Woh­nen wird in Augs­burg im­mer teu­rer

Ei­ne ak­tu­el­le Aus­wer­tung zeigt, dass die Preis­spi­ra­le noch kein En­de hat. Ein Grund: Für die vie­len Zu­züg­ler rei­chen die 1200 Woh­nun­gen jähr­lich nicht. Im­mer­hin ist lang­fris­tig et­was Ent­span­nung in Sicht

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON STE­FAN KROG

In Augs­burg ist die Zahl der Woh­nun­gen im ver­gan­ge­nen Jahr um 1200 auf in­zwi­schen 145600 ge­stie­gen. Ge­mes­sen am mo­men­ta­nen jähr­li­chen Zu­zug von rund 5000 Men­schen ist das zu we­nig. Laut Zah­len des Lan­des­am­tes für Sta­tis­tik ent­stand der Groß­teil der Neu­woh­nun­gen in Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern. Im ver­gan­ge­nen Jahr gab es bei den Bau­ge­neh­mi­gun­gen für neu er­rich­te­te Wohn­häu­ser so­gar ei­nen Rück­gang ge­gen­über den Vor­jah­ren, als teils mehr als 1600 Woh­nun­gen pro Jahr ge­neh­migt wur­den (be­son­ders 2010 und 2011).

Ei­ne Trend­wen­de für die­ses Jahr scheint nicht in Sicht. Laut Bau­re­fe­rat wur­den im ers­ten Halb­jahr 2016 ins­ge­samt knapp 400 Bau­ge­neh­mi­gun­gen er­teilt (die Zahl der Woh­nun­gen über­steigt die Zahl der Bau­ge­neh­mi­gun­gen bei Wei­tem, weil für ein Mehr­fa­mi­li­en­haus nur ei­ne Bau­ge­neh­mi­gung nö­tig ist). Im ge­sam­ten Vor­jahr wa­ren es 800.

Ei­ne ak­tu­el­le Stu­die der Post­bank, die die Si­tua­ti­on in 36 deut­schen Groß­städ­ten un­ter­sucht hat, kommt zum Er­geb­nis, dass Augs­burg un­ter­ver­sorgt ist, wenn auch nur mo­de­rat. Dem­nach kom­men auf 100 Haus­hal­te 99,8 Woh­nun­gen. Zum Ver­gleich: In Mün­chen sind es 94,6 Woh­nun­gen. Al­ler­dings ist bei re­la­tiv gu­ten Wer­ten wie in Augs­burg zu be­rück­sich­ti­gen, dass ein ge­wis­ser Leer­stand im­mer nö­tig ist, da­mit Woh­nungs­su­chen­de nicht auf der Stra­ße ste­hen. Bis zum Jahr 2030, pro­gnos­ti­ziert die Post­bank, müs­se der Augs­bur­ger Woh­nungs­be­stand um sie­ben Pro­zent stei­gen.

Dass die Woh­nungs­knapp­heit zu­nimmt, spie­gelt sich auch in den Prei­sen wi­der. Zwar ist ein städ­ti­scher Miet­spie­gel in Be­ar­bei­tung, al­ler­dings liegt das Zah­len­werk, das für je­de Stra­ße Aus­kunft über die An­ge­mes­sen­heit der Mie­te gibt, noch nicht vor. Ei­nen An­halts­punkt für die Miet­ent­wick­lung lie­fert der Jah­res­be­richt des Mak­ler­ver­ban­des IVD für Augs­burg. Dem­nach zo­gen die Mie­ten in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren um 21 Pro­zent an. Der Trend ging auch zum 1. Quar­tal 2016 nach oben. Bei­spiel: Für Erst­be­zugs­woh­nun­gen wer­den jetzt bei sehr gu­tem Wohn­wert 10,90 Eu­ro Mie­te pro Qua­drat­me­ter und Mo­nat auf­ge­ru­fen. Im Herbst 2014 wa­ren es noch 10,10 Eu­ro. Am an­de­ren En­de des Spek­trums bei ei­ner Alt­bau­woh­nung (Bau­jahr vor 1950) mit ein­fa­chem Wohn­wert liegt man bei 6,60 Eu­ro. Vor knapp zwei Jah­ren wa­ren es noch 6,17 Eu­ro. Der IVD wer­tet für sei­ne Zah­len neu ab­ge­schlos­se­ne Miet­ver­trä­ge aus.

Auch bei den Kauf­prei­sen für Im­mo­bi­li­en­ei­gen­tum zeigt der Trend wei­ter nach oben. In den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren gin­gen die Kauf­prei­se für Ei­gen­tums-Be­stands­woh­nun­gen um 47 Pro­zent hoch, für Ein­fa­mi­li­en­häu­ser um 28 Pro­zent. Ak­tu­ell sind für ein be­ste­hen­des Ein­fa­mi­li­en­haus mit sehr gu­tem Wohn­wert im Durch­schnitt laut IVD 608000 Eu­ro fäl­lig. Ein hal­bes Jahr zu­vor wa­ren es laut Mak­lerAus­wer­tung 593000. Ei­ne Neu­bauEi­gen­tums­woh­nung kos­tet im Bau pro Qua­drat­me­ter bei ei­nem gu­ten Wohn­wert um die 3750 Eu­ro. Die Ver­teue­rung der Im­mo­bi­li­en über­steigt die Ein­kom­mens­stei­ge­run­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re. Laut Post­bank müs­sen Augs­bur­ger für ei­ne 100-Qua­drat­me­ter-Woh­nung ak­tu­ell rund 8,7 Net­to­jah­res­ein­kom­men (Durch­schnitts­wert pro Kopf) be­zah­len. 2010 wa­ren es noch 7,58 Ein­kom­men.

In­ner­halb der kom­men­den Jah­re sol­len meh­re­re Neu­bau­ge­bie­te ent­ste­hen. Das könn­te den Druck min­dern. Al­ler­dings dau­ert es auch nach Fer­tig­stel­lung der Be­bau­ungs­plä­ne, bis Be­woh­ner ein­zie­hen kön­nen. Im Vier­tel Süd­lich der Fried­richEbert-Stra­ße, an dem seit Jah­ren ge­baut wird, gibt es noch meh­re­re freie Wie­sen, ob­wohl Wohn­häu­ser dort mög­lich wä­ren. Es han­delt sich um Pri­vat­grund. Ei­ne Bau­ver­pflich­tung gibt es nicht.

Vor die­sem Hin­ter­grund sind auch Zah­len der Stadt zu se­hen, nach de­nen mehr als 2100 Woh­nun­gen so­fort rea­li­sier­bar wä­ren. Ein Teil wird aber be­reits ge­baut (Ge­or­gen­stra­ße oder Rei­ter-Are­al), bei ei­nem Teil geht es los (WBGPro­jek­te in Ree­se, Prinz-Karl-Vier­tel). Wei­te­re 1000 Woh­nun­gen sol­len in den kom­men­den ein bis fünf Jah­ren be­gon­nen wer­den (She­rid­an, La­de­hö­fe, Sin­gold­stra­ße), für wei­te­re 1000 lau­fen die Pla­nun­gen (Deh­ner-Park, Die­rig).

Staats­se­kre­tär Flo­ri­an Pro­nold kün­dig­te vor Kur­zem bei ei­nem Besuch bei der Augs­bur­ger SPD auch an, dass das Bun­des­bau­mi­nis­te­ri­um künf­tig Wohn­nut­zun­gen in Ge­wer­be­ge­bie­ten er­lau­ben will. Die Aus­wei­sung „Ur­ba­ne Ge­bie­te“sol­le Kom­mu­nen die Mög­lich­keit ge­ben, mehr Platz zu ge­win­nen. Der Ge­setz­ent­wurf muss aber noch durch den Bun­des­tag.

In Augs­burg setzt die Po­li­tik einst­wei­len dar­auf, neue Wohn­ge­bie­te aus­zu­wei­sen. Um dem Be­völ­ke­rungs­zu­wachs ge­recht zu wer­den, hat der Stadt­rat die Wei­chen für zwei neue Wohn­ge­bie­te in Ra­de­gun­dis und Haun­stet­ten Südwest ge­stellt. Die Stadt weicht vom Grund­satz ab, Flä­chen mög­lichst nur in­ner­halb be­bau­ten Ge­biets zu ent­wi­ckeln. Haun­stet­ten-Südwest, das auf Äckern zwi­schen B17, In­nin­ger und Pos­til­li­on­stra­ße liegt, soll bis zu 12 000 Ein­woh­ner be­her­ber­gen. Zur Lin­de­rung der Woh­nungs­not wird das Vier­tel aber eher we­nig bei­tra­gen: Bis Häu­ser ste­hen, wer­den fünf bis zehn Jah­re ver­ge­hen. Bis da­hin wird nach den städ­ti­schen Pro­gno­sen der Be­völ­ke­rungs­zu­wachs wie­der ab­ge­nom­men ha­ben. Bis 2019 soll die Stadt von jetzt 290 000 auf 300 000 Ein­woh­ner wach­sen, dann schwächt sich die Dy­na­mik stark ab. Für den Woh­nungs­markt dürf­te das ei­ne Ent­span­nung be­deu­ten. Statt jähr­lich 5000 Neu­bür­ger soll es bis 2030 dann nur noch 500 pro Jahr ge­ben.

»Kom­men­tar

10,90 Eu­ro Mie­te sind bei Neu­bau­ten kei­ne Sel­ten­heit

Ar­chiv­fo­to: Sil­vio Wy­szen­grad

In Augs­burg ent­ste­hen pro Jahr um die 1200 Woh­nun­gen, die Be­völ­ke­rung wächst gleich­zei­tig um 5000 Men­schen pro Jahr. Es wird zu we­nig ge­baut, auch wenn sich der Be­völ­ke­rungs­zu­wachs in den kom­men­den Jah­ren ab­schwä­chen soll.

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