War­um heu­te nicht je­der frei hat

Das Frie­dens­fest ist ein Fei­er­tag – aber nicht für al­le. Was am Mon­tag ge­bo­ten ist

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON MI­RI­AM ZISSLER

Der Groß­teil der Augs­bur­ger kann sich heu­te freu­en: Der ein­zig­ar­ti­ge Augs­bur­ger Fei­er­tag – das Ho­he Frie­dens­fest – be­schert ih­nen ei­nen zu­sätz­li­chen frei­en Tag. Und auch ein Teil des Um­lands pro­fi­tiert von die­ser deutsch­land­wei­ten Be­son­der­heit mit: Denn mehr als 70000 Per­so­nen fah­ren täg­lich in die Stadt zum Ar­bei­ten – sie ha­ben frei. Mehr als 40 000 Be­rufs­tä­ti­ge aus Augs­burg ha­ben da­ge­gen auf­grund ih­res Ar­beits­plat­zes Pech. Sie pen­deln aus und ver­las­sen so­mit die Stadt­gren­ze: Für sie ist der heu­ti­ge Mon­tag ein ganz nor­ma­ler Ar­beits­tag.

Die Augs­bur­ger kön­nen das Frie­dens­fest fei­ern: Es wird seit dem Jahr 1650 be­gan­gen. Da­mals fei­er­ten die Pro­tes­tan­ten die durch den West­fä­li­schen Frie­den (1648) er­reich­te Gleich­stel­lung mit der Rö­misch-ka­tho­li­schen Kir­che. Mit Blick auf die Ge­schich­te hat die Stadt den An­spruch an das Fest in die heu­ti­ge Zeit über­tra­gen. „Nie­mand soll auf­grund sei­ner Her­kunft oder Re­li­gi­on aus­ge­schlos­sen wer­den“, heißt es. 45 Pro­zent al­ler Augs­bur­ger ha­ben ei­ne Zu­wan­de­rungs­ge­schich­te.

Des­halb wird das Fest seit Jah­ren in­ter­re­li­gi­ös ge­fei­ert und auch von der Frie­den­s­ta­fel, die ab 11.30 Uhr auf dem Rat­haus­platz ab­ge­hal­ten wird, wer­den die Frie­dens­grü­ße der ver­schie­de­nen Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten ver­le­sen. An den Ta­feln tref­fen sich Jahr für Jahr hun­der­te Augs­bur­ger, die Spei­sen und Ge­trän­ke tei­len. Das Bünd­nis für Men­schen­wür­de ruft die Augs­bur­ger auf, sich zahl­reich zu be­tei­li­gen. „Zei­gen Sie Mut zum Frie­den und fei­ern Sie ge­mein­sam mit den Men­schen un­ter­schied­li­cher Her­kunft und Re­li­gio­nen.“Bei ei­ner Mit­mach­ak­ti­on un­ter dem Mot­to „Bun­te Hän­de ge­gen Ras­sis­mus“bie­tet das Bünd­nis dort die Mög­lich­keit, selbst ein Zei­chen zu set­zen.

Zu­vor stim­men der Öku­me­ni­sche Fest­got­tes­dienst (Ka­tho­li­sche Ba­si­li­ka St. Ul­rich und Afra, 10 bis 11 Uhr) und der Öku­me­ni­sche Fa­mi­li­en­got­tes­dienst (Evan­ge­li­sche Pfarr­kir­che Hei­lig Kreuz, 10 bis 11 Uhr) auf den wei­te­ren Ver­lauf des Tages ein. Der kann auch im Zoo und im Bo­ta­ni­schen Gar­ten ver­bracht wer­den: Hier wird von 13 bis 18 Uhr das größ­te Kin­der­fest der Stadt ge­fei­ert. Zahl­rei­che eh­ren­amt­li­che Hel­fer bie­ten rund 50 Mit­mach­ak­tio­nen an und Kin­der bis 15 Jah­re müs­sen kei­nen Ein­tritt be­zah­len. Das Stadt­mau­er­fest am Wertach­bru­cker Tor ist nicht Teil des Frie­dens­fest-Pro­gramms – es läuft heu­te aber auch noch. Ge­fei­ert wird von 14 bis 24 Uhr.

Ei­ne or­ga­ni­sier­te Ge­gen­ver­an­stal­tung zur Rechts­ex­tre­men-De­mons­tra­ti­on mit dem Ti­tel „Die Lü­ge vom Frie­den“wie im ver­gan­ge­nen Jahr soll es heu­er nicht ge­ben. Vor ei­nem Jahr wa­ren 800 De­mons­tran­ten et­wa zehn rech­ten Ak­ti­vis­ten ge­gen­über­ge­stan­den. Die Rech­ten, die zu­nächst auf den Rat­haus­platz woll­ten, wer­den ab 15 Uhr am Prinz­re­gen­ten­platz de­mons­trie­ren.

Der Groß­teil der Augs­bur­ger wird den Tag auch für ei­nen Ab­ste­cher ins All­tags­le­ben nut­zen: bei­spiels­wei­se für ei­ne Ein­kaufs­tour zu Seg­mül­ler nach Fried­berg, für ei­nen Bum­mel durch die Münch­ner In­nen­stadt oder für ei­nen Aus­flug an den Am­mer­see.

»Mehr zum Frie­dens­fest fin­den Sie im In­nern die­ser Aus­ga­be. Auf Sei­te 36 bli­cken wir zu­rück ins krie­ge­ri­sche Jahr 1704 und die bei­na­he wun­der­sa­me Be­frei­ung der Stadt. Die Karikatur im Feuille­ton re­gio­nal greift auf Sei­te 34 den am Rat­haus­platz weit­hin sicht­ba­ren Mut-Schrift­zug auf.

Fo­to: Sil­vio Wy­szen­grad

Ein gro­ßes Ban­ner weist am Rat­haus­platz be­reits auf das Frie­dens­fest am Mon­tag hin.

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