Ober­bür­ger­meis­ter will neu­es Ele­fan­ten­haus

Kurt Gribl dringt auf ei­ne Ent­schei­dung des Stadt­rats für den Neu­bau. Ei­ni­ge Par­tei­en ha­ben je­doch Be­den­ken ge­gen das Mil­lio­nen­pro­jekt

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON EVA MA­RIA KNAB

Ver­gan­ge­ne Wo­che rief Zoo­di­rek­to­rin Bar­ba­ra Jantsch­ke öf­fent­lich um Hil­fe. Der Grund: Augs­burgs Zoo braucht drin­gend ein neu­es Ele­fan­ten­haus für ge­schätzt sechs Mil­lio­nen Eu­ro. Nun macht Ober­bür­ger­meis­ter Kurt Gribl (CSU) den Neu­bau zur Chefsache. Er dringt auf ei­ne „eben­so gründ­li­che wie be­herz­te Ent­schei­dung“des Stadt­rats für den Zoo.

Die Aus­gangs­la­ge ist schwie­rig. Der Zoo muss das ver­al­te­te und nicht mehr art­ge­rech­te Ge­he­ge drin­gend mo­der­ni­sie­ren. Nur dann kön­nen auch in Zu­kunft Ele­fan­ten in Augs­burg ge­hal­ten wer­den. Seit kur­zem steht fest, dass es mit der er­hoff­ten För­de­rung durch die Eu­ro­päi­sche Uni­on für das Pro­jekt nichts wird. Al­lein aus ei­ge­nen Mit­teln kann sich der städ­ti­sche Zoo die An­la­ge aber nicht leis­ten.

Nach un­se­rer Be­richt­er­stat­tung ha­ben sich vie­le be­sorg­te Tier­freun­de zu Wort ge­mel­det, die um die Exis­tenz des Zoos fürch­ten. Das ver­an­lasst nun auch den Ober­bür­ger­meis­ter, sich in die Dis­kus­si­on ein­zu­schal­ten. „Selbst­ver­ständ­lich ge­hört der Zoo zur Augs­bur­ger Stadt­kul­tur, und zwar eben­so wie das Thea­ter“, teil­te er mit. Ein­zel­ne Pro­jek­te dürf­ten aber nicht ge­gen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den. Be- kannt­lich muss das Thea­ter für ei­nen drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag ge­ne­ral­sa­niert wer­den.

Gribl ist auch Ver­wal­tungs­rats­vor­sit­zen­der der städ­ti­schen Zoo Gm­bH. In die­ser Funk­ti­on sei er seit ge­rau­mer Zeit mit dem The­ma be­fasst und ha­be dar­auf hin­ge­wirkt, das vom Zoo al­lei­ne nicht zu stem­men­de Fi­nan­zie­rungs­the­ma in den Stadt­rat zu brin­gen, teil­te der OB mit. Auch der für den Zoo zu­stän­di­ge Re­fe­rent Rei­ner Er­ben (Grü­ne) ha­be sich so­fort ein­ge­schal­tet, nach­dem die Pro­ble­me mit der EU-För­de­rung be­kannt wur­den. „Wir ha­ben um­ge­hend ge­mein­sam mit Bür­ger­meis­te­rin und Fi­nanz­re­fe­ren­tin Eva We­ber an ei­nem rea­lis­ti­schen Lö­sungs­an­satz ge­ar­bei­tet“, so Er­ben.

Vor­be­halt­lich der Zu­stim­mung des Stadt­rats ist laut Er­ben fol­gen­de Fi­nan­zie­rung für den Neu­bau des Ele­fan­ten­hau­ses ge­plant: Dem­nach soll der Zoo 500 000 Eu­ro Ei­gen­mit­tel auf­brin­gen. Wei­te­re 1,5 Mil­lio­nen Eu­ro sol­len durch Spen­den und Spon­so­ring, auch über den Freun­des­kreis des Augs­bur­ger Zoos, flie­ßen. Wei­ter­hin könn­te der Zoo für zwei Mil­lio­nen Eu­ro zu ak­tu­ell güns­ti­gen Kon­di­tio­nen bei Zins und Til­gung ein Dar­le­hen auf­neh­men. Von der Stadt müss­te noch ein Son­der­zu­schuss oder ei­ne Fi­nan­zie­rungs­hil­fe für die rest­li­chen zwei Mil­lio­nen Eu­ro bei­ge­steu­ert wer­den, und zwar zu­sätz­lich zum städ­ti­schen Be­triebs­kos­ten­zu­schuss von rund ei­ner Mil­li­on Eu­ro pro Jahr.

In den Par­tei­en wird der Neu­bau des Ele­fan­ten­hau­ses teil­wei­se kon­tro­vers dis­ku­tiert. Aus Sicht von SPD-Frak­ti­ons­che­fin Mar­ga­re­te Hein­rich wä­re es ei­ne „Ka­ta­stro­phe“, wenn der Zoo kei­ne Ele­fan­ten mehr zei­gen könn­te. Oh­ne die­se Groß­tie­re wer­de ei­ner der gro­ßen Augs­bur­ger Be­su­cher­ma­gne­ten an At­trak­ti­vi­tät ver­lie­ren. Hein­rich will, dass die neue Ele­fan­ten­an­la­ge schnellst­mög­lich im Ko­ali­ti­ons­aus­schuss be­spro­chen wird und kom­men­de Wo­che im Fe­ri­en­aus­schuss des Stadt­rats zur Spra­che kommt.

Ein gro­ßes Pro­blem ist die an­ge­spann­te städ­ti­sche Fi­nanz­la­ge. Die CSU-Frak­ti­on warnt des­halb da­vor, den Zoo ge­gen das Thea­ter aus­zu­spie­len. Die Frak­ti­ons­spit­ze sprach sich am Di­ens­tag aber auch da­für aus, dass der Zoo at­trak­tiv blei­ben muss. Aus Sicht von Frak­ti­ons­chef Bernd Kränz­le müs­sen al­ler­dings erst noch be­last­ba­re Fak­ten et­wa zu den Bau­kos­ten ge­sam­melt wer­den, be­vor über die Zu­kunft des Ele­fan­ten­hau­ses ent­schie­den wer­den kann. Re­fe­rent Er­ben soll die er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen den städ­ti­schen Gre­mi­en vor­le­gen. Staats­se­kre­tär Jo­han­nes Hin­ters­ber­ger (CSU) wer­de dar­über hin­aus auf Lan­des­ebe­ne prü­fen las­sen, ob Gel­der be­reit­ge­stellt wer­den kön­nen.

Bei den Grü­nen hält man die Exis­tenz des Zoos oh­ne Ele­fan­ten für nicht ge­fähr­det. Frak­ti­ons­che­fin Mar­ti­na Wild plä­diert für ei­ne Denk­pau­se, um ein in­halt­li­ches und fi­nan­zi­el­les Zu­kunfts­kon­zept zu ent­wi­ckeln. Das könn­ten we­ni­ger Tie­re sein wie beim Zoo Leip­zig, der be­wuss­te Ver­zicht auf be­stimm­te Tier­ar­ten wie in Frank­furt, Dort­mund und Nürn­berg oder ein Schwer­punkt wie beim Al­pen­zoo Inns­bruck. Über­le­gens­wert sei auch, Zoo und Bo­ta­ni­schen Gar­ten als ge­mein­sa­mes at­trak­ti­ves Frei­zeit­an­ge­bot zu ent­wi­ckeln.

Vol­ker Scha­fi­tel (Freie Wäh­ler) for­dert, die Auf­ga­ben der Zoos grund­sätz­lich neu zu de­fi­nie­ren. Steu­er­gel­der sei­en bes­ser für den Er­halt na­tür­li­cher Le­bens­räu­me von Wild­tie­ren an­ge­legt als für Zucht­pro­gram­me in Zoos für Tie­re, die nicht aus­ge­wil­dert wer­den kön­nen.

Fo­to: Sil­vio Wy­szen­grad

Die Ele­fan­ten­an­la­ge im Zoo muss drin­gend mo­der­ni­siert wer­den. Sie ent­spricht nicht mehr den Hal­tungs­an­for­de­run­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.