Al­le ge­gen Do­ping­sün­de­rin Je­fi­mo­wa

Es war ein emo­tio­na­ler Hö­he­punkt die­ser Spie­le: Fast die ge­sam­te Hal­le hofft, dass ei­ne Schwim­me­rin nicht Olym­pia­sie­ge­rin wird. Phelps fin­det harte Wor­te

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Ja­nei­ro Das de­mons­tra­ti­ve Dau­er­lä­cheln lös­te sich in Trä­nen auf. Die Schwimm-Welt zeig­te Ju­li­ja Je­fi­mo­wa ih­re ge­sam­mel­te Ab­leh­nung. Die Kon­kur­renz schnitt die rus­si­sche Do­ping­sün­de­rin so gut es ging, das Pu­bli­kum emp­fing Je­fi­mo­wa vor dem Olym­pia-Ren­nen über 100 Me­ter Brust am Mon­tag­abend mit Pfif­fen und Buh­ru­fen. Ju­li­ja Je­fi­mo­wa hat zu ih­rem Ruf als Bad Girl und Ge­sicht des Do­pings durch ei­ge­nes Ver­hal­ten bei­ge­tra­gen. Die ein­hel­li­ge Mei­nung, gar Furcht lau­te­te: Ei­ne Olym­pia­sie­ge­rin Ju­li­ja Je­fi­mo­wa wür­de dem oh­ne­hin schon ram­po­nier­ten Sport­image der Spie­le von Rio de Ja­nei­ro wei­te­ren Scha­den zu­fü­gen.

Als die 19-jäh­ri­ge Ame­ri­ka­ne­rin Lil­ly King und nicht Je­fi­mo­wa als Ers­te an­schlug, war der Ju­bel auch im Vor­be­rei­tungs­raum auf die fol­gen­den Ren­nen groß, be­rich­te­te die Deut­sche Alex­an­dra Wenk. King fei­er­te im Was­ser den Sieg mit ih­rer Team­kol­le­gin und igno­rier­te Je­fi­mo­wa auf der Bahn ne­ben ihr. Kei­ner gra­tu­lier­te der Welt­meis­te­rin über die dop­pel­te Dis­tanz zu Olym­pia-Sil­ber. Die ers­te mensch­li­che Wär­me in der olym­pi­schen Schwimm­hal­le er­hielt die dann wei­nen­de Je­fi­mo­wa in den Ar­men ei­nes rus­si­schen TV-Re­por­ters.

Nach­dem sie tap­fer al­len TV-Sta­tio­nen Re­de und Ant­wort ge­stan­den hat­te, ver­goss sie in der In­ter­view­zo­ne bei der Ehe­frau ih­res Ma­na­gers wei­te­re Trä­nen. „Ver­su­chen Sie, mich zu ver­ste­hen und sich in mei­ne Rol­le hin­ein­zu­ver­set­zen“, ap­pel­lier­te sie mit dün­ner Stim­me an die Welt­pres­se. Es ge­be auch sau­be­re Ath­le­ten in Russ­land, sie selbst trai­nie­re seit vier Jah­ren in den USA, ent­geg­ne­te sie Fra­gen nach rus­si­schem Staats­do­ping.

Bei Olym­pia­sie­ge­rin King durf­te sie auf kein gro­ßes Mit­ge­fühl hof­fen. „Ich bin stolz, sau­ber zu schwim­men“, sag­te sie. Auf die Fra­ge, war­um sie Je­fi­mo­wa nicht gra­tu­liert hat­te, ant­wor­te­te King kühl: „Wenn ich an ih­rer Stel­le ge­we­sen wä­re, wür­de ich dar­auf kei­nen gro­ßen Wert le­gen, wenn je­mand nicht in den höchs­ten Tö­nen von mir spricht.“

Auch Re­kord-Olym­pio­ni­ke Micha­el Phelps po­si­tio­nier­te sich ein­deu­tig ge­gen Je­fi­mo­wa, die sich nach ei­ner Do­ping-Sper­re ihr Start­recht kurz vor den Spie­len ein­ge­klagt hat­te. Es kön­ne nicht sein, dass nach meh­re­ren po­si­ti­ven Do­ping­tests Ath­le­ten wie­der an Wett­kämp­fen teil­neh­men dürf­ten. „Das ist ge­gen al­le Wer­te des Sports und das kotzt mich an“, sag­te Phelps: „Das bricht mir das Herz.“

Je­fi­mo­wa hat­te ih­re mil­de Sper­re, die ihr den Start 2015 bei der HeimWM in Ka­san er­mög­lich­te, mit ei­nem Straf­zet­tel im Stra­ßen­ver­kehr ver­gli­chen. Für den deut­schen Chef­bun­des­trai­ner Hen­ning Lam­bertz ist das Do­ping­pro­blem im Schwimm­sport nicht nur an Russ­land fest­zu­ma­chen. Auf­fal­len­de Leis­tungs­sprün­ge ge­be es auch bei an­de­ren Na­tio­nen. „Dann ist das zu­min­dest so, dass uns das erst mal ein biss­chen ein Fra­ge­zei­chen ins Ge­sicht zau­bert. Die Sprün­ge hät­ten wir auch al­le ger­ne“, sag­te Lam­bertz.

Nach­sich­ti­ger als Je­fi­mo­wa wur­de zu­min­dest am Mon­tag Olym­pia­sie­ger Sun Yang be­han­delt. Der Chi­ne­se kam vor den Spie­len ähn­lich wie Je­fi­mo­wa mit ei­ner glimpf­li­chen Sper­re da­von. Bei der Sie­ger­eh­rung um­arm­ten ihn sei­ne Kon­tra­hen­ten, Pfif­fe wa­ren kaum zu hö­ren. „Es ist nicht der Ath­let, der schuld ist, son­dern das Sys­tem, das schuld ist“, sag­te Paul Bie­der­mann und sieht auch den Welt­ver­band Fi­na in der Pflicht.

Fo­to: Patrick B. Kra­e­mer, dpa

Stolz zeigt Ju­li­ja Je­fi­mo­wa ih­re Sil­ber­me­dail­le, aber die Kon­kur­ren­tin­nen igno­rier­ten die Rus­sin.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.