Ein­satz ge­gen Un­be­kann­te am Nacht­him­mel

Na­to-Mis­si­on Über der Re­gi­on Augs­burg üben deut­sche Euro­figh­ter für ih­re Auf­ga­be als Luft­po­li­zei – was für die Men­schen mehr Lärm be­deu­tet. Beim Na­to-Ein­satz an der rus­si­schen Gren­ze wird es für die Pi­lo­ten bald ernst

Friedberger Allgemeine - - Friedberg - VON PITT SCHURIAN

Über dem Augs­bur­ger Land üben in die­sen Som­mer­wo­chen deut­sche Euro­figh­ter ver­stärkt für ih­re Auf­ga­be als Luft­po­li­zei. Fol­ge: mehr Flug­lärm als sonst. Beim Na­to-Ein­satz an der rus­si­schen Gren­ze wird es für die Pi­lo­ten bald ernst wer­den.

Land­kreis Augs­burg Es ist 21.33 Uhr, süd­west­lich von Augs­burg: Air Ber­lin-Flug 2295 aus Fu­er­teven­tura taucht au­ßer­plan­mä­ßig früh durch die Wol­ken­de­cke ab zum Lan­de­an­flug auf Mün­chen. Ei­ni­ge tau­send Me­ter über dem Air­bus krei­sen zwei Euro­figh­ter am Nacht­him­mel. Ih­ren Pi­lo­ten mag der Ur­laubs­flie­ger nicht nur auf­grund rot und grün blin­ken­der Po­si­ti­ons­lich­ter wie ein weit­hin er­kenn­ba­res Leucht­feu­er er­schei­nen. Auch ein per­ma­nen­tes Funk­si­gnal, wel­ches sei­ne Ra­dar­ken­nung um An­ga­ben über Flug­zeug­typ, Flug­hö­he und Kurs er­gänzt, hält je­den auf re­spekt­vol­lem Ab­stand.

Die Pi­lo­ten der bei­den Mi­li­tär­jets su­chen den Him­mel nach ganz an­de­ren Ma­schi­nen ab: Flug­zeu­gen, die sich nicht frei­wil­lig zu er­ken­nen ge­ben, in der Dun­kel­heit so­gar ab­sicht­lich ei­ne Tar­nung su­chen. Es ist ei­ne Übung. Der Auf­trag ist ge­heim und dürf­te lau­ten: Frem­des Flug- zeug iden­ti­fi­zie­ren und ab­drän­gen. Schon ab Sep­tem­ber wird dies für Pi­lo­ten des Tak­ti­schen Luft­waf­fen­ge­schwa­ders 74 aus Neu­burg/Do­nau kei­ne Übung mehr sein, son­dern Ernst­fall im Luf­t­raum der bal­ti­schen Staa­ten, an der rus­si­schen Gren­ze und der Ost­see.

Dass dort kei­nes­wegs si­che­re Ord­nung am Him­mel be­steht, zeigt die Sta­tis­tik: Nicht wirk­lich je­den Tag, aber öf­ter als nur je­den zwei­ten Tag dro­hen über Est­land, Li­tau­en und Lett­land Ver­let­zun­gen des Luf­t­raums, ei­ne Ge­fähr­dung des Flug­ver­kehrs oder ei­ne of­fe­ne Pro­vo­ka­ti­on, um die Re­ak­ti­ons­schnel­lig­keit der Na­to-Staa­ten zu tes­ten.

Über Stadt und Land Augs­burg und den west­lich an­gren­zen­den Lan­des­tei­len bis zur Schwä­bi­schen Alb wird der Luf­t­raum in fest­ge­leg­ten Hö­hen­schich­ten da­her in die­sem Mo­nat auch nachts im­mer wie­der für mi­li­tä­ri­sche Flug­übun­gen ge­sperrt. Pi­lo­ten be­rei­ten sich dar­auf vor, auch in der Dun­kel­heit an­de­re Ma­schi­nen zu iden­ti­fi­zie­ren und ab­zu­fan­gen. Sie wir­ken als Luft­po­li­zei. „Ver­stärk­tes Air Po­li­cing Bal­ti­kum“(VAPB) nennt sich die Mis­si­on im Auf­trag der Na­to. Ab Sep­tem­ber wer­den da­zu fünf Euro­figh­ter aus Neu­burg für vier Mo­na­te auf die Luft­waf­fen­ba­sis Äma­ri in Est­land ver­legt. 200 Sol­da­ten be­glei­ten als Bo­den­mann­schaft die Mis­si­on.

Für den Neu­bur­ger Ver­band ist der Auf­trag kei­ne Neu­heit: Be­reits 2009 ha­ben Ge­schwa­de­ran­ge­hö­ri­gen das Waf­fen­sys­tem Euro­figh­ter erst­ma­lig beim Air Po­li­cing Bal­ti­kum in den Ein­satz ge­bracht. 2014 wa­ren sie die Ers­ten, die ih­ren Auf­trag vom est­ni­schen Äma­ri aus­führ­ten. Seit Be­ginn des Na­to Air Po­li­cing im Bal­ti­kum 2004 zählt Deutsch­land mit Po­len und den USA zu den wich­tigs­ten Trup­pen­stel­lern. Die Luft­waf­fe stellt klar: „Dies wird durch die Ver­stär­kung der Prä­senz als Re­ak­ti­on auf die Kri­se in der Ukrai­ne auch wei­ter­hin so sein.“Im lau­fen­den Wech­sel mit Na­to-Part­nern schützt die Luft­waf­fe den Luf­t­raum der bal­ti­schen Staa­ten, die kei­ne nen­nens­wer­ten ei­ge­nen Luft­streit­kräf­te ha­ben.

Viel Er­fah­rung wur­de da­bei ge­sam­melt. Pri­mä­re Her­aus­for­de­rung ist die Iden­ti­fi­zie­rung von un­be­kann­ten, zu­meist rus­si­schen Mi­li­tär­flug­zeu­gen, die auf ih­rem Weg durch den in­ter­na­tio­na­len Luf­t­raum oh­ne elek­tro­ni­sche Er­ken­nungs­si­gna­le flie­gen. Der Vor­wurf ge­gen sie: Sie sei­en so­mit für die zi­vi­le Flug­si­che­rung nicht als Luft­ver­kehrs­teil­neh­mer zu er­ken­nen. Die­ses Ver­hal­ten stel­le im dich­ten eu­ro­päi­schen Luf­t­raum ei­ne er­heb­li­che Ge­fähr­dung für al­le Be­tei­lig­ten dar. Dank des Ein­sat­zes von Alarm­rot­ten in Li­tau­en und Est­land kön­ne die­se Ge­fahr mi­ni­miert wer­den. Das Selbst­be­wusst­sein der deut­schen Pi­lo­ten ge­gen­über rus­si­schen Her­aus­for­de­rern ist mit den Jah­ren sicht­lich ge­stie­gen. War frü­her nur von Übun­gen die Re­de, star­te­ten die Jets 2015 mit gut sicht­ba­rer Be­waff­nung. Und auch die Ein­satz­schnel­lig­keit zeigt Ent­schie­den­heit in der Wah­rung der Gren­zen. Man be­geg­ne sich auf Au­gen­hö­he, sa­gen deut­sche Mi­li­tärs. Das sei wich­tig für die Ein­hal­tung kla­rer Re­geln und die all­ge­mei­ne Si­cher­heit.

Da­für üben nun wie­der Euro­figh­ter­pi­lo­ten auch nachts über der Re­gi­on Augs­burg. Vor al­lem west­lich des Lechs müs­sen die Men­schen da­her auch in den Abend­stun­den und nachts mit Flug­lärm rech­nen. Denn die Sol­da­ten ma­chen sich erst­mals auch mit neu­en Nacht­sicht­ge­rä­ten wäh­rend ih­rer Ma­nö­ver ver­traut. Denn di­rek­te Sicht aus nächs­ter Nä­he ist ent­schei­dend, wenn sich an­de­re durch Dun­kel­heit und ab­ge­schal­te­te Er­ken­nungs­si­gna­le ei­ner Iden­ti­fi­zie­rung ent­zie­hen wol­len.

Ein Auf­trag für fünf Jets und 200 Sol­da­ten Auf Au­gen­hö­he mit rus­si­schen Pi­lo­ten

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