Die Mu­sik be­stimmt den Wan­del

Frü­her be­such­ten vor al­lem Äl­te­re das Zelt, in­zwi­schen ist die Ju­gend deut­lich in der Über­zahl. Der ehe­ma­li­ge Or­ga­ni­sa­tor Erich Sedl­meyr weiß, was sich noch ver­än­dert hat

Friedberger Allgemeine - - Erste Seite - VON LEO­NIE STEINHARDT UND SE­BAS­TI­AN MAYR

Frü­her be­such­ten vor al­lem Äl­te­re das Fried­ber­ger Volks­fest. In­zwi­schen ist die Ju­gend deut­lich in der Über­zahl.

Fried­berg Wäh­rend die Ju­gend abends auf den Bier­bän­ken tanzt und bei den Lie­dern mit­singt, ge­nie­ßen die äl­te­ren Gäs­te Bier und Hendl im Sit­zen. Ge­ra­de bei den Jun­gen das Fried­ber­ger Volks­fest im Trend, die Se­nio­ren tra­fen sich am Di­ens­tag beim „Tag der äl­te­ren Bür­ger“.

Auch wenn das Zelt so voll ist wie nach­mit­tags sonst wohl nie – das Pu­bli­kum ist über die Jah­re ins­ge­samt deut­lich jün­ger ge­wor­den. Erich Sedl­meyr kann das be­ur­tei­len. Er war von 1986 bis 2009 Prä­si­dent des Ver­kehrs­ver­eins und Or­ga­ni­sa­tor des Fests und hat die Ent­wick­lung über die Jah­re be­glei­tet. „Zu­erst wa­ren kaum jun­ge Men­schen an der Ver­an­stal­tung in­ter­es­siert. Es wa­ren über­wie­gend äl­te­re Be­su­cher oder Fa­mi­li­en auf dem Fest­platz.“

Heu­er kom­men die Se­nio­ren an dem Tag, der für sie re­ser­viert ist. Stadt, Ver­kehrs­ver­ein und Spar­kas­se ge­ben Gut­schei­ne aus. Wer 1947 oder frü­her ge­bo­ren wur­de, ist ein- An­ne­ma­rie Lil­la und An­ni Eber­le ge­hö­ren da­zu, schon seit Jahr­zehn­ten sind sie Gäs­te im Fest­zelt. Frü­her häu­fi­ger, in­zwi­schen nur noch am „Tag der äl­te­ren Bür­ger“. Ver­än­dert hat sich aus ih­rer Sicht vor al­lem die Mu­sik. Zwar spielt am Se­nio­ren­nach­mit­tag kei­ne Band, son­dern die Stadt­ka­pel­le. Doch auch die, glaubt An­ni Eber­le, sei lau­ter ge­wor­den. „Das liegt an den Ver­stär­kern“, er­klärt sie und scherzt, dass so zu­min­dest kei­ner ein Hör­ge­rät brau­che. „Vi­el­leicht hat es uns frü­her gar nicht ge­stört“, wirft An­ne­ma­rie Lil­la ein. Ge­mein­sam mit Be­kann­ten ha­ben die Frau­en zwei Bier­ti­sche be­setzt. Mit da­bei ist auch Ste­pha­nie Lei­bold, die im De­zem­ber 100 wird. „Wir sind mit un­se­ren Rol­la­to­ren ge­kom­men, Gau­di muss schließ­lich sein“, er­klärt An­ni Eber­le fröh­lich.

Dass Blas­ka­pel­len nur noch sel­ten im Bier­zelt spie­len, lockt vor al­lem die Ju­gend an. Die mo­der­nen Bands sind aus Sicht von Erich Sedl­meyr für die Be­geis­te­rung bei den Jun­gen ver­ant­wort­lich. Das sei der Lauf der Zeit: „Man muss schließ­lich das ma- chen, was ge­fragt ist.“Das ha­ben sich auch die ak­tu­el­len Or­ga­ni­sa­to­ren zu Her­zen ge­nom­men, die flei­ßig in so­zia­len Netz­wer­ken wer­ben.

Auch an­de­res hat sich ver­än­dert. Vor 30 Jah­ren tru­gen nur Blas­ka­pel­le, Fest­wirt und ei­ni­ge Po­li­ti­ker Tracht. Heu­te ist so gut wie je­der in Dirndl oder Le­der­ho­sen un­ter­wegs. „Es ist schön zu se­hen, dass sich die Volks­fest­gän­ger mit ih­rer Her­kunft iden­ti­fi­zie­ren und das auch of­fen zei­gen“, fin­det Sedl­meyr. Mit am meis­ten ha­ben sich die Prei­se ver­än­dert. Im Jahr 1988 hat ei­ne Maß Bier 5,90 Mark ge­kos­tet, heu­er sind es 8,30 Eu­ro. Sedl­meyr fin­det das in Ord­nung. „Im Ge­gen­satz zum Plär­rer und dem Ok­to­ber­fest ist das kun­den­freund­lich. Man muss auch se­hen, wie sich die Wirt­schaft ver­än­dert hat.“Auch au­ßer­halb des Fest­zel­tes hat sich ei­ni­ges ge­tan. Die Fahr­ge­la­den. ge­schäf­te kön­nen schnel­ler auf­ge­baut wer­den und sind tech­ni­sier­ter – wenn es um die Span­nung und den Spaß geht, las­sen sich die Schau­stel­ler gern et­was ein­fal­len. Als der Ein­gang zum Fest­ge­län­de noch in der Mit­te des Plat­zes lag, gab es Pro­ble­me. Links und rechts des Ein­gangs be­fan­den sich Stän­de. Weil das Fest­zelt auf der lin­ken Sei­te war, gin­gen nur we­ni­ge Be­su­cher nach rechts, man­che Schau­stel­ler wa­ren be­nach­tei­ligt. Ge­bes­sert hat sich das erst nach der Um­struk­tu­rie­rung. We­ni­ger Ve­rän­de­rung gibt es beim Pro­gramm. Vom Se­nio­ren­nach­mit­tag bis zum Feu­er­werk ist viel gleich ge­blie­ben. Nur beim Ein­zug wur­den die Kut­schen durch Old­ti­mer er­setzt. Erich Sedl­meyr sieht bei der Ent­wick­lung kei­ne Nach­tei­le: „Al­les hat sei­ne Zeit. Ge­ra­de gibt es eben die Bands, die auch mal laut sein kön­nen. Ich ge­he nach wie vor ger­ne auf das Volks­fest.“

Fo­tos: Se­bas­ti­an Mayr

Beim Se­nio­ren­nach­mit­tag war das Fest­zelt auf dem Fried­ber­ger Volks­fest voll be­setzt. An­ne­ma­rie Lil­la, Er­na Dittrich, Do­ris Ber­ger, Ste­pha­nie Lei­bold und An­nie Eber­le (von links vor­ne im Uhr­zei­ger­sinn) fei­er­ten mit.

Erich Sedl­meyr hat das Volks­fest jah­re­lang or­ga­ni­siert.

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