Der teu­ers­te Spie­ler der Welt

Paul Pog­ba ist 23 Jah­re alt und fran­zö­si­scher Na­tio­nal­spie­ler. War­um sein Ex-Ver­ein be­reit ist, für ihn ei­ne Re­kor­d­ab­lö­se von bis zu 110 Mil­lio­nen Eu­ro zu zah­len

Friedberger Allgemeine - - Sport - VON SE­BAS­TI­AN KAPP

Augs­burg Die Schall­mau­er ist durch­bro­chen: Mit Paul Pog­ba wech­selt erst­mals – of­fi­zi­ell – ein Spie­ler für über 100 Mil­lio­nen Eu­ro Ab­lö­se den Ver­ein. Ge­nau­er ge­sagt sind es 105 Mil­lio­nen plus fünf Mil­lio­nen Eu­ro Er­folgs­prä­mie, die Man­ches­ter Uni­ted an Ju­ven­tus Tu­rin zahlt. Für fünf Jah­re un­ter­schrieb Pog­ba. Zum Ver­gleich: Der Bei­na­he–Eu­ro­pa-Le­ague-Teil­neh­mer Her­tha BSC Ber­lin plant in die­ser Sai­son mit ei­nem Etat von 102 Mil­lio­nen Eu­ro – und das ist Ver­eins­re­kord für den Bun­des­li­ga-Sieb­ten.

Beim Pre­mier-Le­ague-Fünf­ten aus Man­ches­ter hat man das Geld, auch wenn man sich da­mit ei­ne Bla­ma­ge ein­ge­ste­hen muss. Denn der 23-jäh­ri­ge Vi­ze-Eu­ro­pa­meis­ter war be­reits 2009 mit 16 Jah­ren von Le Hav­re nach Old Traf­ford ge­wech­selt, wenn­gleich weit­aus güns­ti­ger als heu­te. Auf drei Pro­fi-Ein­sät­ze brach­te es Pog­ba, bis er mit 19 Jah­ren die In­sel in Rich­tung Tu­rin wie­der ver­ließ. Ab­lö­se­frei.

Die­ses Miss­ma­nage­ment kann man Man­ches­ter Uni­ted al­ler­dings nur be­dingt vor­wer­fen. Denn Pog­ba wech­sel­te ge­gen den Wil­len des da­ma­li­gen Uni­ted-Trai­ners Alex Fer­gu­son nach Ita­li­en. Auch sein Ab­gang aus Le Hav­re hat­te Pog­ba Kri­tik ein­ge­bracht, ha­be es doch ei­ne Ab­spra­che mit den El­tern ge­ge­ben, den Spie­ler nicht zu früh zu entwur- zeln. Zu­min­dest Ju­ven­tus Tu­rin wer­den die Ab­lö­se­be­din­gun­gen nun recht sein.

Ist das Geld we­nigs­tens gut an­ge­legt? Dar­um strei­ten sich die Geis­ter. Sei­ne acht Sai­son­to­re und 13 Vor­la­gen sind für ei­nen zen­tra­len Mit­tel­feld­spie­ler zwar gut, aber ist das mehr wert als Cris­tia­no Ro­nal­do, den Uni­ted 2009 für 94 Mil­lio­nen Eu­ro zu Re­al Ma­drid zie­hen ließ? Oder Ga­reth Ba­le, der 2013 für ei­nen ähn­li­chen Be­trag von Tot­ten­ham zu den Kö­nig­li­chen stieß?

Pog­bas neu­er Trai­ner Jo­sé Mour­in­ho nann­te den Trans­fer­markt zwar „ver­rückt“, ver­tei­dig­te den­noch den Wech­sel. „Paul ist ei­ner der bes­ten Spie­ler der Welt und ei­ner der Schlüs­sel­fi­gu­ren des zu­künf­ti­gen Uni­ted-Teams“, sag­te er. „Es ist ein Grund stolz zu sein, dass ein Klub so et­was kann und für ei­nen Spie­ler sol­cher Di­men­si­on at­trak­tiv ist.“Und auch Pog­ba sag­te, es sei „der rich­ti­ge Mo­ment, um nach Old Traf­ford zu­rück­zu­keh­ren“.

Paul Pog­ba träumt da­von, ei­nes Ta­ges Welt­fuß­bal­ler zu wer­den. Die­ses Ziel ließ er in di­ver­sen In­ter­views durch­bli­cken. Ei­ne Le­gen­de wol­le der Mann wer­den. „Vi­el­leicht wer­den mir die Leu­te sa­gen, dass ich ver­rückt bin, aber ich mag es, ver­rück­te Din­ge zu tun“, sag­te Pog­ba ein­mal, der ger­ne auf­fällt. Er hat ei­nen gol­de­nen Ruck­sack, zur EM ließ er sich ei­nen gal­li­schen Hahn in die Haa­re fär­ben.

Das Po­ten­zi­al zum Welt­fuß­bal­ler hat Pog­ba. Trotz sei­ner 1,91 Me­ter Grö­ße ist er drib­bel­stark, be­wegt sich ele­gant durch die geg­ne­ri­schen Ab­wehr­rei­hen, tanzt eher mit dem Ball als dass er ihn tritt. Er ist beid­fü­ßig, hat ei­nen har­ten Schuss, ist kopf­ball­stark – die An­sät­ze pas­sen. Ju­ves Tor­wart Gi­an­lu­i­gi Buf­fon sag­te im ita­lie­ni­schen Fern­se­hen über sei­nen Team­kol­le­gen: „Schon nach we­ni­gen Trai­nings ge­rie­ten wir ins Schwär­men um die Qua­li­tä­ten von Paul. Wir frag­ten uns: Sind die blind in Man­ches­ter?“

Doch die gro­ßen Ti­tel blie­ben bis­her aus. Mit Frank­reich wur­de er zwar Vi­ze-Eu­ro­pa­meis­ter. Doch bei den „Bleus“über­zeug­ten eher An­toi­ne Griez­mann und Dmitry Pay­et als Su­per­star Pog­ba. Nur ein Tor ist ihm ge­lun­gen, beim 5:2 im Vier­tel­fi­na­le ge­gen Is­land. Der ehe­ma­li­ge eng­li­sche Na­tio­nal­spie­ler Rob­bie Fow­ler nann­te Pog­ba im

„über­be­wer­tet“. Er sei „ta­len­tiert, aber ego­is­tisch“und sei den Be­weis sei­ner Klas­se in­ter­na­tio­nal noch schul­dig. Ra­mon Cal­de­ron, der als da­ma­li­ger Prä­si­dent Cris­tia­no Ro­nal­do zu Re­al Ma­drid hol­te, er­klär­te: „Die Leu­te dach­ten da­mals, ich wä­re ver­rückt. Aber Cris­tia­no war schon Welt­fuß­bal­ler ge­wor­den. Pog­ba muss sich erst noch be­wei­sen.“Zu­min­dest wird Pog­ba auf der In­sel ei­ne an­de­re Aus­gangs­la­ge vor­fin­den als noch 2012, als er Man­ches­ter ver­ließ. Da­mals war er ein Ju­gend­spie­ler mit Po­ten­zi­al und dem Recht, Feh­ler ma­chen zu dür­fen. Doch nach der ent­täu­schen­den Sai­son, als Man­ches­ter Uni­ted nur Fünf­ter wur­de, drängt der Klub nun mit Macht in die Cham­pi­ons Le­ague – der Kö­nigs­trans­fer muss ein­schla­gen.

Fo­to: Ales­san­dro Di Mar­co, dpa

Ar­ri­ve­der­ci Ita­lia: Paul Pog­ba kehrt an sei­ne al­te Wir­kungs­stät­te zu­rück. Man­ches­ter Uni­ted ist der Fran­zo­se bis zu 110 Mil­lio­nen Eu­ro wert. Da­mit hat er Ga­reth Ba­le und Cris­tia­no Ro­nal­do als teu­ers­te Trans­fers der Welt ab­ge­löst.

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