Die Deut­schen be­we­gen sich im­mer we­ni­ger

Nur je­der Zehn­te lebt wirk­lich ge­sund. Die Bay­ern lan­den im Mit­tel­feld. Im­mer­hin: In zwei Ka­te­go­ri­en sind sie ganz vor­ne da­bei

Friedberger Allgemeine - - Erste Seite -

Augs­burg Be­we­gungs­man­gel wird im­mer mehr zum Ge­sund­heits­ri­si­ko. Nicht ein­mal die Hälf­te der Deut­schen ist aus­rei­chend kör­per­lich ak­tiv, um zum Bei­spiel chro­ni­schen Rü­cken­schmer­zen, Herz­Kreis­lauf-Pro­ble­men oder stress­be­ding­ten Krank­hei­ten vor­zu­beu­gen. Das Pro­blem be­ginnt schon am Ar­beits­platz. Wer ei­nen Bü­ro­job hat, ver­bringt durch­schnitt­lich elf St­un­den täg­lich im Sit­zen. Und das ist nicht die ein­zi­ge alar­mie­ren­de Er­kennt­nis der Stu­die „Wie ge­sund lebt Deutsch­land“? der Sport­hoch­schu­le Köln.

Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on emp­fiehlt min­des­tens 150 Mi­nu­ten Be­we­gung pro Wo­che. Das schaf­fen al­ler­dings nur noch 45 Pro­zent der Deut­schen. Noch vor zwei Jah­ren wa­ren es 54 Pro­zent. Um ei­nen wei­te­ren Rück­gang zu ver­hin­dern, müss­ten die Be­we­gungs­muf­fel vor al­lem ihr Ver­hal­ten im Job ver­än­dern. Nur 20 Pro­zent ver­rich­ten in­ten­si­ve kör­per­li­che Tä­tig­kei­ten. Aber was ist mit dem Rest? „Bei vie­len ge­hört das Sit­zen zum Ar­beits­all­tag da­zu, es ist Rou­ti­ne und man macht sich kaum Ge­dan­ken dar­über“, sagt In­go Fro­bö­se von der Sport­hoch­schu­le Köln und fügt hin­zu: „Wer län­ger sitzt, hat ein hö­he­res Ri­si­ko, frü­her zu ster­ben.“

Fro­bö­se ist wis­sen­schaft­li­cher Lei­ter des Re­ports, der nicht nur die kör­per­li­che Ak­ti­vi­tät, son­dern auch an­de­re po­ten­zi­el­le „Krank­ma­cher“ge­mes­sen hat. Es ging zum Bei­spiel dar­um, wie sich die Be­frag­ten er­näh­ren, wie ge­stresst sie sind und wie sie mit Al­ko­hol oder Zi­ga­ret­ten um­ge­hen. Nimmt man al­le Aspek­te zu­sam­men, lebt nur je­der Zehn­te rund­um ge­sund. Am bes­ten ach­ten die Bür­ger im Nor­den auf ih­ren Kör­per. 19 Pro­zent der Be­frag­ten in Meck­len­burg-Vor­pom­mern be­we­gen sich ge­nug, es­sen aus­ge­wo­gen, rau­chen nicht, trin­ken we­nig Al­ko­hol und ha­ben kein Pro­blem mit Stress. In Schles­wig-Hol­stein sind es im­mer­hin 14 Pro­zent. Bay­ern lan­det mit 11 Pro­zent im hin­te­ren Mit­tel­feld. Nur vier Bun­des­län­der schnei­den schlech­ter ab. Am we­nigs­ten ach­ten die Ba­den-Würt­tem­ber­ger und Nord­rhein-West­fa­len auf ih­re Ge­sund­heit.

Im­mer­hin in zwei Ka­te­go­ri­en er­reicht der Frei­staat Spit­zen­plät­ze. Die Bay­ern füh­len sich we­ni­ger ge­stresst als die meis­ten an­de­ren Bun­des­bür­ger. Nur die Ham­bur­ger sind noch ent­spann­ter. Auch bei der Zahl der Nicht­rau­cher liegt Bay­ern auf dem zwei­ten Platz, nur die Sach­sen kon­su­mie­ren we­ni­ger Ni­ko­tin.

Die größ­ten „Sit­zen­blei­ber“le­ben in Ber­lin: Dort sit­zen die Men­schen al­lein wäh­rend der Ar­beits­zeit 535 Mi­nu­ten – pro Tag. In Bay­ern sind es 420 Mi­nu­ten. Da­bei könn­te man sich in fast je­dem Job mehr be­we­gen, wenn man möch­te. „Es be­ginnt im Kopf“, sagt der Sport­wis­sen­schaft­ler Fro­bö­se. Sei­ne Emp­feh­lung: Trep­pen statt Auf­zug, Steh­pult, kur­ze Geh­pau­sen, Mee­tings im Ste­hen. Und mög­lichst drei­mal pro St­un­de auf­ste­hen.

Es gibt üb­ri­gens auch ei­ne gu­te Nach­richt: 63 Pro­zent der Deut­schen schät­zen ih­ren Ge­sund­heits­zu­stand als gut oder so­gar sehr gut ein – neun Pro­zent mehr als vor zwei Jah­ren.

„Wer län­ger sitzt, hat ein hö­he­res Ri­si­ko, frü­her zu ster­ben.“

In­go Fro­bö­se, Lei­ter der Stu­die

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