Der Not­arzt schickt sie zum Un­ter­richt

Weil ihr Va­ter als Me­di­zi­ner sah, was im Was­ser al­les pas­sie­ren kann, be­ginnt Leo­nie Beck im Al­ter von vier Jah­ren mit dem Schwim­men. Jetzt ist sie bei Olym­pia

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 - VON PE­TER DE­I­NIN­GER

Rio de Ja­nei­ro Alex­an­der Beck sah als Not­arzt in Augs­burg, wie ver­häng­nis­voll es sein kann, wenn Kin­der nicht schwim­men kön­nen und er um ihr Le­ben kämp­fen muss­te. Des­halb war es für ihn stets klar, dass er sei­nen Nach­wuchs (zwei Bu­ben, ein Mäd­chen) sehr früh zum Un­ter­richt an­mel­den wird. Auch weil es bei den Groß­el­tern im Gar­ten ei­nen Pool gab. „Kin­der soll­ten spä­tes­tens wenn sie ein­ge­schult wer­den schwim­men kön­nen“, so sein Plä­doy­er.

Leo­nie Beck sprang be­reits im Al­ter von vier Jah­ren ins Be­cken und be­stritt bald die ers­ten Wett­kämp­fe für das Schwimm­team Neu­säß. In­zwi­schen ist sie 19 und er­lebt in Rio de Ja­nei­ro ih­re ers­ten Olym­pi­schen Spie­le – als ei­ne der Vor­zei­ge­schwim­me­rin­nen des SV Würz­burg 05. Ih­re Spe­zi­al­dis­zi­plin: 800 Me­ter.

2007 zog die Fa­mi­lie nach Fran­ken, weil Alex­an­der Beck im Ju­li­us­spi­tal ei­ne Stel­le als Chef­arzt für Or­tho­pä­die und Un­fall­chir­ur­gie be­kam. Leo­nie fand als Schwim­me­rin her­vor­ra­gen­de Be­din­gun­gen vor und ern­tet nun den Lohn für die stun­den­lan­ge Pla­cke­rei. Die Stu­den­tin der Me­di­en­kom­mu­ni­ka­ti­on bringt es auf bis zu 3000 Ki­lo­me­ter pro Jahr im Be­cken.

Bis zu sechs St­un­den pro Tag sind nur in ei­ner in­tak­ten Trai­nings­grup­pe mög­lich. Ste­fan Lurz, Bru­der des ehe­ma­li­gen Langstre­cken­welt­meis­ters, lei­tet sie. „Da ist man nicht al­lei­ne, wenn man ein­mal ei­nen Durch­hän­ger hat“, er­klärt Leo­nie Beck. Sie hat ei­ni­ge schwä­che­re Pha­sen hin­ter sich, so­gar der Ab­schied vom Leis­tungs­sport stand zur De­bat­te. „Das ist al­les Kopf­sa­che“, sagt sie.

Aber lan­ge Ge­sprä­che mit dem Trai­ner hal­fen da­bei, das Tief zu über­win­den und sich für die Spie­le in Rio zu qua­li­fi­zie­ren. Am Don­ners­tag ste­hen die Vor­läu­fe auf dem Pro­gramm. „Ich schaue ein­fach, was raus­kommt“, sagt sie. Be­son­ders schön wä­re es, wenn sie ei­ne per­sön­li­che Best­zeit (bis­lang 8:27, 37 Mi­nu­ten) schwimmt. Aber selbst das könn­te an­ge­sichts der star­ken Kon­kur­renz um den US-Star Ka­tie Le­de­cky nicht für den Ein­zug ins Fi­na­le rei­chen. „Rio ist für mich das Sah­ne­häub­chen der Sai­son. Ich ge­he da ganz ent­spannt hin und ge­nie­ße das.“

Auch ihr Va­ter hält nichts da­von, die Toch­ter un­ter Druck zu set­zen. „Es macht über­haupt kei­nen Sinn, die Er­war­tun­gen hoch­zu­schrau­ben. Bei ih­ren ers­ten Spie­len wird sie auch mit der Ner­vo­si­tät zu kämp­fen ha­ben.“

Die Langstreck­le­rin war bis zum Wo­che­n­en­de noch im Tria­nings­la­ger in Flo­ri­anó­po­lis, wo sie sich wie ih­re Kol­le­gen auf die un­ge­wöhn­li­chen Wett­kampf­zei­ten in Rio (Ent­schei­dun­gen um 22 Uhr Orts­zeit) vor­be­rei­te­te. Das Er­leb­nis der Er­öff­nungs­fei­er konn­te sie des­halb nicht ge­nie­ßen. Aber vi­el­leicht klappt es ja 2020 in To­kio.

Fo­to: dpa

Ver­dien­ter Lohn für stun­den­lan­ge Pla­cke­rei im Be­cken: Leo­nie Beck aus Würz­burg star­tet bei den Schwimm-Wett­be­wer­ben über 800 Me­ter.

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