Wie viel Macht hat Er­do­gan in Deutsch­land?

Dach­ver­band der tür­ki­schen Ge­mein­den weist Vor­wurf der Fremd­steue­rung durch den tür­ki­schen Prä­si­den­ten zu­rück

Friedberger Allgemeine - - Erste Seite - VON MAR­TIN FER­BER

Ber­lin Der Streit um den Dach­ver­band der tür­kisch-is­la­mi­schen Mo­schee­ge­mein­den in Deutsch­land (Di­tib) ver­schärft sich. Füh­ren­de Po­li­ti­ker von CDU, CSU und SPD hat­ten der Or­ga­ni­sa­ti­on vor­ge­wor­fen, ein Sprach­rohr von Re­cep Tay­yip Er­do­gan zu sein. Im Mit­tel­punkt der De­bat­te steht die Fra­ge, ob der Ver­band als „ver­län­ger­ter Arm“des Prä­si­den­ten in Deutsch­land des­sen Po­li­tik un­ter­stützt. Sol­che An­schul­di­gun­gen sei­en „ten­den­zi­ös, in ei­ni­gen Tei­len gar of­fen feind­se­lig und in je­dem Fall oh­ne Be­zug zu un­se­rer tat­säch­li­chen Ar­beit“, heißt es nun in ei­ner Er­klä­rung al­ler 15 Di­tib-Lan­des­ver­bän­de. Die Be­richt­er­stat­tung über die Tür­kei nach dem Putsch­ver­such wer­de in­stru­men­ta­li­siert und „in un­zu­läs­si­ger Wei­se auf die Di­ti­bGe­mein­den pro­ji­ziert“.

Am Wo­che­n­en­de hat­te sich Uni­ons-Frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der da­für aus­ge­spro­chen, den Ein­fluss der von der tür­ki­schen Re­gie­rung kon­trol­lier­ten Or­ga­ni­sa­ti­on in Deutsch­land ein­zu­schrän­ken, da sie „of­fen­bar Sprach­rohr von Prä­si­dent Er­do­gan ist“. Auch Po­li­ti­ker an­de­rer Par­tei­en ge­hen auf Dis­tanz zu Di­tib und stell­ten ei­ne mög­li­che Zu­sam­men­ar­beit bei der Gestal­tung des mus­li­mi­schen Re­li­gi­ons­un­ter­richts in Fra­ge. Es kön­ne nicht ge­dul­det wer­den, dass „Er­do­gans Po­li­tik in deut­sche Mo­schee­ge­mein­den hin­ein­ge­tra­gen wird“, sagt die SPDRe­li­gi­ons­ex­per­tin Kers­tin Grie­se. Der stell­ver­tre­ten­de CDU-Chef Ar­min La­schet for­dert, Di­tib müs­se sich „völ­lig neu or­ga­ni­sie­ren und un­ab­hän­gig ma­chen“.

Di­tib ge­riet in den Fo­kus, weil es sich nach dem ge­schei­ter­ten Putsch­ver­such der Mi­li­tärs in der Tür­kei öf­fent­lich auf die Sei­te Er­do­gans ge­stellt und zu So­li­da­ri­täts­kund­ge­bun­gen in Deutsch­land auf­ge­ru­fen hat­te. Als Kon­se­quenz setz­te die rhein­land-pfäl­zi­sche Re­gie­rung in der ver­gan­ge­nen Wo­che die Ver­hand­lun­gen mit Di­tib und an­de­ren is­la­mi­schen Ver­bän­den über ei­nen is­la­mi­schen Re­li­gi­ons­un­ter­richt aus. Auch in Nie­der­sach­sen ge­rie­ten die Ver­hand­lun­gen über ei­nen Staats­ver­trag ins Sto­cken.

Di­tib fühlt sich aber zu Un­recht im Zwie­licht: „Sämt­li­che Un­ter­stel­lun­gen der Fremd­steue­rung, der po­li­ti­schen Ein­fluss­nah­me aus der Tür­kei, der po­li­ti­schen Agi­ta­ti­on und der Ge­fähr­lich­keit un­se­rer Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft wei­sen wir auf das Schärfs­te zu­rück“, be­ton­te der Ver­band ges­tern. Al­le Di­tib-Ge­mein­den sei­en Ver­ei­ne nach deut­schem Recht und stün­den nicht in Ver­bin­dung zu tür­ki­schen Äm­tern oder Be­hör­den. Die Ver­eins­vor­stän­de sei­en de­mo­kra­tisch ge­wähl­te

„Nie­mand, we­der im In­land noch im Aus­land, hat sich in un­se­re Ar­beit ein­zu­mi­schen.“

Aus der Er­klä­rung des Di­tib-Ver­ban­des

Per­so­nen, die in Deutsch­land leb­ten und häu­fig auch hier auf­ge­wach­sen sei­en. „Nie­mand, we­der im In­land noch im Aus­land, hat sich in un­se­re Ver­eins­ar­beit ein­zu­mi­schen.“

Die Tür­kisch-Is­la­mi­sche Uni­on der An­stalt für Re­li­gi­on, wie Di­tib of­fi­zi­ell heißt, ist der größ­te Is­lam­ver­band in Deutsch­land. Der Vor­sit­zen­de von Di­tib ist in Per­so­nal­uni­on tür­ki­scher Bot­schafts­rat für re­li­giö­se und so­zia­le An­ge­le­gen­hei­ten. Der Ver­band mit Sitz in Köln un­ter­steht dem staat­li­chen Prä­si­di­um für Re­li­giö­se An­ge­le­gen­hei­ten der Tür­kei (Diya­net), das wie­der­um di­rekt dem Mi­nis­ter­prä­si­den­ten in An­ka­ra un­ter­stellt ist.

»Kom­men­tar Mar­tin Fer­ber er­klärt, war­um im Um­gang mit Di­tib Vor­sicht an­ge­bracht ist. »Po­li­tik Ges­tern reis­te der tür­ki­sche Prä­si­dent Er­do­gan zu ei­nem po­ten­zi­el­len Ver­bün­de­ten: Kreml-Chef Wla­di­mir Pu­tin

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