen darf.

Ver­kauft wer­den dür­fen in­di­zier­te Spie­le trotz­dem, eben nur an Er­wach­se­ne, die im La­den da­nach fra­gen. Im Ge­gen­satz da­zu gibt es Spie­le, die straf­recht­lich be­denk­lich sind und des­halb „be­schlag­nahmt“wer­den. Sie dür­fen über­haupt nicht ver­kauft wer­den. Dies ent­schei­den nicht die USK oder die BPjM, son­dern die Staats­an­walt­schaft. Hat ein Spiel kei­ne USK-Kenn­zeich­nung, darf es in Deutsch­land eben­falls nicht ver­kauft wer­den. Selbst, wenn es nicht bru­tal ist.

● Wie be­liebt sind die Spie­le? Sehr be­liebt. Spie­le wie „Call of Du­ty“oder „Batt­le­field“füh­ren re­gel­mä­ßig die Ver­kauf­scharts an, sie sind ein Mil­lio­nen­ge­schäft für die Ent­wick­ler. „Coun­ter­strike“ist ei­nes der meist­ge­spiel­ten Com­pu­ter­spie­le über­haupt. Mitt­ler­wei­le fin­den schon welt­weit or­ga­ni­sier­te Tur­nie­re in Sta­di­en statt, in de­nen es um meh­re­re tau­send Eu­ro Preis­geld geht und die mit sehr ho­hen Zu­schau­er­zah­len auf­war­ten kön­nen. (gioe mit dpa)

Sym­bol­fo­to: An­net­te Zo­epf

Hilft ein Ver­bot von so­ge­nann­ten „Kil­ler­spie­len“, Amok­läu­fe zu ver­hin­dern? Nicht al­le Po­li­ti­ker glau­ben das, auch vie­le Me­dien­ex­per­ten sind an­de­rer Mei­nung.

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