„In­tel­li­gen­te Am­peln“sol­len Stau ver­mei­den

Als Aus­gleich für das Tem­po­li­mit in der Haun­stet­ter Stra­ße will die Stadt die War­te­zei­ten an Kreu­zun­gen ver­kür­zen. An an­de­ren Stel­len funk­tio­niert das – doch das Sys­tem ist teu­er

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON STE­FAN KROG

Die Haun­stet­ter Stra­ße soll vor­aus­sicht­lich im kom­men­den Jahr als drit­te Augs­bur­ger Haupt­ver­kehrs­stra­ße mit so ge­nann­ten „In­tel­li­gen­ten Am­peln“aus­ge­stat­tet wer­den. Sol­che Am­pel­schal­tun­gen sol­len Staus re­du­zie­ren, in­dem sie ih­re Schalt­rhyth­men im­mer an die ak­tu­el­le Ver­kehrs­si­tua­ti­on an­pas­sen. Die­se Am­peln gibt es be­reits in der Bür­ger­meis­ter-Acker­mann-Stra­ße, der Fried­ber­ger Stra­ße und in der In­nen­stadt. Der Stadt­rat hat­te vor der Som­mer­pau­se Ver­bes­se­run­gen für den Au­to­ver­kehr in Haun­stet­ten als Aus­gleich für die Tem­po­re­du­zie­rung auf­grund von Lärm­schutz (Tem­po 50 statt 60) be­schlos­sen.

Ei­ne blo­ße Um­pro­gram­mie­rung der be­ste­hen­den Am­peln auf Tem­po 50 hät­te nicht funk­tio­niert, weil die Steue­rungs­tech­nik dort schon sehr in die Jah­re ge­kom­men ist, so die Stadt. Aus die­sem Grund müs­sen für 000 Eu­ro neue Am­peln samt Steue­rungs­tech­nik be­schafft wer­den. Ob das Pro­jekt kom­men­des Jahr um­ge­setzt wer­den kann, wird sich erst in den an­ste­hen­den Haus­halts­be­ra­tun­gen zei­gen.

Der Vor­teil der neu­en Am­peln: Nor­ma­le Si­gnal­an­la­gen sind so pro­gram­miert, dass sie im Ta­ges­ver­lauf stur zwi­schen ver­schie­de­nen Pro­gram­men hin- und her­schal­ten. Die neu­ar­ti­gen Am­pel­sys­te­me er­fas­sen da­ge­gen über zahl­rei­che Mess­punk­te im As­phalt den Ver­kehr be­reits auf den zu­füh­ren­den Stra­ßen und er­ken­nen die Zahl der Fahr­zeu­ge an Auf­stell­spu­ren vor ro­ten Am­peln. Ein zen­tra­ler Rech­ner wählt dann aus meh­re­ren Schalt­pro­gram­men das ge­eig­nets­te für die je­wei­li­ge Si­tua­ti­on aus.

Der Auf­wand ist groß: So­wohl in der Fried­ber­ger Stra­ße als auch in der In­nen­stadt (zwi­schen Ro­tem Tor und Thea­ter) sind je­weils rund 100 Mess­schlei­fen im Bo­den ver- die den Rech­ner mit Da­ten füt­tern. „An den Stra­ßen, wo wir die­se Sys­te­me be­nut­zen, ha­ben wir bis­her sehr gu­te Er­fah­run­gen ge­macht“, sagt Tief­bau­amts­lei­ter Jo­sef We­ber. Oh­ne Bau­stel­len und au­ßer­halb der Stoß­zei­ten sind bei­spiels­wei­se die sie­ben Am­peln auf der Bgm.-Acker­mann-Stra­ße in gut drei Mi­nu­ten pas­siert. Al­ler­dings sind auch die Bür­ger­meis­ter-Acker­mann-Stra­ße und die Fried­ber­ger Stra­ße nicht vor Stau an Kreu­zun­gen in den Stoß­zei­ten ge­feit. „Wenn zu viel Ver­kehr herrscht, dann ist auch die in­tel­li­gen­te Am­pel kein All­heil­mit­tel“, sagt We­ber.

Grü­ne Wel­len, wie sie sich Au­to­fah­rer wün­schen, sind tech­nisch oh­ne­hin schwie­rig. Es gibt vie­le Fak­to­ren, die da­zwi­schen­fun­ken: an­de­re kreu­zen­de Haupt­stra­ßen, Ab­bie­ge­spu­ren mit ei­ge­nen Am­pel­pha­sen und die Vor­rang­schal­tung für Stra­ßen­bah­nen und Bus­se. Und weil sich in den or­ga­nisch ge­wach­se­nen Stra650 ßen­sys­te­men in deut­schen Städ­ten Kreu­zun­gen kaum in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den zu­ein­an­der be­fin­den, son­dern mal 100, mal 500 Me­ter ent­fernt lie­gen, ist die Grü­ne Wel­le auf ei­ner Haupt­stra­ße in Rich­tun­gen gleich­zei­tig schwie­rig. Im­mer­hin kann man Am­peln dann so schal­ten, dass sie je nach Ta­ges­zeit in die Haupt­ver­kehrs­rich­tung (mor­gens in die Stadtmitte, abends zum Stadt­rand hin) Grün ge­ben.

Die Stadt hat vor Jah­ren ein­mal be­rech­net, was es kos­ten wür­de, al­le Haupt­ver­kehrs­stra­ßen mit in­tel­li­gen­ten Am­peln aus­zu­stat­ten. Da­mals war von fünf bis sechs Mil­lio­nen Eu­ro die Re­de. Die Idee schei­ter­te am städ­ti­schen Ei­gen­an­teil von et­wa 50 Pro­zent. Ver­bes­se­run­gen wä­ren vor al­lem im Be­reich der Do­nau­wör­ther Stra­ße mög­lich. Hier staut sich der Ver­kehr seit der Ver­schmä­le­rung durch die Stra­ßen­bahn­glei­se vor mehr als zehn Jah­ren, weil die Au­to­fah­rer die Aus­senkt, weich­rou­te über die B 17 schlech­ter an­neh­men als ge­dacht. Auch die Gög­gin­ger Stra­ße und die Klei­ne Ost­um­ge­hung – nach dem voll­stän­di­gen Aus­bau im Lech­hau­ser In­dus­trie­ge­biet – wä­ren Ein­satz­fel­der. Nach ei­ner ADAC-Stu­die sor­gen in­tel­li­gen­te Am­peln auch für we­ni­ger Luft­schad­stof­fe, weil sie den Ver­kehr im Fluss hal­ten.

An­ge­sichts der Fi­nanz­not der Stadt steht aber nicht in Aus­sicht, dass das Pro­jekt so schnell kommt, zu­mal der Förd­er­satz von 50 Pro­zent wohl nur dann zu ho­len wä­re, wenn die Stadt die Am­pel-Um­rüs­tung in ei­nem Pa­ket durch­zö­ge. Im­mer­hin: Mit zwei Mi­nu­ten Stau pro Tag (macht neun Pro­zent der durch­schnitt­li­chen Fahr­zeit) sind Pend­ler aus dem Um­land in Augs­burg im Ver­gleich zu an­de­ren deut­schen Städ­ten sehr gut be­dient, er­gab kürz­lich ei­ne Aus­wer­tung von Goog­le-Ver­kehrs­da­ten durch die Post­bank.

Fo­to: Sil­vio Wy­szen­grad

Die Stadt will die Am­peln an der Haun­stet­ter Stra­ße (links im Bild die Ein­mün­dung Rump­ler­stra­ße Hö­he Volks­sied­lung) um­rüs­ten. Sie sol­len den Ver­kehr flüs­si­ger hal­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.