Pa­ralym­pics oh­ne Rus­sen

Do­ping Im Ge­gen­satz zum IOC greift das In­ter­na­tio­na­le Pa­ralym­pi­sche Ko­mi­tee hart durch

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janeiro Mit al­ler Här­te hat das In­ter­na­tio­na­le Pa­ralym­pics Ko­mi­tee (IPC) durch­ge­grif­fen und al­le rus­si­schen Be­hin­der­ten­sport­ler für die Som­mer­spie­le in Rio de Janeiro ge­sperrt. Im Ge­gen­satz zum gnä­di­gen IOC ent­schloss sich das IPC in der Af­fä­re um Staats­do­ping für ei­nen Kom­plett-Bann der Ath­le­ten aus Russ­land.

„Das Sys­tem in Russ­land ist kor­rupt“, lau­te­te das knall­har­te Ur­teil von IPC-Chef Phi­lip Cra­ven. Das IPC hat­te noch vor sei­ner Ver­kün­dung wei­te­re In­for­ma­tio­nen des ka­na­di­schen Ju­ris­ten Richard McLa­ren er­hal­ten, der die Un­ter­su­chung der Welt-An­ti-Do­ping-Agen­tur (Wada) lei­te­te. Sei­ne Er­mitt­lun­gen lie­ßen dem IPC aus des­sen Sicht nun kei­ne an­de­re Wahl als die Kol­lek­tivstra­fe für die Rus­sen bei den Pa­ralym­pics vom 7. bis 18. Sep­tem­ber.

„Der McLa­ren-Re­port mar­kier­te mei­ner An­sicht nach und auch der An­sicht des IPC-Vor­stands nach ei­nen der dun­kels­ten Mo­men­te des Sports“, sag­te Cra­ven. Russ­land sei „nicht in der La­ge, dem An­ti-Do­ping-Co­de des IPC und dem An­tiDo­ping der Wada zu ent­spre­chen“. Im Ge­gen­satz zum IPC hat­te das In­ter­na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee En­de Ju­li noch auf ei­nen Kom­plett­Bann ver­zich­tet. Statt­des­sen nahm das Gre­mi­um die in­ter­na­tio­na­len Som­mer­sport­ver­bän­de in die Pflicht, nach stren­gen Auf­la­gen über Aus­schluss oder Start der Rus­sen zu ent­schei­den.

Das Vo­tum des IPC fiel ein­stim­mig. „Die Ent­schei­dung ist nicht ge­gen ein­zel­ne Sport­ler ge­rich­tet, son­dern da­ge­gen, dass der rus­si­sche Ver­band sei­nen Ver­pflich­tun­gen nicht nach­kom­men kann“, er­gänz­te Cra­ven. Zugleich wol­le sein Ver­band die Nach­kon­trol­len al­ler rus­si­schen Pro­ben der Win­ter­spie­le von Sot­schi ver­an­las­sen, kün­dig­te der Bri­te an. „Ih­re Gier nach Ruhm un­ter al­len Um­stän­den hat die In­te­gri­tät und das Image des Sports schwer be­schä­digt.“

Russ­land re­agier­te ent­rüs­tet. Die Ent­schei­dung des IPC sei ge­gen den ge­sun­den Men­schen­ver­stand, sag­te Sport­mi­nis­ter Wi­ta­li Mut­ko der Agen­tur In­ter­fax zu­fol­ge in Mos­kau. Der Schritt sei po­li­tisch mo­ti­viert und na­he­zu will­kür­lich.

Der Deut­sche Be­hin­der­ten­sport­ver­band (DBS) da­ge­gen lob­te die har­te Li­nie als „un­miss­ver­ständ­li­che und mu­ti­ge Ent­schei­dung“. DBSPrä­si­dent Fried­helm Ju­li­us Beu­cher er­klär­te: „Es han­delt sich um ein wich­ti­ges Si­gnal hin zu ei­nem kon­se­quen­ten An­ti-Do­ping-Kampf – im Sin­ne des Fair-Play-Ge­dan­kens im Sport ist die­se har­te Li­nie der völ­lig rich­ti­ge Weg. Im Ge­gen­satz zum IOC hat der Pa­ralym­pi­sche Sport die­se his­to­ri­sche Chan­ce wahr­ge­nom­men, von der wir uns nach­hal­ti­ge Aus­wir­kun­gen auf ge­rech­te Wett­kämp­fe er­hof­fen.“

Der McLa­ren-Re­port hat­te ho­he Wel­len ge­schla­gen. Dem Dos­sier zu­fol­ge wa­ren im Zu­sam­men­hang mit den Win­ter­spie­len in Sot­schi nicht nur Do­ping­pro­ben von Olym­pia-Teil­neh­mern, son­dern auch von Pa­ralym­pics-Star­tern ma­ni­pu­liert wor­den.

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