Dies­mal ist wie­der ei­ne Frau dran

Im künf­ti­gen Bau­ge­biet in Hü­gels­hart wird an Schwes­ter Edel­frie­da er­in­nert

Friedberger Allgemeine - - Friedberg - VON THO­MAS GOSS­NER

Fried­berg Ei­ne Frau, ein Mann, ei­ne Frau, ein Mann: In Fried­berg sol­len Stra­ßen­na­men ab­wech­selnd nach Ge­schlecht ver­ge­ben wer­den. Dar­auf hat sich der Stadt­rat schon vor ei­ni­gen Jah­ren in ei­nem Grund­satz­be­schluss ge­ei­nigt, nach­dem lan­ge Zeit nur Hei­li­ge wie die Bis­tums­pa­tro­nin Afra oder die Wit­wen der Wit­tels­ba­cher Herr­scher wie Re­na­ta von Loth­rin­gen auf den Stra­ßen­schil­dern ver­tre­ten wa­ren. Auch wenn sich die Po­li­tik nicht im­mer so ganz an ih­re ei­ge­nen Vor­ga­ben hält und zu­letzt zwei Män­ner hin­ter­ein­an­der mit der Be­nen­nung ei­ner Stra­ße ge­ehrt wur­den – jetzt ist doch wie­der ein­mal ei­ne Frau an der Rei­he.

Im neu­en Bau­ge­biet von Hü­gels­hart gibt es künf­tig den „Schwes­ter-Edel­frie­da-Weg“. Als An­na Groll im Jahr 1915 in Hü­gels­hart ge­bo­ren, wur­de Schwes­ter Edel­frie­da schon bald nach dem Ein­tritt in den Or­den der Do­mi­ni­ka­ne­rin­nen in die da­ma­li­ge eng­li­sche Ko­lo­nie Rho­de­si­en (heu­te Zim­bab­we) ent­sandt. Zu­sam­men mit sechs Mit­schwes­tern soll­te sie hel­fen, Schu­len und Kin­der­gär­ten auf­zu­bau­en. Spä­ter war sie in der Haus­wirt­schaft für ver­schie­de­ne Mis­si­ons­sta­tio­nen und klös­ter­li­chen Ein­rich­tun­gen tä­tig. In ih­ren letz­ten Le­bens­jah­ren, schon et­was kränk­lich, be­schäf­tig­te sie sich mit dem Her­stel­len und Ver­zie­ren von Wachs­ker­zen, mit den Ein­nah­men aus de­ren Ver­kauf un­ter­stütz­te sie die Ar­men. Im Al­ter von 91 Jah­ren ver­starb sie am 4. Fe­bru­ar 2007 in Hara­re.

Der Kon­takt in ih­re Hei­mat ist aber nie ab­ge­ris­sen. Bei ih­ren Be­su­chen, aber auch in vie­len Brie­fen schil­der­te sie die Not in Afri­ka und rüt­tel­te auf. Die Pfar­rei Ott­ma­ring un­ter­stütz­te sie und ih­re Mit­schwes­tern dar­um durch viel­fäl­ti­ge Ak­tio­nen. Je­dem Spen­der be­rich­te­te sie brief­lich über die Ver­wen­dung sei­ner Ga­ben. Der Ott­ma­rin­ger Kir­chen­pfle­ger Her­mann Finkl war selbst mehr­fach bei Schwes­ter Edel­frie­da in Zim­bab­we. Aus der Pfar­rei her­aus kam nun auch der Vor­schlag, die Stra­ße im Neu­bau­ge­biet an der Gr­ei­ner­stra­ße nach ihr zu be­nen­nen. Die von der Ver­wal­tung als denk­ba­re Al­ter­na­ti­ven vor­ge­schla­ge­nen Na­men „Kla­ra-Schu­mann-Weg“oder „As­trid-Lind­gren-Weg“wur­den im Stadt­rat gar nicht erst dis­ku­tiert, die Mit­glie­der folg­ten ein­stim­mig dem Wunsch aus Hü­gels­hart. Bei der letz­ten Be­nen­nung war es noch zu kon­tro­ver­sen Dis­kus­sio­nen ge­kom­men. Nach der Mar­git-Bla­ha-Stra­ße in Fried­berg-Süd und der Karl-Mair-Stra­ße in Stätz­ling wä­re ei­gent­lich wie­der ei­ne Frau an der Rei­he ge­we­sen für die klei­ne Stra­ße im Neu­bau­ge­biet Paar. Doch die Stadt­rä­te Mar­tin Tr­ü­ben­ba­cher und Hu­bert Nieß­ner hat­ten ei­ne an­de­re Idee: Die ers­te neue Stra­ße, die seit der Ein­ge­mein­dung Paars nach Fried­berg im Jahr 1978 ent­stan­den ist, sol­le nach An­ton Rohr be­nannt wer­den. Rohr war von 1962 an Ge­mein­de­rat in Paar und wur­de 1966 zum Bür­ger­meis­ter ge­wählt. Die­ses Amt hat­te er in­ne, bis der Ort 1978 sei­ne Selbst­stän­dig­keit ver­lor. Rohr war zu­dem stark eh­ren­amt­lich en­ga­giert, vor al­lem bei der Feu­er­wehr. Die Grü­nen konn­ten sich da­mals nicht mit dem Wunsch durch­set­zen, tur­nus­ge­mäß ei­ne Frau zu eh­ren. »Kom­men­tar

Ar­chiv­fo­to: Pfar­rei Ott­ma­ring

In ih­ren letz­ten Le­bens­jah­ren be­schäf­tig­te sich Schwes­ter Edel­frie­da mit dem Her­stel­len und Ver­zie­ren von Wachs­ker­zen.

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