Passt das Lehr­amts­stu­di­um noch in un­se­re Zeit?

Je­des Jahr ste­hen Leh­rer für Gym­na­si­um und Re­al­schu­le auf der Stra­ße. Es gibt meh­re­re Lö­sungs­vor­schlä­ge

Friedberger Allgemeine - - Bayern -

Augs­burg/Mün­chen Für man­chen Re­fe­ren­dar an baye­ri­schen Gym­na­si­en und Re­al­schu­len hat nach dem letz­ten Schul­tag der Weg zum Ar­beits­amt ge­führt: Seit Jah­ren be­kommt nur ein Bruch­teil der Jung­leh­rer ei­ne fes­te Stel­le. Das ist die­ses Jahr nicht an­ders.

250 Gym­na­si­al­leh­rer star­ten zum Sep­tem­ber in den Staats­dienst, wie das Kul­tus­mi­nis­te­ri­um kürz­lich be­kannt gab. 190 wei­te­re be­kom­men ei­ne Plan­stel­le an Fach­ober-, Be­rufs­ober­und Wirt­schafts­schu­len. Die Zahl der Ab­sol­ven­ten ist um ein Viel­fa­ches hö­her: Zu­letzt lag sie zwi­schen 1200 und 1400. An den Re­al­schu­len hat sich die Si­tua­ti­on et­was ver­bes­sert: 2015 wur­den 76 von 2400 Be­wer­bern ein­ge­stellt – macht drei Pro­zent. Jetzt sind es 245. Ei­ne Be­son­der­heit ist heu­er, dass Leh­rer aus Re­al­schu­le und Gym­na­si­um an Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nah­men teil­neh­men kön­nen, die ih­nen den Un­ter­richt an Grund-, Mit­tel- und Be­rufs­schu­len er­mög­li­chen. Dort wur­den al­le Be­wer­ber ein­ge­stellt – nicht zu­letzt we­gen hun­der­ter Über­gangs­klas­sen für Asyl­be­wer­ber.

Doch an­ge­sichts der ge­rin­gen Ein­stel­lungs­chan­cen für Gym­na­si­alund Re­al­schul­leh­rer for­dern die Ge­werk­schaf­ten ei­ne Re­form des Lehr­amts­stu­di­ums. Si­mo­ne Fleisch­mann, Prä­si­den­tin des Baye­ri­schen Leh­rer- und Leh­re­rin­nen­ver­bands (BLLV), setzt sich für ei­ne Fle­xi­bi­li­sie­rung ein. Gin­ge es nach ihr, wür­den al­le Lehr­amts­stu­den­ten ein ge­mein­sa­mes Grund­stu­di­um auf­neh­men und sich erst spä­ter auf ei­ne Schul­art spe­zia­li­sie­ren. Stu­den­ten könn­ten ih­re Schul­wahl so stär­ker auf den tat­säch­li­chen Be­darf aus­rich­ten. Auch Bern­hard Baud­ler von der Bil­dungs­ge­werk­schaft GEW for­dert ein fle­xi­bles Stu­di­en­mo­dell. Er schlägt ei­ne Aus­bil­dung nach Al­ters­stu­fen statt nach Schul­art vor. Op­po­si­ti­ons­par­tei­en im Land­tag be­für­wor­ten die­se Lö­sung. Die SPD-Ab­ge­ord­ne­te Si­mo­ne Stroh­mayr aus Stadt­ber­gen (Kreis Augs­burg) hat schon mehr­fach An­trä­ge und Ge­set­zes­ent­wür­fe für ei­ne Re­form er­ar­bei­tet. „Die Tren­nung ist ein Witz“, sag­te sie ges­tern un­se­rer Zei­tung. Ih­rer Mei­nung nach soll­ten „nicht Schul­ar­ten im Zen­trum des Stu­di­ums ste­hen, son­dern das Al­ter der Kin­der“. In der Aus­bil­dung für den Un­ter­richt mit jün­ge­ren Schü­lern könn­te dann die Päd­ago­gik mehr Platz ein­neh­men, bei äl­te­ren der fach­li­che In­halt. Ein Spre­cher des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums hin­ge­gen be­tont: „Wir ha­ben ein dif­fe­ren­zier­tes Schul­sys­tem, wel­ches auf die Be­ga­bung und In­ter­es­sen der Schü­ler ein­geht.“Die Un­ter­schie­de zwi­schen Gym­na­si­al- und Mit­tel­schul­leh­rern sei­en groß, des­we­gen müss­te auch die Aus­bil­dung schul­art­spe­zi­fisch ge­stal­tet wer­den.

Der Grü­nen-Bil­dungs­po­li­ti­ker Tho­mas Geh­ring aus Kemp­ten will nicht nur aus Schü­ler­sicht den­ken: „Wir müs­sen Leh­rern ei­ne Per­spek­ti­ve bie­ten. Ei­ne Aus­bil­dung nach Schul­ar­ten ist über­holt, vor al­lem, wenn die Lehr­kräf­te dann im Not­fall an an­de­ren Schul­ar­ten ein­ge­setzt wer­den.“»Kom­men­tar

Si­mo­ne Stroh­mayr

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