Chi­ne­se auf Irr­fahrt

Der Fall ei­nes Tou­ris­ten wird ku­rio­ser

Friedberger Allgemeine - - Panorama -

Dülmen/Hei­del­berg Seit der Fall ei­nes chi­ne­si­schen Tou­ris­ten be­kannt ist, der ver­meint­lich aus Ver­se­hen in ein Flücht­lings­heim in Dülmen kam, ste­hen bei Chris­toph Schlü­ter­mann die Te­le­fo­ne nicht mehr still. Er ist Kreis­vor­sit­zen­der beim Deut­schen Ro­ten Kreuz in Dülmen, das das Flücht­lings­heim in Nord­rheinWest­fa­len be­treibt.

Dort leb­te der Mann, der we­der Deutsch noch Eng­lisch sprach und wohl auch des­halb miss­ver­stan­den wur­de. Über ihn gibt es aber kaum Auf­zeich­nun­gen, die hel­fen wür­den, den ver­wun­der­li­chen Fall zu re­kon­stru­ie­ren. Ob er wirk­lich ver­se­hent­lich in das Flücht­lings­heim kam, ist un­klar.

Zu­nächst hieß es, dass al­les da­mit be­gann, dass dem Mann am Stutt­gar­ter Flug­ha­fen sein Geld­beu­tel ab­han­den­ge­kom­men war. Statt ei­ner Dieb­stahls­an­zei­ge soll der 31-jäh­ri­ge Tou­rist ver­se­hent­lich ei­nen Asyl­an­trag un­ter­schrie­ben ha­ben. Doch nach An­ga­ben des Bun­des­amts für Mi­gra­ti­on (Bamf) stell­te der Chi­ne­se nie ei­nen Asyl­an­trag. „Sonst hät­ten wir ein Ak­ten­zei­chen. Aber wir ha­ben ab­so­lut kei­ne Da­ten zu die­sem chi­ne­si­schen Tou­ris­ten“, sagt ei­ne Spre­che­rin. Auch der Dieb­stahl lässt sich nicht be­stä­ti­gen. „Wenn er sich an uns ge­wen­det hät­te, wüss­ten wir da­von“, sagt ein Spre­cher der Bun­des­po­li­zei.

Laut Re­gie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he kam der Chi­ne­se am 4. Ju­li um 14.30 Uhr mit sechs wei­te­ren Lands­män­nern in der Erst­auf­nah­me­stel­le in Karls­ru­he an und mel­de­te sich an der Pfor­te. Wo­her ist un­klar. Am 6. Ju­li wur­de er nach Hei­del­berg ge­bracht und als Flücht­ling re­gis­triert. Schließ­lich kam er nach Nord­rhein-West­fa­len. Ein Über­set­zer half ihm beim Aus­fül­len ei­nes Per­so­na­li­sie­rungs­bo­gens.

Nach An­sicht des Re­gie­rungs­prä­si­di­ums spre­chen des­halb vie­le Punk­te da­für, dass der Chi­ne­se be­wusst Asyl be­an­tra­ge. Oder steckt sim­ple Ob­rig­keits­hö­rig­keit da­hin­ter? Blieb er im Flücht­lings­heim aus Geld­not? Wie­so such­te er nicht ak­ti­ver Hil­fe, et­wa in ei­nem chi­ne­si­schen Re­stau­rant ums Eck?

Auch Schlü­ter­mann er­kennt Un­ge­reimt­hei­ten. „Er hat durch sein merk­wür­di­ges Ver­hal­ten ent­schei­dend zur Sto­ry bei­ge­tra­gen“, sagt er. Aber er ha­be glaub­haft ver­si­chert, dass er kein Flücht­ling, son­dern Tou­rist sei. „Wir woll­ten dem Mann nur hel­fen.“Er ha­be ihm vor der Abrei­se den Kon­takt ver­mit­telt zum Ge­ne­ral­kon­su­lat in Frank­furt. „Ob er dort je an­ge­kom­men ist, wis­sen wir nicht.“(dpa)

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