Deut­sche-Bank-Ak­tie im frei­en Fall

Das Pa­pier des einst stol­zen In­sti­tuts ist tief ab­ge­stürzt. Ein Ex­per­te warnt vor neu­en schlech­ten Nach­rich­ten

Friedberger Allgemeine - - Wirtschaft - VON MICHA­EL KERLER

Augs­burg Wie weit geht es noch nach un­ten? Skan­da­le und Kri­sen ha­ben der Deut­sche Bank zu­ge­setzt. Kon­zern­chef John Cryan ist zwar nicht als Mann be­kannt, der sich leicht be­ein­dru­cken lässt. Sein Spitz­na­me: „Mr. Grum­py“– Herr Gries­gram. Doch der Fall des In­sti­tuts dür­fe auch ihn nicht kalt las­sen. Die Ak­tie er­reich­te die­se Wo­che Tiefst­stän­de: Mit zeit­wei­se nur noch 11,09 Eu­ro hat das Pa­pier seit Cryans Amts­an­tritt im Ju­li 2015 rund zwei Drit­tel sei­nes Werts ver­lo­ren und sich ges­tern nur we­nig er­holt. Die Ak­tie ist heu­te we­ni­ger wert als An­fang der 90er Jah­re.

Von eins­ti­gen Höchst­stän­den ist die Deut­sche Bank mei­len­weit ent­fernt. In Spit­zen­zei­ten – vor der Fi­nanz­markt­kri­se 2008 – kos­te­te ei­ne Ak­tie noch über 100 Eu­ro. Wie lässt sich der Ab­sturz er­klä­ren? „Die Deut­sche Bank ist nicht das ein­zi­ge Geld­haus, das in Eu­ro­pa zu kämp­fen hat“, sagt der Münch­ner Fi­nanz­ex­per­te Pro­fes­sor Chris­toph Kaserer. Ein fun­da­men­ta­les Pro­blem, das die deut­schen Ban­ken trifft, sei die „feh­len­de Pro­fi­ta­bi­li­tät“. Die Ban­ken ver­dien­ten nicht mehr ge­nug Geld. Und die Mehr­heit der An­le­ger ist über­zeugt, dass sich dies mit­tel­fris­tig nicht än­dert, glaubt der In­ha­ber des Lehr­stuhls für Fi­nanz­ma­nage­ment an der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät. Da­zu kom­me „ein Son­der­pro­blem“der Deut­schen Bank, sag­te Kaserer un­se­rer Zei­tung. Näm­lich die Fra­ge, „wann ein En­de der Fah­nen­stan­ge bei den Rechts­strei­tig­kei­ten er­reicht ist“.

Die Deut­sche Bank hat rund 7800 Ge­richts­pro­zes­se am Hals. Das kos­tet Mil­li­ar­den. „Und wenn ei­ne Bank kei­nen Ge­winn macht, fällt es schwer, die Be­las­tung zu tra­gen.“Jetzt steigt die Deut­sche Bank aus der obers­ten Bör­sen­li­ga ab. Sie fällt aus dem eu­ro­päi­schen Bör­sen­in­dex Eu­roS­to­xx 50. Im Jahr 2015 schrieb die Deut­sche Bank ei­nen Re­kord­ver­lust von 6,7 Mil­li­ar­den Eu­ro. Der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds be­zeich­ne­te sie be­reits als das ri­si­ko­reichs­te In­sti­tut der Welt. Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le sah sich im Fe­bru­ar schon ge­zwun­gen, die Märk­te zu be­ru­hi­gen und zu ver­si­chern, der Kurs­sturz be­rei­te ihm „kei­ne Sor­ge“.

Der deut­sche Mit­tel­stand sorgt sich trotz­dem um Deutsch­lands größ­tes Geld­haus: „Vie­le Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men ha­ben Bauch­schmer­zen, wenn sie die Ent­wick­lung bei der Deut­schen Bank be­ob­ach­ten“, sag­te eben erst Lutz Goe­bel, Prä­si­dent der Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mer. Den neu­en Ban­ken-Stress­test hat die Deut­sche Bank zwar be­stan­den. Doch der zeig­te auch, dass die Ka­pi­tal­de­cke im Kri­sen­fall dünn wird.

Zwar be­ru­higt Deut­sche-Ban­kChef Cryan: „Wir sind 2016 mit ei­nem bes­se­ren Er­geb­nis aus dem Test her­aus­ge­kom­men als 2014.“Die Bank sei auch für här­te­re Zei­ten ge­wapp­net. Doch Fi­nanz­ex­per­te Kaserer hält die La­ge trotz­dem für „dra­ma­tisch“.

An der Bör­se ist die Bank nur noch mit ei­nem Drit­tel ih­res Buch­werts be­wer­tet, rech­net Kaserer vor und fügt hin­zu: „Es darf nicht mehr all­zu viel pas­sie­ren.“Bei ei­ner wei­te­ren gro­ßen Kor­rek­tur in der Bi­lanz könn­te es „eng“wer­den, meint der Fi­nanz­ex­per­te. Denn: „Ei­ne wei­te­re Fi­nanz­kri­se wie 2008, die die Deut­sche Bank da­mals oh­ne Staats­hil­fe über­stan­den hat, wür­de sie dies­mal oh­ne Staats­hil­fe nicht über­ste­hen.“

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