Usain tanzt in der gro­ßen Bolt-Show

Der schnells­te Mann der Welt zeigt sich beim Auf­tritt mit 14 bra­si­lia­ni­schen Sam­ba-Tän­ze­rin­nen leicht­fü­ßig wie auf der Bahn. Der Ja­mai­ker glänzt auch als En­ter­tai­ner

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 - VON LARS MÜL­LER-AP­PEN­ZEL­LER

Rio de Ja­nei­ro Für ei­nen Künst­ler gibt es in ganz Süd­ame­ri­ka kei­ne grö­ße­re Büh­ne: Das Thea­ter im Kul­tur­zen­trum Ci­da­de das Ar­tes (Stadt der Küns­te) in Rio de Ja­nei­ro gilt mit sei­nen 1780 Plät­zen als das größ­te von Feu­er­land bis zum Pa­na­ma-Ka­nal – und ist da­mit ge­ra­de recht für En­ter­tai­ner und Sprin­tSu­per­star Usain Bolt. Of­fi­zi­ell hat­te das Ja­mai­ka­ni­sche Olym­pi­sche Ko­mi­tee zu ei­ner Pres­se­kon­fe­renz ge­la­den. Doch der ehe­ma­li­ge bri­ti­sche Drei­sprin­ger Jo­na­than Ed­wards, der sich für die Mo­de­ra­ti­on der Ver­an­stal­tung hat­te kau­fen las­sen, sprach völ­lig zu Recht von ei­ner „Show“– der Usain-Bolt-Show. „Die li­ve in Ja­mai­ka über­tra­gen wird.“Mehr als 60 Ka­me­ras und ei­ni­ge hun­dert Jour­na­lis­ten wa­ren auf der Büh­ne in Po­si­ti­on – und war­te­ten auf den mehr als ei­ne St­un­de ver­spä­te­ten Meis­ter. Soll­te der schnells­te Mann der Welt tat­säch­lich im Stau ste­hen? Ist die Ver­spä­tung ei­nes Man­nes, der es ge­wohnt ist, im­mer der Ers­te zu sein, ein schlech­tes Omen für sei­nen Plan? Am Zu­cker­hut will er sein sü­ßes Triple-Triple fei­ern, näm­lich den drit­ten olym­pi­schen Gold-Hattrick über 100 Me­ter, 200 Me­ter und 4 x 100 Me­ter in Se­rie.

Es war erst ein­mal ein Wer­beB­lock vor­ge­schal­tet. Ein Vi­deo zeig­te fan­tas­ti­sche Zah­len, dass Sport­ler aus dem ka­ri­bi­schen 2,7-Mil­lio­nen­Staat bis­her 67 olym­pi­sche Me­dail­len ge­holt ha­ben – ei­ne im Rad­sport, 66 in der Leicht­ath­le­tik. Der auch schon 50 Jah­re al­te Drei­sprung­welt­re­kord­hal­ter Ed­wards frag­te Mi­ke Fen­nell, den Prä­si­den­ten des Ja­mai­ka­ni­schen Olym­pi­schen Ko­mi­tees, war­um Ja­mai­kas Leicht­ath­le­ten so schwer er­folg­reich sind.

Fen­nell führ­te Ta­lent, die Struk­tu­ren, die Mög­lich­kei­ten zur Or­ga­ni­sa­ti­on und ex­zel­len­te Trai­ner als Ar­gu­men­te auf. Kein Wort na­tür­lich von sei­ner Sei­te zum The­ma Do­ping. Doch al­lein sie­ben im Jahr 2013 hops­ge­gan­ge­ne Ath­le­ten, das ist ja nicht nichts. Da­zu kommt die nur we­ni­ge Wo­chen al­te Mel­dung des In­ter­na­tio­na­len Olym­pi­schen Ko­mi­tees, dass bei Nach­tests der Spie­le 2008 in Pe­king 32 po­si­ti­ve Pro­ben ent­deckt wor­den sind. Of­fen­bar war ein Me­dail­len­ge­win­ner aus Ja­mai­ka da­mals ge­dopt. Das be­rich­te­ten ja­mai­ka­ni­sche Me­di­en über­ein­stim­mend. Usain Bolt ha­be kei­ne Angst, dass es bei ihm ne­ga­ti­ve Schlag­zei­len we­gen ei­nes po­si­ti­ven Falls ge­ben kön­ne, sag­te der 29-Jäh­ri­ge we­nig spä­ter auf die Fra­ge, ob er glau­be, dass die 100 Me­ter do­ping­frei sei­en. Aber er sag­te auch: „Im Le­ben ist nichts ga­ran­tiert. Die Leicht­ath­le­tik ist auf dem rich­ti­gen Weg, es geht in die rich­ti­ge Rich­tung, un­ser Sport wird sau­be­rer.“Der Aus­nah­me­kön­ner hat Rou­ti­ne im Um­gang mit Fra­gen zum The­ma Do­ping, ver­lor bei der Be­ant­wor­tung we­der Glanz noch Ele­ganz. So ist das bei En­ter­tai­nern.

Er plau­der­te gut ge­launt, er­zähl­te, dass er in Rio mal eben ei­nen Fern­se­her ge­kauft ha­be. Sie hat­ten kei­nen in ih­rer Woh­nung im olym­pi­schen Dorf, sie brauch­ten aber ei­nen. Ih­nen sei ge­sagt wor­den, dass sie bald ei­nen be­kä­men.

Nach zwei Ta­gen War­ten ist Usain Bolt dann eben los­ge­ti­gert. Der ja­mai­ka­ni­sche Volks­held mit der gol­de­nen Uhr ist ein­fach ein Mann der Tat. Aber bald ha­ben die Ta­ten auf der Tart­an­bahn ein En­de: „Ja, es ist si­cher, dass das mei­ne letz­ten Spie­le sind.“

Eif­rig wur­de von den Jour­na­lis­ten ge­wun­ken und ge­streckt, um von Jo­na­than Ed­wards das Recht für die nächs­te Fra­ge zu be­kom­men. Un­ter an­de­rem ge­wann ein hy­per­ak­ti­ver Nor­we­ger. Der stand auf und sag­te: „Ich ha­be gar kei­ne Fra­ge. Ich woll­te nur sa­gen…“Und dann rapp­te er sein Lied von Usain Bolt. Fas­sungs­lo­sig­keit traf Ge­läch­ter. Der Show­mas­ter wünsch­te ei­ne Wie­der­ho­lung, um sie mit sei­nem Smart­pho­ne fil­men zu kön­nen. So ge­schah es. „Ich bin in ers­ter Li­nie Sprin­ter, aber auch En­ter­tai­ner“, sag­te der sechs­ma­li­ge Olym­pia­sie­ger und elf­fa­che Welt­meis­ter.

Und dann wur­de er mit gro­ßem Tam­tam von der Büh­ne ge­holt: Ei­ne Sam­ba­grup­pe um­tanz­te ihn erst, dann führ­ten ihn zwei Schön­hei­ten ab.

Gro­ße Büh­ne, gro­ßer Auf­tritt.

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