Wenn die Bau­fir­ma plei­te geht

So ver­lie­ren Bau­her­ren mög­lichst we­nig Geld

Friedberger Allgemeine - - Immo-börse - VON MO­NI­KA HIL­LE­MA­CHER

Die In­sol­venz der Bau­fir­ma bringt an­ge­hen­den Ei­gen­tü­mern je­de Men­ge Pro­ble­me: Die Fer­tig­stel­lung der Im­mo­bi­lie ver­zö­gert sich. Und die Fi­nan­zie­rung kann ins Wan­ken ge­ra­ten. Denn der Kre­dit­neh­mer muss die Ra­ten für das Dar­le­hen wei­ter be­die­nen, auch wenn auf dem Bau über­haupt nichts mehr pas­siert.

„An dem Kre­dit ha­ben Bau­her­ren dann jahr­zehn­te­lang zu kn­ab­bern“, sagt Hol­ger Frei­tag, Ver­trau­ens­an­walt des Ver­ban­des der Pri­va­ten Bau­her­ren (VPB). Denn wer den Kre­dit­ver­trag kün­di­gen will, muss meist mit ei­ner Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung rech­nen. Die­se kön­ne sich kaum je­mand leis­ten. Zu­sätz­lich schlägt die Mie­te für die bis­he­ri­ge Woh­nung zu Bu­che. Und wenn der ur­sprüng­li­che Kre­dit nicht mehr reicht, brau­chen Bau­herrn oft ei­ne Nach­fi­nan­zie­rung. Meist fol­gen dann harte Ver­hand­lun­gen mit der

Bank.

Max Herbst von der FMH-Fi­nanz­be­ra­tung rät, dass Bau­her­ren schon im ers­ten Kre­dit­ver­trag ei­nen Nicht­ab­nah­me­be­trag ver­ein­ba­ren. Die­ses Geld geht über die ei­gent­li­che Dar­le­hens­sum­me hin­aus und ist für Un­vor­her­seh­ba­res wie ei­ne Plei­te ge­dacht. Der Be­trag sei oft auf zehn Pro­zent des Dar­le­hens be­grenzt.

Das Ri­si­ko ge­ring hal­ten

Bau­her­ren kön­nen das fi­nan­zi­el­le Ri­si­ko aber auch auf an­de­rem Weg ab­fe­dern – und zwar be­reits, wenn sie den Ver­trag ab­schlie­ßen. Da­für soll­ten sie von der Bau­fir­ma oder dem Bau­trä­ger die Vor­la­ge ei­ner Bürg­schaft für die Fer­tig­stel­lung und Ge­währ­leis­tung for­dern, emp­fiehlt Hart­mut Schwarz von der Ver­brau­cher­be­ra­tung Bre­men.

Wie schlimm die Fol­gen der Plei­te sind, hängt vom Ver­trags­part­ner ab – al­so, ob ein Bau­trä­ger die Im­mo­bi­lie er­rich­tet oder der künf­ti­ge Ei­gen­tü­mer selbst ei­ne Fir­ma be­auf­tragt hat, die auf sei­nem ei­ge­nen Grund und Bo­den ar­bei­tet. Ge­ra­de in Städ­ten las­sen vie­le ihr Ei­gen­heim schlüs­sel­fer­tig vom Bau­trä­ger bau­en. Doch er er­stellt nicht nur das Haus, son­dern bringt auch das Grund­stück mit. Das be­deu­tet: Im Fall ei­ner Plei­te droht der Ver­lust von Geld und Grund­stück.

Die Bank, die den Bau­trä­ger fi­nan­ziert, hat die Wahl, ob sie den Bau­herrn mit der Rui­ne sit­zen lässt oder ihm sei­ne be­reits ge­leis­te­te Ab­schlags­zah­lun­gen er­stat­tet, er­klärt Frei­tag. Die­se er­hält der Bau­herr aber meist nicht kom­plett zu­rück, son­dern höchs­tens bis zum Wert der Rui­ne.

Bau­trä­ger-Kun­den kön­nen Vor­aus­zah­lun­gen ab­si­chern. Das geht eben­falls mit ei­ner Bürg­schaft. Au­ßer­dem soll­ten sie nach und nach Leis­tun­gen be­zah­len – al­so nur nach Bau­fort­schritt und idea­ler­wei­se erst nach män­gel­frei­er Ab­nah­me.

Nach ei­ner Plei­te muss der In­sol­venz­ver­wal­ter den Wei­ter­bau erst er­lau­ben – bis da­hin kön­nen sechs Mo­na­te oder mehr ver­ge­hen. Wer oh­ne Ge­neh­mi­gung et­wa Wän­de hoch­zieht oder das Dach deckt, macht sich even­tu­ell scha­den­er­satz­pflich­tig. Bau­her­ren soll­ten für die Ge­sprä­che mit dem In­sol­venz­ver­wal­ter den ak­tu­el­len Bau­stand und die er­brach­te Bau­leis­tung do­ku­men­tie­ren, emp­fiehlt Flo­ri­an Be­cker vom Bau­her­ren-Schutz­bund. Hat der Bau­herr selbst ei­ne Fir­ma be­auf­tragt, kann er dort Bau­un­ter­la­gen ein­for­dern. Gibt es ei­nen Bau­trä­ger, be­hält die­ser in der Re­gel die Pa­pie­re. Käu­fer soll­ten des­halb laut Schwarz im­mer zeit­nah Ko­pi­en ver­lan­gen.

Vom Aus­stieg aus den be­ste­hen­den Bau­ver­trä­gen ra­ten sämt­li­che Ex­per­ten ab. Käu­fer von Bau­trä­gerOb­jek­ten ver­lie­ren die Grund­buch­vor­mer­kung und da­mit ih­re ein­zi­ge in­sol­venz­si­che­re Si­cher­heit. Wer auf dem ei­ge­nen Grund­stück baut, könn­te den Schritt er­wä­gen, je­doch nur wenn der Bau­herr ver­trag­lich ein Kün­di­gungs­recht für den Plei­te­fall ver­ein­bart hat.

Kon­takt Sonja Na­gel im­mo­bi­li­en@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

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