Ein Meis­ter der mu­si­ka­li­schen Wir­kung

Das Fest­kon­zert in St. An­na war für die Zu­hö­rer ein rei­ner Hör­ge­nuss

Friedberger Allgemeine - - Feuilleton Regional - VON STE­PHA­NIE KNAU­ER

Zum Frie­dens­fest ent­warf Kir­chen­mu­sik­di­rek­tor Micha­el Non­nen­ma­cher in sei­nem Fest­kon­zert ein mu­si­ka­li­sches Por­trät: Im Vor­jahr des Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­ums wur­de in der Lu­ther­kir­che St. An­na pas­sen­der­wei­se Jo­hann Se­bas­ti­an Bach ge­hul­digt. Das Pro­gramm schöpf­te aus dem Vol­len mit So­lis­ten, Orches­ter und Chor, mit den zwei be­kann­tes­ten Orches­ter­sui­ten Bachs und der gran­dio­sen Mo­tet­te „Sin­get dem Herrn“, die für den Ma­d­ri­gal­chor bei St. An­na zum Tri­umph wur­de.

Die Wer­ke zeig­ten Bach als ei­nen Meis­ter mu­si­ka­li­scher Wir­kung; gleich­zei­tig ver­lang­ten sie Enor­mes vom Chor, der in­to­na­to­risch nur leicht durch ein spar­sam be­setz­tes Bas­so-Con­ti­nuo-En­sem­ble ge­stützt wur­de. Wä­re, wie Mo­zart ge­schrie­ben, „ein gan­zes Orches­t­re“da­zu ge­setzt, wür­de die ge­wal­ti­ge Wir­kung des Chor­sat­zes – licht und dicht – vi­el­leicht über­deckt.

Nach kur­zem Auf­wär­men an­fangs be­zau­ber­te Micha­el Non­nen­ma­cher in der Ou­ver­tu­re der Sui­te BWV 1068, die ih­rer Ton­art D-Dur ge­mäß mit punk­tier­tem Pomp be­gann, mit ly­ri­scher Ge­wich­tung. Der Di­ri­gent hat­te von je­dem der Sät­ze hör­bar ei­ne Vor­stel­lung, gab ih­nen ein in­di­vi­du­el­les Pro­fil, for­mu­lier­te rhe­to­risch aus, phra­sier­te stim­mig sorg­fäl­tig und schlug wei­te Bö­gen, vom An­fangs­bis zum Schluss­ton.

Nach die­sem Ein­stand folg­te das über­ir­disch Schö­ne. Be­rühmt ist auch die Ba­di­ne­rie der Orches­ter­sui­te BWV 1067: Ob­wohl ih­re Ton­art h-Moll in der da­ma­li­gen Ton­ar­ten­cha­rak­te­ris­tik als „schwarz“und me­lan­cho­lisch galt, brach­te Bach Licht in die Schwer­mut.

Flö­tist Ul­rich Mey­er, der sei­nen Part aus­wen­dig spiel­te und mit sam­te­nem Ton und per­len­den Ton­ket­ten bril­lier­te, ge­lang zu­sam­men mit der klang­schön und durch­sich­tig spie­len­den Ca­pel­la St. An­na ei­ne sehr ge­lun­ge­ne Auf­füh­rung der oft zu hö­ren­den Orches­ter­sui­te: stil­ge­recht und aus­sa­ge­kräf­tig. Dass die ab­schlie­ßen­de Kan­ta­te „Glo­ria in ex­cel­sis“zum 1. Weih­nachts­tag kom­po­niert wur­de, moch­te vi­el­leicht er­stau­nen. Doch in ih­rem Text bat sie um Frie­den auf Er­den – ein pas­sen­der In­halt zum Frie­dens­fest.

Da­bei hat­te Bach die Mu­sik par­odiert, al­so be­reits Vor­han­de­nes auf­ge­ar­bei­tet. Er ver­wen­de­te sie auch spä­ter wie­der in sei­ner h-Moll-Mes­se. Zwi­schen den ty­pi­schen fest­li­chen Chö­ren war hier ein kur­zes ar­ka­di­sches Du­ett für So­pran und Te­nor ein­ge­legt, mit lieb­li­cher Holz­blä­ser­be­glei­tung im in­ni­gen sot­to vo­ce ge­hal­ten. Es wur­de von Su­san­ne Si­men­ec und Ga­bor Molnár trotz ih­rer lan­gen War­te­zeit bis zum Ein­satz stimm­schön sou­ve­rän ge­sun­gen. Für die Aus­füh­ren­den wa­ren die­se vier ge­halt­vol­len Bach-Wer­ke ei­ne enor­me, aber sehr wohl ge­glück­te Her­aus­for­de­rung, für das zahl­rei­che Pu­bli­kum, das von Mal zu Mal mehr ap­plau­dier­te, war die­ses Fest­kon­zert ein rei­ner Hör­ge­nuss.

Fo­to: Brit­ta Pe­der­sen, dpa

Ein Meis­ter der mu­si­ka­li­schen Wir­kung: Jo­hann Se­bas­ti­an Bach, hier auf ei­nem Ge­mäl­de aus dem Be­sitz sei­nes Soh­nes Carl Philipp Ema­nu­el.

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