Neu­es ler­nen beim Kü­he füt­tern

Pro­jekt Auf dem Bau­ern­hof ver­ste­hen Kin­der, wo­her Le­bens­mit­tel kom­men. Und sie ha­ben Spaß

Friedberger Allgemeine - - Aichach-friedberg -

Aichach-Fried­berg Kü­he füt­tern ist lus­tig: Das Heu auf die Front­schau­fel pa­cken, den John Dee­re durch die Gas­se bug­sie­ren, Cen­ta ver­sor­gen, so­fort wie­der raus und ei­ne neue Fuh­re auf­la­den. Dies­mal für Gi­se­la, die Sche­cki­ge. Ei­ne auf­re­gen­de Sa­che ist das für Dritt­kläss­ler, wenn sie auf Spiel­zeug­trak­to­ren durch ei­nen Kuh­stall wu­seln dür­fen, so wie an die­sem Tag auf dem Hibsch-Hof im Hol­len­ba­cher Orts­teil Schön­bach. Sie ha­ben ei­ne Rie­sen­gau­di – und ler­nen da­bei. Da­für sorgt das Pro­jekt „Na(h) gut!“im Wit­tels­ba­cher Land.

Die Schü­ler ha­ben zum Bei­spiel ge­lernt, dass ei­ne Kuh wie­der­käut und über 20 Li­ter Milch gibt pro Tag, aus der man But­ter, Jo­ghurt oder Kä­se ma­chen kann. Ha­ben sie schon pro­biert: Kuh­milch so lan­ge schla­gen, bis But­ter draus wird.

Wo­her die Roh­stof­fe für un­se­re Le­bens­mit­tel kom­men, wie sie ver­ar­bei­tet wer­den, was in ih­nen steckt – das al­les er­fah­ren Kin­der, die an „Na(h) gut!“teil­neh­men. Das Pro- jekt bie­tet der Wit­tels­ba­cher Land Ver­ein den Kin­der­gär­ten und Grund­schu­len im Land­kreis an. Über 20 Klas­sen und 20 Hort­grup­pen ha­ben laut Mit­tei­lung heu­er dar­an teil­ge­nom­men. Die Kin­der ha­ben bei Ge­schmacks­schu­lun­gen ge­lernt, Obst und Ge­mü­se zu rie­chen, zu schme­cken und zu füh­len; sie ha­ben Jo­ghurt mit fri­schen Früch­ten

15 Pro­zent der Kin­der und Ju­gend­li­chen in Deutsch­land sind über­ge­wich­tig

ge­rührt und mit ei­nem Wit­tels­ba­cher Spe­zia­li­tä­ten­wirt ko­chen dür­fen. Bur­ger vom Wit­tels­ba­cher Wei­deoch­sen mit kna­cki­gen Sa­la­ten stand un­ter an­de­rem auf der Spei­se­kar­te.

Bar­ba­ra St­raub sagt: „Wir möch­ten Kin­der von ge­sun­dem Es­sen über­zeu­gen.“Die Fried­ber­ge­rin lei­tet das Pro­jekt „Na(h) gut!“und hat meh­re­re hun­dert Kin­der auf dem Weg zu ge­sun­der Er­näh­rung be­glei­tet. Er­folg­reich, sagt sie: „Die Kin­der sind be­geis­tert da­bei, wenn wir ein­fa­che Spei­sen frisch zu­be­rei­ten.

Und ge­nau­so be­geis­tert es­sen sie sie. Die Re­zep­te ge­ben wir ih­nen mit nach Hau­se, und oft wer­den sie dort auch um­ge­setzt.“Man se­he das an den Pau­sen­bo­xen, die da­nach deut­lich öf­ter mit Obst und Ge­mü­se be­stückt sei­en, statt mit Sa­la­mi­Sem­mel und Scho­ko­rie­gel. Die­ses Um­den­ken scheint not­wen­dig: Ei­ne Stu­die der Bun­des­re­gie­rung hat er­ge­ben, dass 15 Pro­zent der drei- bis 17-Jäh­ri­gen in Deutsch­land über­ge­wich­tig sind. Vie­le be­kom­men kei­ne ge­sun­den Mahl­zei­ten mehr.

Maß­geb­li­cher Be­stand­teil von „Na(h) gut!“sind Be­su­che auf ei­nem Hof. So er­le­ben die Kin­der, wie Le­bens­mit­tel ent­ste­hen. Sie sind zum Bei­spiel Gast auf dem Schei­cher­hof in Rehling, dem Bio­land­hof Krep­pold in Wil­pers­berg (Aichach), dem Wag­ler­hof in In­chen­ho­fen oder eben auf dem Hibsch-Hof. Der 85 Hekt­ar gro­ße Mit­mach-Bau­ern­hof hält 75 Milch­kü­he, 75 Käl­ber und ei­ne Hüh­ner­zucht. Bäue­rin Lu­cia Bradl hat mehr­mals die Wo­che Gäs­te. „Wir sind kein Strei­chel­zoo. Wir zei­gen, wie es tat­säch­lich zu­geht auf dem Hof“, sagt die aus­ge­bil­de­te Er­leb­nis­bäue­rin. Den 16 Dritt­kläss­lern aus Schilt­berg und ih­rer Leh­re­rin Ma­nue­la Tho­ma rech­net sie vor, dass ih­re Tie­re täg­lich fünf Ton­nen Fut­ter brau­chen, meist Gras- und Mais­si­la­ge, aber auch Ha­fer und an­de­res Ge­trei­de. Sie ge­ben täg­lich 1500 Li­ter Milch.

„Na(h) gut!“gibt es seit 2010. Trä­ger ist der Wit­tels­ba­cher Land Ver­ein, mehr als 60 000 Eu­ro hat er bis 2015 in­ves­tiert. Zu­sätz­lich flos­sen rund 30000 Eu­ro aus dem EUFör­der­pro­gramm LE­A­DER. Die Zu­schüs­se sind nun aus­ge­schöpft, die Fi­nan­zie­rung wur­de um­struk­tu­riert. Jetzt un­ter­stüt­zen es die Kom­mu­nen. „Da­mit kann es nach­hal­tig und dau­er­haft fort­ge­führt wer­den“, freut sich St­raub. Ne­ben den Land­schon wir­ten sind die Spe­zia­li­tä­ten­wir­te, das Amt für Land­wirt­schaft in Fried­berg, das Ju­gend­amt, das Schul­amt und die Lan­des­an­stalt für Land­wirt­schaft Pro­jekt­part­ner. Land­wir­te kön­nen noch auf­ge­nom­men wer­den. Die Pla­nun­gen für das neue Schul­jahr lau­fen ge­ra­de.

Auf dem Hibsch-Hof in Schön­bach sind Cen­ta, Gi­se­la und ih­re weiß­brau­nen Kol­le­gin­nen in­zwi­schen papp­satt. Jetzt ha­ben die Be­su­cher aus Schilt­berg selbst Hun­ger be­kom­men. Kein Pro­blem auf ei­nem Bau­ern­hof: Aus dem Hüh­ner­stall dür­fen die Dritt­kläss­ler le­ge­war­me Eier sti­bit­zen.

Mit der fri­schen Kuh­milch, ein paar Löf­feln ge­mah­le­nem Ge­trei­de und selbst ge­mach­ter But­ter gibt das ein fei­nes Es­sen. Bäue­rin Bradl bäckt Pfann­ku­chen mit der Meu­te.

Kon­takt In­for­ma­tio­nen zum Pro­jekt „Na(h) gut – nah kau­fen, gut es­sen“gibt es im In­ter­net un­ter www.wit­tels­ba­cher­land.de. Kon­takt zur Pro­jekt­ma­na­ge­rin: bar­ba­ra.st­raub@on­line­ho­me.de

Fotos: Ra­mo­na Rie­de­rer

Mais- und Gras­si­la­ge sind die Haupt­nah­rung von Kü­hen. Rund fünf Ton­nen fres­sen die 150 Tie­re auf dem Hibsch-Hof in Schön­bach täg­lich. Die Schilt­ber­ger Kin­der durf­ten mit Schau­fel und Schub­kar­re auf Nah­rungs­su­che ge­hen.

So­gar der Go­ckel ist zu­trau­lich auf dem Hibsch-Hof. Die Hen­nen las­sen sich von den Kin­dern, Bäue­rin Lu­cia Bradl (rechts) und Bar­ba­ra St­raub auf den Arm neh­men.

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