Theater wird zum fi­nan­zi­el­len Sor­gen­kind

Das De­fi­zit der zu En­de ge­gan­ge­nen Spiel­zeit 2015/2016 ist hö­her als kal­ku­liert. Da­für gibt es für die Stadt bei der Ge­wer­be­steu­er Ent­war­nung: Min­der­ein­nah­men in Mil­lio­nen­hö­he sind nicht zu er­war­ten

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON MICHA­EL HÖRMANN VON MICHA­EL HÖRMANN mo­eh@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung des Thea­ters ist nicht al­lein we­gen der an­ste­hen­den Sa­nie­rung ei­ne Her­aus­for­de­rung: Die ab­ge­lau­fe­ne Spiel­zeit 2015/2016 en­det wohl mit ei­nem Mi­nus rund 800 000 Eu­ro, zu­mal die Frei­licht­büh­nen­sai­son nicht die Er­war­tun­gen er­fül­len konn­te. Dies geht aus dem Halb­jah­res­be­richt vor, den Fi­nanz­re­fe­ren­tin Eva Weber jetzt prä­sen­tiert hat. Deut­lich we­ni­ger Be­su­cher als in zu­rück­lie­gen­den Jah­ren, die zur Spiel­stät­te am Ro­ten Tor ka­men, sorg­ten für we­ni­ger Ein­nah­men.

Das Theater hat ein ab­wei­chen­des Ge­schäfts­jahr. Es geht vom 1. Sep­tem­ber bis zum 31. Au­gust des Fol­ge­jah­res. Der Wirt­schafts­plan lis­tet das Zah­len­werk auf. „In ei­ner ers­ten Pro­gno­se zum Er­geb­nis des Ge­schäfts­jah­res 2015/2016 wird da­von aus­ge­gan­gen, dass ge­gen­über dem Wirt­schafts­plan wohl ein ne­ga­ti­ves Er­geb­nis von 213000 Eu­ro zu er­war­ten ist. Da der Wirt­schafts­plan be­reits ein ne­ga­ti­ves Er­geb­nis von 574000 Eu­ro plan­mä­ßig auf­weist, ist dem­ent­spre­chend mit ei­nem Ge­samt­er­geb­nis aus der wirt­schaft­li­chen Tä­tig­keit des Thea­ters von mi­nus 786 000 Eu­ro zu rech­nen“, heißt es im Halb­jah­res­be­richt.

Wei­te­re ne­ga­ti­ve Ent­wick­lun­gen sei­en nicht aus­zu­schlie­ßen. Das Theater hat ei­nen Jah­res­etat von knapp 29 Mil­lio­nen Eu­ro. Fast 23,5 Mil­lio­nen wer­den über Zu­schüs­se fi­nan­ziert, der Rest kommt groß­teils aus dem Ti­cket­ver­kauf.

Das Theater Augs­burg muss in der Spiel­zeit 2015/2016 ver­kraf­ten, dass es auf der Ein­nah­men­sei­te ei­nen mas­si­ven Rück­gang im Ver­gleich zur Vor­sai­son gibt. Fast 5,7 Mil­lio­nen Eu­ro an Ein­nah­men wa­ren es zu­letzt, die­ses Jahr geht man 4,8 Mil­lio­nen Eu­ro auf der Ein­nah­men­sei­te aus. Er­klär­bar wird die­se Ent­wick­lung mit Blick auf die Frei­licht­büh­ne: Im Vor­jahr er­ziel­ten die „Blues Bro­thers“ein Er­geb­nis von 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro, „Ca­ba­ret“in die­sem Jahr kommt nach den jüngs­ten Aus­sa­gen vom Theater auf knapp 700000 Eu­ro. Auch der fi­nan­zi­el­le Auf­wand für In­te­rims­räu­me schlägt sich be­reits ne­ga­tiv zu Bu­che. Das Theater rech­net hier mit Aus­ga­ben von knapp 500000 Eu­ro, die für die Spiel­zeit 2015/2016 nicht zu er­war­ten ge­we­sen sei­en.

Da das Gro­ße Haus im Theater am Ken­ne­dy­platz we­gen des Brand­schut­zes oh­ne Sa­nie­rung nicht mehr als Spiel­stät­te zur Ver­fü­gung steht, geht das Theater ab der neu­en Spiel­zeit in Aus­weich­spiel­stät­ten. Das macht ei­ne Kal­ku­la­ti­on noch schwie­ri­ger. So ist es im Halb­jah­res­be­richt ex­pli­zit er­wähnt: „Im Vor­griff auf die kom­men­de Spiel­zeit sei fest­ge­stellt, dass zum ge­gen­wär­ti­gen Zeit­punkt die Auf­stel­lung ei­nes se­riö­sen Wirt­schafts­plans un­mög­lich ist.“Die nicht vor­her­seh­ba­re Schlie­ßung des Gro­ßen Hau­ses ha­be al­le vor­lie­gen­den Pla­nun­gen ge­gen­stands­los ge­macht. Es ge­he nun­von mehr mit Blick auf die neue Spiel­zeit dar­um, die Abon­nen­ten bei der Stan­ge zu hal­ten.

An­sons­ten klin­gen die Aus­sa­gen im Halb­jah­res­be­richt der Fi­nanz­re­fe­ren­tin zu­ver­sicht­lich: Von dra­ma­ti­schen Ge­wer­be­steu­er­aus­fäl­len in Mil­lio­nen­hö­he dürf­te die Stadt Augs­burg im lau­fen­den Haus­halts­jahr 2016 ver­schont wer­den. Die Pro­gno­sen, was die Ein­nah­men an­be­langt, könn­ten auf­ge­hen.

Mit 160 Mil­lio­nen Eu­ro an Ein­nah­men hat die Stadt kal­ku­liert. Hier ist be­reits be­rück­sich­tigt, dass der He­be­satz für die Ge­wer­be­steu­er er­höht wur­de. Fir­men, die er­folg­reich wirt­schaf­ten, müs­sen folg­lich mehr Ge­wer­be­steu­er zah­len.

Die Ge­wer­be­steu­er­ein­nah­men sind ei­ne schwer kal­ku­lier­ba­re Grö­ße, da es auch ge­ge­be­nen­falls ein­mal ei­ne Rück­zah­lung ge­ben kann oder ein gro­ßer Steu­er­zah­ler weg­bricht. Ein­fa­cher sind in der Re­gel die an­de­ren Steu­er­ar­ten zu be­wer­ten. Da­bei zeigt sich im Halb­jah­res­be­richt der Stadt, dass die Pro­gno­sen für Grund­steu­er, Ein­kom­mens­steu­er und der Ge­mein­de­an­teil an der Um­satz­steu­er wohl zu­meist er­reicht wer­den.

Foto: Sil­vio Wy­szen­grad

Das Mi­nus des Thea­ters fällt in der ab­ge­lau­fe­nen Spiel­zeit hö­her aus als er­war­tet.

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