End­zeit­stim­mung: Po­li­zist hor­te­te Waf­fen

Pa­tro­nen, Schlag­stö­cke und Schutz­wes­ten: Ein 54-Jäh­ri­ger ist für sei­ne il­le­ga­le Samm­lung ver­ur­teilt wor­den. Er schied frei­wil­lig aus dem Dienst aus und hat­te ei­ne er­staun­li­che Er­klä­rung für man­chen Ge­gen­stand

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON KLAUS UTZ­NI

Das Ur­teil war kei­ne Über­ra­schung, weil zu­vor be­reits ab­ge­spro­chen: Der Po­li­zist, 54, der in sei­ner Woh­nung ein rie­si­ges Ar­senal an il­le­ga­len Waf­fen, Mu­ni­ti­on und Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­den von Mi­li­tär und Po­li­zei ge­hor­tet hat­te, ist von ei­nem Schöf­fen­ge­richt un­ter Vor­sitz von Mar­ti­na Trie­bel zu ei­ner zwei­jäh­ri­gen Be­wäh­rungs­stra­fe ver­ur­teilt wor­den. Er muss als Auf­la­ge 200 St­un­den so­zia­le Hilfs­diens­te leis­ten. Weit­aus fol­gen­schwe­rer frei­lich ist die Grund­la­ge des „De­als“: Um ei­ner mög­li­chen Ge­fäng­nis­stra­fe zu ent­ge­hen, hat der Po­li­zei­haupt­meis­ter der In­spek­ti­on Mit­te in­zwi­schen frei­wil­lig sei­nen Dienst quit­tiert.

Da­mit ist ihm der Kla­ge­weg durch al­le In­stan­zen ver­baut, da er bei ei­ner Frei­heits­stra­fe von über ei­nem Jahr oh­ne­hin au­to­ma­tisch sei­nen Be­am­ten­sta­tus ver­lo­ren hät­te. Am 11. Ju­li ist er vom Frei­staat aus dem Be­am­ten­ver­hält­nis ent­las­sen wor­den.

Der 54-Jäh­ri­ge (Ver­tei­di­ger: Ste­fan Pfalz­graf) hat­te Jahr­zehn­te lang Waf­fen, Mi­li­ta­ria und Aus­rüs­tung ex­zes­siv ge­sam­melt und sich dann vor et­wa 15 Jah­ren in ei­ne Art „End­zeit­stim­mung“hin­ein­ge­stei­gert. Der bei Kol­le­gen als „Ein­zel­kämp­fer“und kau­zi­ger Ei­gen­bröt­ler be­kann­te Be­am­te be­fürch­te­te bei der Wen­de zum Jahr 2000 den Aus­bruch von Cha­os und Ka­ta­stro­phen und hat­te sich für das „Über­le­ben“mit Waf­fen, Mu­ni­ti­on und Le­bens­mit­teln vor­be­rei­tet.

Auf­grund ei­nes Dieb­stahls­ver­dachts hat­ten Kol­le­gen im März 2014 sei­nen Spind ge­öff­net und spä­ter auch sei­ne Woh­nung durch­sucht. Dort wur­den dann fast 10 000 Pa­tro­nen, il­le­ga­le Waf­fen, Split­ter­bom­ben und so­gar Nato-Voll­man­tel­ge­schos­se ge­fun­den, die un­ter das Kriegs­waf­fen-Kon­troll­ge­setz fal­len. Staats­an­walt Ma­xi­mi­li­an Klein be- ton­te aus­drück­lich, es ge­be kei­ner­lei An­halts­punk­te da­für, dass der An­ge­klag­te „ir­gend­wel­che Din­ge“plan­te, bei de­nen ei­ne Ge­fahr be­stan­den hät­te.

Der an Ku­rio­si­tä­ten schon rei­che Pro­zess be­kam noch ein­mal ei­nen fast skur­ril an­mu­ten­den „Nach­schlag“. Um den Fall ju­ris­tisch ab­zu­schlie­ßen, muss­te das Ge­richt am En­de auch die Ei­gen­tums­ver­hält­nis­se von Hun­der­ten be­schlag­nahm­ter Ge­gen­stän­de fein säu­ber­lich aus­ein­an­der di­vi­die­ren. Klar war, dass al­le As­ser­va­te, mit de­nen Straf­ta­ten be­gan­gen wor­den wa­ren – et­wa il­le­ga­le Mu­ni­ti­on oder Waf­fen – vom Staat ein­ge­zo­gen wer­den. Auf der 24-sei­ti­gen, eng be­schrie­be­nen As­ser­va­ten­lis­te stand aber auch ein Sam­mel­su­ri­um von teils ur­al­ten, aus­ran­gier­ten Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­den von Po­li­zei, US-Ar­mee und Bun­des­wehr, die der Po­li­zist im Lau­fe sei­nes Le­bens teils im Dut­zend ge­hor­tet hat­te: Schlag­stö­cke, Funk­ge­rä­te, Ab­sperr­bän­der, An­hal­te­kel­len, Hols­ter, Mu­ni­ti­ons­ta­schen, Gür­tel, Hand­fes­seln und Schutz­wes­ten.

Wie der 54-Jäh­ri­ge dem Ge­richt er­klär­te, ha­be er die Ge­gen­stän­de häu­fig von Kol­le­gen ge­schenkt be­kom­men, die in Pen­si­on gin­gen. Bei der Auf­lö­sung von In­spek­tio­nen wie Haun­stet­ten oder St. Max griff er eben­so freu­dig zu, als al­te Be­stän­de aus dem Kel­ler aus­ge­mis­tet wur­den. Teils nahm er Din­ge so­gar wie­der aus dem Müll. „Man­ches ha­be ich auf dem kur­zen Di­enst­weg be­kom­men, ge­gen ei­ne klei­ne Brot­zeit oder so“, klär­te der Ex-Po­li­zist auf. Selbst ka­put­te Ta­schen­lam­pen wa­ren vor dem lei­den­schaft­li­chen Samm­ler nicht si­cher: „Ich ha­be aus 25 de­fek­ten dann acht funk­tio­nie­ren­de zu­sam­men­ge­baut“.

Ei­ni­ge be­schlag­nahm­te Din­ge woll­te der 54-Jäh­ri­ge par­tout wie­der ha­ben. So bei­spiels­wei­se lee­re AluHül­sen von US-Pan­zer­fäus­ten aus den sieb­zi­ger Jah­ren. Sol­che Din­ge wol­le er ei­nem klei­nen Mu­se­um stif­ten, mit dem ein Augs­bur­ger Ver­ein an die Sta­tio­nie­rung der US-Ar­mee in der Stadt er­in­nern wol­le. Der ExOrd­nungs­hü­ter will sich, wie er am En­de noch sag­te, „so schnell wie mög­lich wie­der in den Ar­beits­pro­zess ein­glie­dern“– sich ei­nen Job viel­leicht als Ta­xi­fah­rer oder im Ver­kauf su­chen.

Sym­bol­fo­to: Tho­mas Frey, dpa

Beim An­ge­klag­ten wur­den ne­ben vie­lem an­de­ren auch Mi­li­tär-Ge­schos­se ge­fun­den.

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