War­um muss­te die­ser Tul­pen­baum ster­ben?

Na­tur Im Hof­gar­ten ist ein mar­kan­ter Baum­rie­se zur Fäl­lung frei­ge­ge­ben. Land­schafts­gärt­ner Nor­bert Mayr glaubt, man hät­te ihn ret­ten kön­nen. Fach­leu­te der Stadt wi­der­spre­chen

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON EVA MA­RIA KNAB

Im ver­gan­ge­nen Som­mer hat­te er noch Not­t­rie­be. Jetzt ist ei­ner der gro­ßen Tul­pen­bäu­me im Hof­gar­ten end­gül­tig dürr und ab­ge­stor­ben. Der frei­be­ruf­li­che Land­schaft­gärt­ner Nor­bert Mayr ist über­zeugt: Die­ser exo­ti­sche Pracht­baum wä­re zu ret­ten ge­we­sen, wenn er an­ders ge­pflegt wor­den wä­re. Im städ­ti­schen Amt für Grü­n­ord­nung weist man die­se Kri­tik zu­rück. Ur­säch­lich für den Tod des Bau­mes sei­en holz­zer­set­zen­de Pil­ze, so Amts­lei­te­rin Anet­te Ved­der. Der Tul­pen­baum ist nun zur Fäl­lung frei­ge­ge­ben.

War­um vie­le Stadt­bäu­me krän­keln, dar­über wird in Augs­burg viel dis­ku­tiert. Land­schafts­gärt­ner Mayr ver­tritt die Auf­fas­sung, dass die Baum­pfle­ge im ur­ba­nen Raum an­ders ab­lau­fen müss­te, be­son­ders an schwie­ri­gen Stand­or­ten.

Sein Ar­gu­ment: Wür­de man die Bäu­me sich selbst über­las­sen, wür­den sie in ei­nem di­cken Pols­ter aus ver­rot­ten­dem Laub ste­hen. Die­ser Laub­kom­post ver­sor­ge den Baum das gan­ze Jahr über mit Feuch­tig­keit und Nähr­stof­fen, so­dass er vi­tal blei­be. In öf­fent­li­chen Parks und Grün­an­la­gen wird das Laub aber re­gel­mä­ßig ent­fernt. Als Er­satz emp­fiehlt Mayr des­halb ei­nen Ring aus Rin­den­mulch und Kom­post rings um den Stamm her­um. Sei­ner Mei­nung nach hät­te die­se Me­tho­de schon seit Jah­ren Stadt­bäu­men an vie­len Stel­len hel­fen kön­nen, auch dem Tul­pen­baum im Hof­gar­ten. Die­ser ha­be nur et­wa ein Zehn­tel des üb­li­chen Al­ters er­reicht. „Die ers­ten Tul­pen­bäu­me wur­den in Deutsch­land im Ba­rock ein­ge­führt“, sagt Mayr, „vie­le von ih­nen ste­hen heu­te noch.“

Die Fach­leu­te der Stadt kön­nen sich mit die­sem Vor­schlag ei­nes frei­schaf­fen­den Kol­le­gen nicht an­freun­den. Ur­säch­lich für das Abst­er­ben des Tul­pen­baums sei­en „holz­zer­set­zen­de Pil­ze“, so Ved­ders Ein­schät­zung. Der Hof­gar­ten sei ei­ne sehr gut ge­pfleg­te Grün­an­la­ge. Der Bo­den im Be­reich der Bäu­me sei we­nig be­ein­träch­tigt, da dort kei­ne schwe­ren Fahr­zeu­ge fah­ren und es auch kei­nen Streu­salz­ein­trag gibt. „Aber auch an we­nig be­ein­träch­tig­ten Stand­or­ten kön­nen Bäu­me abst­er­ben“so Ved­der. Sie spricht von ei­nem na­tür­li­chen Pro­zess, der auch im Wald und in gro­ßen Parks vor­kommt.

Aus Sicht der Fach­leu­te im Grün­amt ist Rin­den­mulch für Bäu­me im ur­ba­nen Be­reich „nicht an­ge­zeigt“. Die­se Me­tho­de wer­de nur an ei­ni­gen ge­eig­ne­ten Stel­len bei der Pflan­zung von Jung­bäu­men an­ge­wandt. „Mulchma­te­ri­al ver­unkrau­tet nach we­ni­gen Jah­ren, Hun­de­kot und Müll kön­nen schlecht ent­fernt und ent­sorgt wer­den, au­ßer­dem wer­den ge­mulch­te Flä­chen durch Über­fah­ren schnell ver­dich­tet“, so Ved­der. Bei al­ten Bäu­men sei das Mul­chen ei­ner klei­nen Flä­che rund um den Stamm eben­falls fach­lich nicht sinn­voll, da die Wur­zeln im ge­sam­ten Kro­nen­be­reich wach­sen: Ge­ra­de am En­de der Wur­zeln sei­en die meis­ten Ver­sor­gungs- und Fein­wur­zeln vor­han­den.

Ei­nig sind sich Ex­per­ten, dass vie­le Stadt­bäu­me in­zwi­schen oft ei­ne kür­ze­re Le­bens­er­war­tung ha­ben. Ein fa­ta­ler Mix aus Ur­sa­chen macht vie­le krank. An Stra­ßen­rän­dern und in ge­pflas­ter­ten Be­rei­chen ha­ben sie nur we­nig Bo­den, sie müs­sen Streu­salz und Luft­schad­stof­fe ver­kraf­ten. Da­zu kom­men Hit­ze und Tro­cken­heit durch den Kli­ma­wan­del. Das macht auch die Ar­beit der Mit­ar­bei­ter im Grün­amt nicht leich­ter. Wäh­rend der Hit­ze­wel­le im ver­gan­ge­nen Som­mer ver­trock­ne­ten die Al­lee­bäum­chen in der Bür­ger­meis­ter-Fi­scher-Stra­ße. Sie hat­ten in ih­ren Trögen kaum noch Erd­reich, um Was­ser zu spei­chern. In die­sem Jahr muss­ten neue Spit­z­ahor­ne ge­pflanzt wer­den, die Hit­ze und Tro­cken­heit bes­ser ver­tra­gen.

Fo­to: Pe­ter Fastl

Die Äs­te sind dürr, Rin­de blät­tert ab: Land­schafts­gärt­ner Nor­bert Mayr zeigt ei­nen mäch­ti­gen Tul­pen­baum im Hof­gar­ten, der jetzt ge­fällt wer­den muss. Er är­gert sich, dass er mit sei­nen Pfle­ge­tipps bei der Stadt kein Ge­hör fin­det.

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