Jetzt ist Zeit, um Wer­te zu ver­mit­teln

Die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Si­mo­ne Stroh­mayr legt ei­nen Schwer­punkt ih­rer Ar­beit auf die Bil­dungs­po­li­tik

Friedberger Allgemeine - - Aichach-friedberg | Kissing - VON THO­MAS GOSS­NER

Aichach-Fried­berg Auch wenn im Au­gust die Schu­len ge­schlos­sen sind, Kin­der und Leh­rer Fe­ri­en ha­ben – die Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Si­mo­ne Stroh­mayr lässt die Bil­dungs­po­li­tik nicht los. Mit Blick auf die An­schlä­ge in Würz­burg, Ans­bach und Mün­chen stellt die SPD-Po­li­ti­ke­rin fest: „Bil­dung leis­tet Prä­ven­ti­ons­ar­beit. Wir müs­sen dar­auf un­se­ren Schwer­punkt set­zen.“

Seit 2003 ge­hört die Ju­ris­tin dem Land­tag an. Als Di­rekt­kan­di­da­tin im Land­kreis Aichach-Fried­berg un­ter­lag die Stadt­ber­ge­rin zwar je­weils den Be­wer­bern von der CSU, doch der Sprung ins Par­la­ment ge­lang ihr über die schwä­bi­sche Lis­te der SPD. Der Mut­ter von zwei Söh­nen und ei­ner Toch­ter lie­gen die The­men Kin­der, Fa­mi­lie und Bil­dung be­son­ders am Her­zen. Als stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de, als frau­en­po­li­ti­sche Spre­che­rin und als Mit­glied im Aus­schuss für Bil­dung und Kul­tus prägt sie die Po­li­tik der baye­ri­schen SPD mit.

Nach den Schre­ckens­nach­rich­ten der ver­gan­ge­nen Wo­chen ist für Si­mo­ne Stroh­mayr klar: „Die Ge­walt ist in der Mit­te der Ge­sell­schaft an­ge­kom­men. Die Hass­pa­ro­len sind in Ta­ten um­ge­schla­gen.“Dar­um sei in die­sen Zei­ten gu­te Bil­dung be­son­ders wich­tig“, sagt sie im Som­mer­ge­spräch mit un­se­rer Zei­tung.

Die Mög­lich­kei­ten sei­en da­zu vor­han­den, rech­net sie vor: Jetzt kom­men die ge­bur­ten­schwa­chen Jahr­gän­ge, an den Re­al­schu­len und Gym­na­si­en auch im Land­kreis ge­hen die Schü­ler­zah­len zu­rück. Sie for­dert dar­um, die Leh­rer an den Schu­len zu las­sen und da­durch Luft zu schaf­fen für In­hal­te, die seit Lan­gem auf der Agen­da stün­den: den Kin­dern und Ju­gend­li­chen Wer­te zu ver­mit­teln. Zwar ha­be Kul­tus­mi­nis­ter Lud­wig Spa­en­le zu­ge­sagt, die so­ge­nann­te „de­mo­gra­fi­sche Ren­di­te“im Bil­dungs­sys­tem zu be­las­sen, die durch die sin­ken­den Schü­ler­zah­len ent­steht. Tat­säch­lich wür­den aber auch Stel­len aus den Schu­len ab­ge­zo­gen und an die Hoch­schu­len ver­la­gert.

Be­son­ders un­ter Druck sieht Stroh­mayr die Mit­tel­schu­len, die um ihr Über­le­ben kämp­fen. „In Sie­len­bach wer­den ab Herbst ge­ra­de noch 77 Kin­der un­ter­rich­tet“, er­klärt sie. Die Schu­le kön­ne ei­gent­lich nur noch ge­hal­ten wer­den, weil an­de­re Mit­glie­der des Mit­tel­schul­ver­bunds St­un­den­kon­tin­gen­te ab­ge­ben – mit der Fol­ge, dass in Fried­berg kein In­for­ma­tik­un­ter­richt mehr statt­fin­det. Aus­ge­rech­net In­for­ma­tik. Un­mög­lich fin­det das die SPD-Po­li­ti­ke­rin im Di­gi­tal­zeit­al­ter.

Trotz­dem gibt es nach ih­ren Wor­ten an der Mit­tel­schu­le in Sie­len­bach schon jetzt kei­ne sieb­te Klas­se mehr. „Wenn die Schu­len sterben, dann sterben auch die Ver­ei­ne“, warnt Stroh­mayr: „Wir müs­sen die In­fra­struk­tur am Le­ben er­hal­ten.

Ei­ne de­zen­tra­le Po­li­tik sei für Bay­ern wich­tig. Als Hei­mat­mi­nis­ter müss­te Mar­kus Sö­der da­für die nö­ti­gen Mit­tel be­reit­stel­len. Für den nächs­ten Haus­halt will die Land­tags-SPD dar­um auf je­den Fall mehr Stel­len für die Mit­tel­schu­len be­an­tra­gen. Stroh­mayr denkt da an ei­nen „Land­schul­zu­schlag“, der klei­ne­re Schu­len bes­ser­stellt. Nach Ein­schät­zung des Baye­ri­schen Leh­rer- und Leh­re­rin­nen­ver­bands wird bis 2020 je­der zwei­te Stand­ort im Land­kreis weg­fal­len.

Zu groß sind nach ih­rer Darstel­lung auch die Klas­sen an den Re­al­schu­len, die im­mer wie­der Leh­rer ab­ge­ben muss­ten. Im Land­kreis zäh­le in­zwi­schen je­de zwei­te Klas­se zwi­schen 26 und 30 Schü­lern, 15 Pro­zent der Klas­sen so­gar über 31. Mit ei­nem Un­ter­richts­aus­fall von 11 Pro­zent sei der Land­kreis „füh­rend“in Schwa­ben, der An­teil der nicht re­gu­lär ge­hal­te­nen St­un­den sei von 9,2 auf 12 Pro­zent ge­stie­gen, rech­net Stroh­mayr vor.

Zu­rück zum G 9 – die­sen Kurs ver­fol­gen die baye­ri­schen So­zi­al­de­mo­kra­ten für das Gym­na­si­um. Stroh­mayr ver­weist auf Zah­len des Augs­bur­ger Gym­na­si­ums St. An­na, wo fast zwei Drit­tel der Schü­ler das An­ge­bot der Mit­tel­stu­fe plus nutz­ten und die Schul­zeit um ein Jahr ver­län­ger­ten.

Kri­tik übt die Ab­ge­ord­ne­te auch an den par­al­le­len An­ge­bo­ten der Ganz­tags­be­treu­ung. Fünf ver­schie­de­ne Mo­del­le ge­be es da­für. Für die ei­nen gibt es staat­li­che Zu­schüs­se, für die an­de­ren nicht. Für die ei­nen müs­sen El­tern mit­be­zah­len, die an­de­ren sind kos­ten­los. Stroh­mayr sieht die Not­wen­dig­keit, den Be­darf kon­kret fest­zu­stel­len und El­tern bes­ser über die ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten zu in­for­mie­ren.

Die ro­te Li­nie in der Bil­dungs­po­li­tik be­steht für die Po­li­ti­ke­rin dar­in, der jun­gen Ge­ne­ra­ti­on Wer­te zu ver­mit­teln. „Man muss die Zeit da­für ha­ben“, for­dert sie über al­le Schul- und Be­treu­ungs­an­ge­bo­te hin­weg ei­ne bes­se­re Fi­nanz­aus­stat­tung.

Fo­to: Bas­ti­an Hör­mann

Bil­dung leis­tet nach An­sicht der SPD-Ab­ge­ord­ne­ten Si­mo­ne Stroh­mayr Prä­ven­ti­on und In­te­gra­ti­on. Sie for­dert dar­um, dass Bay­ern sei­ne An­stren­gun­gen auf die­sem Ge­biet ver­stärkt.

Fo­to: Mo­ni­ka Men­dat

Der Land­tag hat Sit­zungs­pau­se – im Bü­ro der Ab­ge­ord­ne­ten Si­mo­ne Stroh­mayr gibt es den­noch viel zu tun.

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