Er­do­gans Mach­t­rausch

Friedberger Allgemeine - - Erste Seite - VON SI­MON KA­MIN­SKI ska@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Die Bil­der von ei­nem ro­ten Meer aus tür­ki­schen Fah­nen zei­gen bei den An­hän­gern, aber auch bei den Geg­nern des tür­ki­schen Prä­si­den­ten Wir­kung. Die ihm zu­ju­beln­den Men­schen­mas­sen ha­ben Er­do­gan, der sich seit dem ge­schei­ter­ten Putsch in ei­nem Mach­t­rausch be­fin­det, zu noch maß­lo­se­ren An­grif­fen ver­lei­tet. An­ders sind die jüngs­ten Aus­fäl­le ge­gen Deutsch­land als an­geb­li­cher För­de­rer des PKK-Ter­rors nicht zu deu­ten.

Er­do­gan wird von ei­ner Wel­le der Sym­pa­thie ge­tra­gen, die sich nicht zu­letzt aus der tief sit­zen­den Ab­scheu der Be­völ­ke­rung ge­gen put­schen­de Mi­li­tärs speist. Die na­tio­na­le Ein­heit aber steht auf tö­ner­nen Fü­ßen. Die „frei­wil­li­ge“Teil­nah­me von Op­po­si­ti­ons­füh­rern an der Kund­ge­bung hat ei­nen Bei­ge­schmack. Denn der Prä­si­dent hat die Lo­sung aus­ge­ge­ben: Wer nicht für uns ist, ist ge­gen uns. Was das be­deu­tet, ist für sei­ne Geg­ner an­ge­sichts der Jagd auf An­ders­den­ken­de und der „Säu­be­run­gen“in Be­hör­den, Me­di­en oder in der Jus­tiz leicht zu ver­ste­hen. Doch die dro­hen­de Wirt­schafts­kri­se, das un­ge­lös­te Kur­den­pro­blem und die Ter­ror­ge­fahr könn­ten die Eu­pho­rie schnell be­en­den. Dann wird die tie­fe Spal­tung des Lan­des wie­der sicht­bar wer­den.

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