Zur Far­ce ver­kom­men

Friedberger Allgemeine - - Wirtschaft - VON MIR­JAM MOLL wirt­schaft@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Die Ge­mein­schaft hat es ver­passt, sich in Glaub­wür­dig­keit zu be­wei­sen. Statt Sank­tio­nen end­lich zur An­wen­dung zu brin­gen, wird ein­mal mehr Auf­schub ge­währt. Man ist fast ge­neigt zu sa­gen: bis zum Sankt Nim­mer­leins­tag. Denn wie oft hat man Por­tu­gal und Spa­ni­en nun be­reits die Frist ver­län­gert? Die Fi­nanz­mi­nis­ter hät­ten ge­nau­er hin­se­hen müs­sen.

Dass sie das nicht ge­tan ha­ben, ist die Fol­ge des ei­ge­nen Re­gel­bruchs. Frank­reich hät­te sonst be­reits Buß­geld zah­len müs­sen, auch Deutsch­land. Längst gibt es neue Kan­di­da­ten, de­ren Schul­den­ber­ge in ähn­lich schwin­deln­de Hö­hen wach­sen – et­wa Ita­li­en. Die durch­schnitt­li­che Ver­schul­dung in der Eu­ro­zo­ne liegt bei über 90 Pro­zent, er­laubt sind nur 60 Pro­zent der Jah­res­wirt­schafts­leis­tung. Ei­ne wei­te­re Gren­ze des Sta­bi­li­täts- und Wachs­tums­pakts, die seit Jah­ren von vie­len Län­dern igno­riert wird.

Des­halb ist auch die Droh­ku­lis­se, Mit­tel aus dem Eu­ro­päi­schen Fonds für stra­te­gi­sche In­ves­ti­tio­nen für Spa­ni­en und Por­tu­gal strei­chen zu wol­len, ei­ne rei­ne Far­ce. Ein sol­cher Vor­schlag dürf­te im Eu­ro­pa­par­la­ment kei­ne Mehr­heit fin­den.

Es wä­re ehr­li­cher ge­we­sen, zu der ei­ge­nen Ent­schei­dung, kei­ne Sank­tio­nen ver­hän­gen zu wol­len, zu ste­hen. Dann aber auch mit der ei­gent­li­chen Be­grün­dung: Ei­ne neue Re­gie­rung ist in Spa­ni­en noch im­mer nicht ge­fun­den. Sank­tio­nen könn­ten die eu­ro­pa­kri­ti­sche Po­de­mos-Par­tei be­flü­geln – und ei­nen gro­ßen Mit­glied­staat in die po­li­ti­sche Un­ge­wiss­heit steu­ern.

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