Olym­pia wä­re ein Traum

Ra­cket­lon Ten­nis oder Bad­min­ton – vor die­ser Wahl stand Na­ta­lie Paul aus Augs­burg vor sechs Jah­ren. Sie ent­schied sich für ei­ne drit­te Op­ti­on. Nun kehr­te sie als Dop­pel­welt­meis­te­rin zu­rück in ih­re Hei­mat

Friedberger Allgemeine - - Sport Regional - VON SE­BAS­TI­AN KAPP

Augs­burg Der Le­bens­lauf von Na­ta­lie Paul liest sich be­ein­dru­ckend. Dop­pel­welt­meis­te­rin und Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin ei­nes in­ter­na­tio­na­len Sport­ver­ban­des ist die 23-jäh­ri­ge Augs­bur­ge­rin. Ge­ra­de hat sie ih­ren Ba­che­lor in Sport­wis­sen­schaf­ten ab­ge­schlos­sen und will nun ein Mas­ter-Stu­di­um Sport­ma­nage­ment be­gin­nen. Ein­zi­ges Pro­blem: Ihr Sport ist nicht je­dem be­kannt.

Sie spielt Ra­cket­lon, ei­ne noch recht un­be­kann­te Mehr­kampf­sport­art aus Tisch­ten­nis, Bad­min­ton, Squash und Ten­nis. In die­ser Rei­hen­fol­ge wer­den die Sport­ar­ten in ei­nem Match ge­spielt – je­weils bis 21 Punk­te. Da­bei zählt je­der Ball­wech­sel als gan­zer Punkt – auch beim Ten­nis. Wer die meis­ten Punk­te ge­sam­melt hat, ge­winnt. Der in­ter­na­tio­na­le Ver­band wur­de 2002 ge­grün­det. Die Sport­art ist al­so noch recht jung.

Vor sechs Jah­ren hat auch Na­ta­lie Paul den Ra­cket­lon-Sport für sich ent­deckt, al­ler­dings über Um­we­ge. „Seit ich lau­fen kann, spie­le ich Ten­nis“, sagt sie. Sie ist auch im­mer noch in der Frau­en­mann­schaft des TC Augs­burg ak­tiv. Bad­min­ton kam in der 5. Klas­se hin­zu. Heu­te spielt sie an ih­rem Stu­di­en­ort Kon­stanz, vor­her war sie für Dil­lin­gen ak­tiv. „Ei­ne Freun­din er­zähl­te mir dann von Ra­cket­lon“, er­klärt sie. Und so­fort war sie da­bei. „Ich muss­te mich schon im­mer zwi­schen zwei Sport­ar­ten ent­schei­den – jetzt ha­be ich ei­nen Sport ge­fun­den, der bei­des ver­bin­det.“

Ge­ra­de der Kampf um je­den ein- zel­nen Punkt ma­che den Sport so span­nend. Und da­rin ist sie sehr er­folg­reich. In der Welt­rang­lis­te ist sie zwar von Platz fünf auf zwölf zu­rück­ge­fal­len – bei 200 Kon­kur­ren­tin­nen. In der Wertung für 2016 liegt sie al­ler­dings auf Platz drei und be­dau­ert, nicht je­des Tur­nier mit­spie­len zu kön­nen. Denn man­che fin­den in Thai­land oder in Ka­na­da statt und selbst die Preis­gel­der könn­ten die An­rei­se­kos­ten nicht auf­fan­gen.

Im Mi­xed bil­det sie zu­sam­men mit dem Welt­rang­lis­ten-Ers­ten der Män­ner, Je­sper Ratzer (Dä­ne­mark), ein Duo, das im Ju­li in Ko­pen­ha­gen sei­nen WM-Ti­tel ver­tei­dig­te. Mit der Welt­rang­lis­ten­ers­ten Chris­ti­ne See­ho­fer (Ös­ter­reich) ge­wann sie nun auch die Dop­pel-WM – da­bei spiel­ten die bei­den in Ko­pen­ha­gen zum ers­ten Mal zu­sam­men. Und das mehr aus Zu­fall. Denn Pauls ei­gent­li­che Dop­pel­part­ne­rin muss­te ab­sa­gen. U-21-Ju­nio­rin See­ho­fer woll­te ei­gent­lich gar nicht im Dop­pel an­tre­ten. Ein Glück für Paul, dass sie es doch tat.

Sport­lich hat sie nun erst ein­mal er­reicht, was sie woll­te. „Ich muss mir jetzt erst ein­mal neue Zie­le su­chen“, sagt Na­ta­lie Paul, will noch et­was in der Welt­rang­lis­te klet­tern. Als Funk­tio­nä­rin will sie vor al­lem ih­ren Sport be­kann­ter ma­chen. Des­halb hat die Spie­le­rin des Bun­des­li­gis­ten Bad Sä­ckin­gen (Ba­den-Würt­tem­berg) am Sams­tag beim TBS Wün­schig ein Tur­nier mit 25 Teil­neh­mern ver­an­stal­tet, das ers­te in Augs­burg über­haupt. „Es wer­den im­mer mehr Spie­ler“, freut sie sich. Und das sei bei der jun­gen Sport­art das Wich­tigs­te. In Schwa­ben ge­be es bis­lang noch kei­nen Ra­cket­lon­ver­ein. „Zum ei­nen feh­len noch ein we­nig die Spie­ler. Zum an­de­ren ist es auch ei­ne Fra­ge der Trai­nings.“Vie­le Ver­ei­ne wür­den die Übungs­stun­den der ein­zel­nen Dis­zi­pli­nen zeit­gleich an­bie­ten, au­ßer­dem sei die Zahl der Squash-Hal­len be­grenzt. Mehr­fach­mit­glied­schaf­ten, Aus­rüs­tung für vier Sport­ar­ten, das al­les kos­te zu­dem auch Geld. „Oh­ne mei­ne El­tern hät­te ich das nicht ge­schafft“, sagt Na­ta­lie Paul.

Ein lang­fris­ti­ges Ziel ge­be es zwar nicht, aber „Olym­pia wä­re ein Traum“, sagt Paul. Da­mit sich das IOC mit dem Sport be­fasst, müss­ten al­ler­dings ei­ni­ge Auf­la­gen er­füllt wer­den. Und auch wenn das ge­lingt, wird es nicht leicht für Ra­cket­lon, denn die Kon­kur­renz ist groß. Die Teil­dis­zi­plin Squash be­müht sich seit Jah­ren er­folg­los um ei­ne Teil­nah­me bei Olym­pia – Ra­cket­lon müss­te die ei­ge­ne Teil­dis­zi­plin aus­ste­chen. Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Na­ta­lie Paul je­den­falls hat Zeit zu war­ten. „Ich will die­ses Amt schon ei­ne Wei­le aus­fül­len.“

Fo­to: Fred Schöll­horn

Tisch­ten­nis, Bad­min­ton, Squash und Ten­nis – das zu­sam­men er­gibt Ra­cket­lon. Na­ta­lie Paul aus Augs­burg wur­de im Ju­li Dop­pel­welt­meis­te­rin in die­ser Dis­zi­plin.

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