Die Angst der Pa­ris-Tou­ris­ten

Noch im­mer lei­det der Tou­ris­mus un­ter den Fol­gen der Ter­ror­an­schlä­ge – ins­be­son­de­re kauf­kräf­ti­ge Be­su­cher aus den USA, Asi­en und den Golf­staa­ten blei­ben aus

Friedberger Allgemeine - - Politik - VON BIR­GIT HOL­ZER

Pa­ris Die Idee ist be­ste­chend und wie ge­macht für Lieb­ha­ber fran­zö­si­scher Wei­ne. Sie stammt vom jun­gen Un­ter­neh­mer Ni­co­las Pa­ra­dis, der ei­ne Bou­tique und un­ter­ir­di­sche Räu­me in Pa­ris an­ge­mie­tet und dort die „Kel­ler des Lou­vre“(„Ca­ves du Lou­vre“) ein­ge­rich­tet hat – in An­leh­nung an das gro­ße Pa­ri­ser Mu­se­um, das nur ein paar Me­ter ent­fernt liegt. In ei­nem spek­ta­ku­lä­ren und mo­der­nen Am­bi­en­te schuf er ei­nen in­ter­ak­ti­ven Ent­de­ckungs­spa­zier­gang, bei dem Gäs­te die Welt des Weins mit al­len Sin­nen er­le­ben und Nütz­li­ches rund um das Ge­nuss­mit­tel ler­nen kön­nen. „Es brauch­te ei­nen Fun­ken Ver­rückt­heit und sehr viel Be­geis­te­rung für die­ses Pro­jekt“, räumt Pa­ra­dis ein.

Doch für die Er­öff­nung wähl­te er un­wis­sent­lich ei­nen denk­bar schlech­ten Zeit­punkt – An­fang No­vem­ber 2015, nur ei­ne Wo­che, be­vor die fran­zö­si­sche Haupt­stadt tief ge­trof­fen wer­den soll­te. Bei ei­ner An­schlags­se­rie am 13. No­vem­ber tö­te­ten Ter­ro­ris­ten vor Bars und Re­stau­rants, dem Fuß­ball­sta­di­on Sta­de de Fran­ce im Nor­den und in der Kon­zert­hal­le „Bat­a­clan“ins­ge­samt 130 Men­schen. Es war ein Schock für die Stadt, das gan­ze Land – und auch für die Tou­ris­mus­in­dus­trie. Sie lebt schließ­lich vom Image der strah­len­den Me­tro­po­le, die träu­men lässt.

Statt­des­sen steht sie nun vor al­lem für Tou­ris­ten aus dem au­ßer­eu­ro­päi­schen Aus­land für ei­nen Alb­traum. Mas­sen­haft stor­nier­ten sie ge­plan­te Rei­sen – mit fa­ta­len Fol­gen: Ho­tels und Re­stau­rants ver­zeich­ne­ten in den ers­ten Wo­chen nach dem 13. No­vem­ber Ein­bu­ßen von 30 bis zu 50 Pro­zent, auch Flug­li­ni­en und die Bahn wa­ren stark be­trof­fen. Ähn­lich er­ging es Mu­se­en, Se­hens­wür­dig­kei­ten oder Ein­kaufs­zen­tren wie die Ga­le­ries La­f­ay­et­te – und auch Ni­co­las Pa­ra­dis, des­sen Kun­den zu 70 bis 80 Pro­zent aus dem Aus­land kom­men.

Be­vor wie­der nor­ma­ler All­tag ein­zie­hen konn­te, schlug der Ter­ror er­neut zu. „Wir wa­ren so er­leich­tert, dass es bei der Fuß­ball-EM über­wie­gend ru­hig blieb“, er­zählt er. „Doch dann kam der nächs­te Schock kurz nach dem Fi­na­le, am 14. Ju­li in Niz­za.“85 To­des­op­fer gab es bei dem An­schlag in der süd­fran­zö­si­schen Küs­ten­stadt, bei dem ein Mann mit ei­nem Last­wa­gen in ei­ne Men­schen­men­ge ras­te. Knapp zwei Wo­chen spä­ter er­mor­de­ten zwei Fa­na­ti­ker ei­nen ka­tho­li­schen Pries­ter in ei­ner Kir­che bei Rou­en. Zu bei­den At­ten­ta­ten be­kann­te sich spä­ter der IS. Und Frank­reichs Ruf ei­nes un­si­che­ren Ur­laubs­lan­des droh­te sich zu fes­ti­gen.

So ging in den ers­ten sechs Mo­na­ten des Jah­res die Zahl der aus­län­di­schen Tou­ris­ten, die in fran­zö­si­schen Ho­tels über­nach­te­ten, im

Mi­nus zehn Pro­zent bei den Über­nach­tun­gen in Pa­ris

Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum um zehn Pro­zent zu­rück, sagt der für Au­ßen­han­del und Tou­ris­mus zu­stän­di­ge Staats­se­kre­tär, der Deutsch-Fran­zo­se Mat­thi­as Fekl. Am stärks­ten be­trof­fen wa­ren dem­nach Pa­ris und die gan­ze Haupt­stadt­re­gi­on, wäh­rend der Rest des Lan­des so­gar um zwei Pro­zent zu­leg­te. „Am stärks­ten hat ei­ne Kund­schaft mit star­ker Kauf­kraft aus den USA, Asi­en und den Golf­staa­ten auf die At­ten­ta­te re­agiert. Die Lu­xus­ho­tels lei­den be­son­ders“, so Fekl.

Mit ei­nem Ak­ti­ons­plan, der Wei­ter­bil­dun­gen und ei­ne di­gi­ta­le Um­stel­lung vor­sieht, so­wie ei­nem In­ves­ti­ti­ons­fonds mit ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro stützt die Re­gie­rung den Tou­ris­mus­sek­tor, um das gro­ße Ziel bei­zu­be­hal­ten: Im Jahr 2020 mit 100 Mil­lio­nen Tou­ris­ten ei­nen neu­en Re­kord zu bre­chen. 2015 ent­deck­ten trotz der An­schlä­ge 85 Mil­lio­nen Be­su­cher Frank­reich; mit­un­ter wohl auch sei­ne Wei­ne.

Und ei­ni­ge da­von auch je­ne im stim­mungs­vol­len Kel­ler von Ni­co­las Pa­ra­dis.

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