Adel­heid, die gro­ße

Friedberger Allgemeine - - Wissen - HIS­TO­RI­SCHE STREIFZÜGE MIT RAI­NER BONHORST

Otto, der Reichs­grün­der und Un­garn­be­zwin­ger, nahm sie zur Frau. Theo­pha­nu, die schö­ne Exo­tin aus By­zanz, trat ihr als streit­ba­re Schwie­ger­toch­ter ent­ge­gen. Bei­de sind an die­ser Stel­le schon als Haupt­fi­gu­ren vor­ge­stellt wor­den. Adel­heid von Bur­gund aber spiel­te bei der Reichs­grün­dung und da­nach eben­falls ei­ne Haupt­rol­le und in die­ser Rol­le soll sie hier nun be­schrie­ben wer­den.

Adel­heid kam als jun­ge Wit­we des früh ver­gif­te­ten Kö­nigs von Ita­li­en nach Deutsch­land. Und hier be­gann ih­re ei­gent­li­che Kar­rie­re. Als mit­re­gie­ren­de Kö­ni­gin und dann auch Kai­se­rin wur­de Adel­heid von Bur­gund ei­ne der mäch­tigs­ten Frau­en des eu­ro­päi­schen Mit­tel­al­ters. Mit ih­rer ita­lie­ni­schen Kro­ne ver­half sie Otto zur Herr­schaft weit über die Al­pen hin­aus nach Sü­den. Und als ge­schick­te Netz­wer­ke­rin half sie kräf­tig mit, dass bei­de vom Papst in Rom die Kai­ser­kro­ne er­hiel­ten. So wur­de Otto I zum Va­ter des deut­schen Reichs, das sym­bo­lisch die Nach­fol­ge des rö­mi­schen Reichs an­trat. Und Adel­heid war die Mut­ter die­ser Reichs­grün­dung.

Sie war klug, wohl­tä­tig und fromm. Als Stif­te­rin meh­re­rer Klös­ter wur­de sie auch ei­ne Macht in der Kir­che. Und als Otto starb, nahm sie für ih­ren min­der­jäh­ri­gen Sohn als Re­gen­tin die Zü­gel ganz in die Hand. Bis der zwei­te Otto voll­jäh­rig wur­de und die By­zan­ti­ne­rin Theo­pha­nu als des­sen Ehe­frau und Kai­se­rin an ihr vor­bei­zog. Die un­freund­li­che Frau­en­kon­kur­renz ist von männ­li­chen His­to­ri­kern viel­fach und mit Ge­nug­tu­ung ge­schil­dert wor­den. Die bei­den Frau­en schlos­sen sich aber so­fort zu ei­ner mäch­ti­gen In­ter­es­sen­ge­mein­schaft zu­sam­men, als auch Theo­pha­nu früh Wit­we wur­de. Ge­mein­sam gin­gen sie jetzt ge­gen ei­nen ge­wis­sen Hein­rich vor, der sich den Bei­na­men „der Zän­ker“er­wor­ben hat. Der Zän­ker hat­te sich Theo­pha­nus klei­nen Sohn, den drit­ten Otto, als Er­zie­her ge­schnappt, in der Hoff­nung, selbst den Kö­nigs­thron zu er­gat­tern. Aber er war der dop­pel­ten Macht der bei­den Kai­se­rin­nen nicht ge­wach­sen und gab ge­beug­ten Knies sei­ne Zän­ke­rei auf. Nun war Theo­pha­nu die Re­gen­tin, aber auch sie starb früh. Wie­der war Adel­heid die Num­mer eins. Und wie­der wur­de sie die trei­ben­de Kraft hin­ter ei­nem er­star­ken­den Mann: Sie eb­ne­te dank ih­rer po­li­ti­schen Kon­tak­te ih­rem En­kel den Weg zum Kai­ser­tum als Otto III. Dass sie hei­lig ge­spro­chen wur­de, war ihr letz­ter, post­hu­mer po­li­ti­scher Er­folg.

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