Dreh­kreuz für Ost­eu­ro­pa

Der All­gäu Air­port ist für Rei­sen­de die Pfor­te zum Schen­gen-Raum. Für die Po­li­zei nimmt da­mit die Ar­beit mit den Grenz­kon­trol­len zu

Friedberger Allgemeine - - Bayern - VON MAR­KUS BÄR

Mem­min­ger­berg Ei­gent­lich liegt das All­gäu ja in­mit­ten des Schen­gen­raums. Kon­trol­len an den Gren­zen zu Ös­ter­reich gibt es des­halb nicht. Aber das All­gäu stößt tat­säch­lich an ei­ner be­stimm­ten Stel­le so­gar an den Nicht-Schen­gen-Raum. Die­se Gren­ze ist et­wa 150 Me­ter lang. Sie ent­steht je­des Mal dann, wenn auf dem All­gäu Air­port ei­ne Ma­schi­ne aus Staa­ten wie bei­spiels­wei­se Russ­land, Ge­or­gi­en und Ma­ze­do­ni­en lan­det, die nicht zum Schen­gen-Raum ge­hö­ren. Dann stei­gen die Flug­gäs­te aus dem Jet aus und ge­hen zur Grenz­kon­trol­le. Erst wenn sie das Kon­troll­häus­chen le­gal pas­siert ha­ben, sind sie for­mal in den Schen­gen-Raum ein­ge­reist. Für die Po­li­zei be­deu­tet das im­mer mehr Kon­trol­l­ar­beit. Zu­mal sich der Flug­ha­fen in Mem­min­ger­berg zu ei­nem Dreh­kreuz für Ost­eu­ro­pa ent­wi­ckelt hat.

Die Po­li­zei­be­am­ten Jür­gen See­fel­der von der In­spek­ti­on Mem­min­gen und Jo­han­nes Lipp von der Po­li­zei­sta­ti­on Fahn­dung in Pfron­ten (er ist ein Mit­ar­bei­ter der so­ge­nann­ten Schlei­er­fahn­dung, die im In­land ver­dachts­un­ab­hän­gig Grenz­kon- trol­len bis 30 Ki­lo­me­ter hin­ter der deut­schen Gren­ze vor­neh­men kann) ha­ben al­le Hän­de voll zu tun, als nach­mit­tags die Wizz-Air-Ma­schi­ne aus dem ma­ze­do­ni­schen Skop­je auf dem All­gäu Air­port lan­det. 182 Men­schen wol­len in den Schen­gen­Raum ein­rei­sen. Ein Pass nach dem an­de­ren wird in ein Ge­rät na­mens Viso­tec ein­ge­legt. Es liest al­le Da­ten ein und wür­de sich auch mel­den, wenn der Be­tref­fen­de et­wa zur Fahn­dung aus­ge­schrie­ben ist.

Die meis­ten der Pas­sa­gie­re kom­men aus Ma­ze­do­ni­en selbst. Vie­le le­gen ne­ben ih­rem Aus­weis auch ei­nen so­ge­nann­ten Auf­ent­halts­ti­tel für die Schweiz vor. Das heißt im Re­gel­fall: Sie ar­bei­ten in der Schweiz. Dort­hin wer­den sie an­schlie­ßend wei­ter­rei­sen. So­fern Ma­ze­do­ni­er ei­nen elek­tro­nisch les­ba­ren Rei­se­pass vor­le­gen, be­kom­men sie oh­ne Pro­ble­me auch ein Tou­ris­ten­vi­sum. Dann wird ein Stem­pel in den Pass ge­drückt. Bin­nen ei­ner Frist von 180 Ta­gen dür­fen sie sich 90 Ta­ge als Tou­ris­ten im Schen­gen­Raum auf­hal­ten.

Ei­ne äl­te­re Frau mit Kopf­tuch legt ih­ren elek­tro­nisch les­ba­ren Pass vor. Sie war in den ver­gan­ge­nen 180 Ta­gen be­reits 72 Ta­ge in­ner­halb des Schen­gen-Raums un­ter­wegs. Das lässt sich aus ih­ren Stem­peln her­aus­le­sen. Lipp er­klärt ihr, dass sie nun nur noch 18 Ta­ge „zur Ver­fü­gung“hat. Bleibt sie län­ger und wird er­wischt, droht ihr ein Buß­geld, das wächst, je län­ger sie die Frist über­schrei­tet. Die äl­te­re Frau nickt zag­haft, man hat den Ein­druck, dass sie rein sprach­lich nicht ver­stan­den hat, was der deut­sche Gren­zer ihr mit­tei­len will.

Wenn je­mand ein­reist, der nicht hät­te ein­rei­sen dür­fen (weil er et­wa kein Vi­sum hat, ob­wohl er ei­nes braucht), dann wird er mit der glei­chen Ma­schi­ne wie­der zu­rück­ge­flo­gen. Zah­len muss das die be­tref­fen­de Flug­li­nie. Denn sie ist ver­pflich­tet, vor Ab­flug zu über­prü­fen, ob al­le ih­re Pas­sa­gie­re über­haupt ins Zi­el­land ein­rei­sen dür­fen.

Ein ganz wich­ti­ger Teil der Ar­beit bei der Grenz­kon­trol­le ist der Ab­gleich des Pass­fo­tos mit dem Ge­sicht des Ein­rei­sen­den, sagt Haupt­kom­mis­sar Her­bert Sorg, Grup­pen­lei­ter bei der Schlei­er­fahn­dung Lin­dau. Denn es kom­me hin und wie­der vor, dass der Ein­rei­sen­de nicht der Passin­ha­ber ist und die Do­ku­men­te ge­fälscht sind.

Die wach­sen­de Zahl der Flug­gäs­te aus dem Nicht-Schen­gen-Raum nimmt so­wohl die Po­li­zei­in­spek­ti­on Mem­min­gen als auch die Schlei­er­fahn­dung im All­gäu im­mer mehr in An­spruch. Po­li­zei­prä­si­dent Wer­ner Ströß­ner sagt, dass cir­ca 15 Pro­zent der Ka­pa­zi­tä­ten der bei­den Po­li­zei­ein­rich­tun­gen in­zwi­schen für Grenz­kon­trol­len ge­braucht wer­den.

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