Stür­ze prä­gen die Stra­ßen­ren­nen

Rad Auf dem schwe­ren Kurs in Rio er­eig­nen sich gleich meh­re­re Un­fäl­le. Ei­ne Nie­der­län­de­rin und ein Bel­gi­er kom­men si­cher ins Ziel und ge­win­nen Gold. Deut­sche Fah­rer spie­len kei­ne Rol­le

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 - VON PE­TER DEI­NIN­GER

Rio de Janeiro Wer nicht an der Co­paca­ba­na am Strand liegt, der ver­sucht am Sonn­tag bei der Hit­ze ein schat­ti­ges Plätz­chen zu fin­den. Un­an­ge­nehm böi­ger Wind be­glei­tet die 68 Frau­en auf ih­rer olym­pi­schen Ra­dtour über 136,9 Ki­lo­me­ter an der ma­le­ri­schen Küs­te von Rio de Janeiro. Mit­ten­drin die vier deut­schen Spe­zia­lis­tin­nen mit der All­gäue­rin Li­sa Brennau­er (Du­rach).

De­ren Fa­mi­lie und Freun­de ste­hen an der Stre­cke und se­hen, wie das deut­sche Team lan­ge Zeit ei­ne sou­ve­rä­ne Rol­le spielt. Die Berg­spe­zia­lis­tin Clau­dia Lich­ten­berg (Mün­chen) soll­te vor dem An­stieg zum Aus­sichts­punkt Vis­ta Chi­ne­sa kei­nen Bo­den ver­lie­ren.

Aber als es 20 Ki­lo­me­ter vor dem Ziel zur Sa­che geht, ge­ben an­de­re die Ge­schwin­dig­keit vor. Die Nie­der­län­de­rin An­n­emiek van Vleu­ten hat als Ers­te die höchs­te Stel­le er­reicht und geht vor der Ame­ri­ka­ne­rin Ma­ra Ab­bott auf die hals­bre­che­ri­sche Ab­fahrt – mit ka­ta­stro­pha­lem Er­geb­nis. Die Nie­der­län­de­rin prallt mit vol­ler Wucht ge­gen ei­nen Bord­stein und bleibt be­wusst­los lie­gen. Zu­nächst herrscht Un­klar­heit, wie schwer sich Vleu­ten bei dem Sturz ver­letzt hat. Nach Ren­nen­de gab es dann zu­min­dest teil­wei­se Ent­war­nung. „Sie ist bei Be­wusst­sein und mit un­se­rem Tea­m­arzt im Kran­ken­wa­gen“, sag­te ein De­le­ga­ti­ons­mit­glied der nie­der­län­di­schen Mann­schaft. Bis Re­dak­ti­ons­schluss gab es aber noch kein Er­geb­nis der Un­ter­su­chung im Kran­ken­haus.

Das Ren­nen läuft nach dem Sturz wei­ter, aber auch die Füh­ren­de Ab­bott ge­winnt kei­ne Me­dail­le. 150 Me­ter vor dem Ziel wird sie von der Nie­der­län­de­rin An­na van der Breg­gen, der Schwe­din Em­ma Jo­hann­son und der Ita­lie­ne­rin Eli­sa Lon­go Bor­ghi­ni ab­ge­fan- gen. Li­sa Brennau­er be­legt Rang 19 und ist da­mit bes­te Deut­sche. „An­fangs ist un­ser Plan auf­ge­gan­gen. Wir woll­ten was be­we­gen und sehr prä­sent sein. Das Ziel war, je­de Grup­pe zu be­set­zen.“

Tri­xi Wor­rack mach­te den An­fang, dann soll­te Clau­dia Lich­ten- berg in Po­si­ti­on für den An­stieg ge­bracht wer­den. Brennau­er: „Uns war schon klar, dass die Berg­fah­re­rin­nen an­grei­fen wer­den.“Aber Lich­ten­berg konn­te nicht die er­hoff­te Rol­le spie­len.

Bei den Män­nern hat­ten tags zu­vor drei Aus­rei­ßer nach sechs St­un­den quä­len­der Klet­ter­tour die Me­dail­len be­reits vor Au­gen – bis zu be­sag­ter Ab­fahrt vom Vis­ta Chi­ne­sa, je­nem 500 Me­ter ho­hen Aus­sichts­punkt elf Ki­lo­me­ter vor dem Ziel. Vin­cen­zo Ni­ba­li führte bei Tem­po 90, der Po­le Ra­fal Ma­j­ka und der Ko­lum­bia­ner Henao Mon­toya hin­gen hin­ten­dran. Doch dann be­kam der Ita­lie­ner Ni­ba­li die Kur­ve nicht und zog sich beim Sturz ei­nen Schlüs­sel­bein­bruch zu. Auch Mon­toya kam zu Fall, nur Ma­j­ka kam ir­gend­wie durch.

Aber al­lein auf sich ge­stellt ging dem Po­len in der End­pha­se die Luft aus. 1,4 Ki­lo­me­ter vor dem Ziel hol­ten ihn die Ver­fol­ger ein. Der Bel­gi­er Greg van Aver­maet hat­te im Spurt die größ­ten Re­ser­ven und ge­wann Gold vor dem Dä­nen Ja­kob Fugl­sang, Ma­j­ka si­cher­te sich im­mer­hin Bron­ze.

Der Sie­ger konn­te sein Glück kaum fas­sen. „Als ich die Ge­stürz­ten am Stra­ßen­rand sah, war ich ver­un­si­chert und ver­lang­sam­te das Tem­po. Ich hat­te kei­ne Ah­nung, wie vie­le Fah­rer noch vor­ne wa­ren. Als wir Ma­j­ka ganz al­lei­ne vor­ne sa­hen, ha­ben wir noch ein­mal at­ta­ckiert.“

Der gro­ße Fa­vo­rit Chris­to­pher Froo­me aus Groß­bri­tan­ni­en, nor­ma­ler­wei­se ein ag­gres­si­ver Ab­fahrts­künst­ler, ging nicht in die Of­fen­si­ve. Das Sturz-Miss­ge­schick sei­ner Kol­le­gen Ri­chie Por­te (Bruch des Schul­ter­blatts) und Ge­raint Tho­mas war mög­li­cher­wei­se ein Grund da­für. Er kam mit drei Mi­nu­ten Rück­stand auf Platz zwölf ins Ziel. Zeit­gleich auf Rang 14 folg­te da­hin­ter mit Ema­nu­el Buch­mann der bes­te Deut­sche. Zeit­fahr­spe­zia­list To­ny Mar­tin stieg wie an­ge­kün­digt nach 120 der 237,5 Ki­lo­me­ter vom Rad. Er will am Mitt­woch an­grei­fen.

Auf das Ren­nen ge­gen die Uhr freut sich auch Li­sa Brennau­er. Sie war in die­ser Dis­zi­plin schon Ein­zelWelt­meis­te­rin. „Jetzt geht es erst ein­mal dar­um, sich zu re­ge­ne­rie­ren“, mein­te die All­gäue­rin nach dem kräf­te­zeh­ren­den Ren­nen ges­tern.

Fo­to: Ima­go

Die Nie­der­län­de­rin An­na van der Breg­gen ge­wann Gold im olym­pi­schen Stra­ßen­ren­nen. Ei­ne ih­rer Mann­schafts­kol­le­gin­nen da­ge­gen stürz­te schwer.

Li­sa Brennau­er

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