Sper­rung macht Frie­denau das Le­ben schwer

Durch die Ar­bei­ten an der Staats­stra­ße 2380 kom­men we­ni­ger Be­su­cher in das be­lieb­te Aus­flugs­lo­kal. Päch­ter rech­net mit mas­si­ven Um­satz­ein­bu­ßen

Friedberger Allgemeine - - Mering - VON PE­TER STÖ­BICH

Me­ring Trotz bes­ten Bier­gar­ten­wet­ters sit­zen bei som­mer­li­chen 27 Grad nur sechs Gäs­te un­ter den schat­ti­gen Bäu­men des Aus­flugs­lo­kals Frie­denau. Rund 150 hät­ten an den Ti­schen Platz, „aber seit zehn Ta­gen tröp­felt es bloß so vor sich hin“, sagt Päch­ter Ulf Mer­le. Die Grün­de für den ra­pi­den Gäs­te­schwund sind die Sa­nie­rung und Sper­rung der Staats­stra­ße 2380, die in den Me­di­en groß an­ge­kün­digt wur­den. Seit An­fang Au­gust kann man die Frie­denau zwar von Kö­nigs­brun­ner Sei­te aus nicht mehr mit dem Au­to er­rei­chen, wohl aber von Me­ring aus ganz of­fi­zi­ell auf dem Fahr­rad­weg.

„Aber das ha­ben nicht al­le Au­to­fah­rer mit­ge­kriegt und die Be­schil­de­rung ist auch nicht be­son­ders deut­lich“, so Mer­le. Zu­dem ist das Ein­fä­deln bei Sankt Afra auf die Rad­spur et­was schwie­rig für Orts-un- Für Sieg­lin­de und Hein­rich Metz­ger aus Augs­burg war das heu­te al­ler­dings kein gro­ßes Pro­blem, „man muss halt lang­sam und vor­sich­tig fah­ren“, mei­nen sie und ge­nie­ßen ihr Mit­tag­es­sen im Gar­ten des Lo­kals.

Be­dient wer­den sie von Sa­rah Schmid, die je­den Tag aus Kö­nigs­brunn zu ih­rem Ar­beits­platz kommt. Das ist bei schö­nem Wet­ter mit dem Rad zwar kein Pro­blem, bei Re­gen aber schon: „Dann muss ich näm­lich mit dem Au­to ei­nen Rie­sen­um­weg über Klos­ter­lech­feld und Prittriching ma­chen“, schil­dert sie, „das sind je­des Mal ei­ne Drei­vier­tel­stun­de und 80 Ki­lo­me­ter hin und zu­rück.“Eben­so geht es ih­rer Kol­le­gin, die nach dem Abend­dienst nicht im Dun­keln durch den Wald zu­rück nach Kö­nigs­brunn ra­deln will. Die Stra­ßen­sper­rung ver­ur­sacht noch ganz an­de­re Pro­ble­me, be­rich­tet der Päch­ter. „Es gibt mi­li­tan­te Rad­ler, von de­nen die Au­to­fah­rer auf dem Weg zu uns übel an­ge­pö­belt oder be­schimpft wer­den! Ich muss mich dann bei un­se­ren Gäs­ten ent­schul­di­gen, weil die gan­ze Ver­kehrs­si­tua­ti­on un­klar ist.“Fragt man zum Beikun­di­ge. spiel die Bau­ar­bei­ter auf der Staats­stra­ße 2380 nach der Frie­denau, be­kommt man zur Ant­wort: „Deutsch mi­ni­mal, nix weiß.“Mer­le und sei­ne Part­ne­rin Cor­ne­lia Wör­sching kom­men aus Kis­sing und stel­len iro­nisch fest: „Wir kön­nen die Schnit­zel schließ­lich nicht zu Fuß zum Lo­kal tra­gen!“Et­was mehr ge­gen­sei­ti­ge Rück­sicht un­ter den Ver­kehrs­teil­neh­mern sei an­ge­bracht. Für die Päch­ter ist die 1,8 Mil­lio­nen teu­re Sa­nie­rung wäh­rend der Som­mer­fe­ri­en be­son­ders är­ger­lich, „weil wir ge­ra­de dann un­ser Geld für den Win­ter ver­die­nen“. An ei­nem son­ni­gen Au­gust­tag müss­te der La­den ei­gent­lich brum­men, aber nur zwei Au­tos ste­hen vor dem Lo­kal. „Und äl­te­re oder be­hin­der­te Leu­te kön­nen halt nicht mit dem Fahr­rad kom­men“, sag­te Mer­le. Fei­ern für den Som­mer sei­en be­reits ab­ge­sagt wor­den, weil die Teil­neh­mer kei­ne wei­ten Um­we­ge in Kauf neh­men wol­len. Wie hoch die Um­satz­ein­bu­ßen sein wer­den, lässt sich nach zehn Ta­gen noch nicht ab­schät­zen, „aber ein deut­li­ches Mi­nus ge­gen­über ei­ner nor­ma­len Sai­son zeich­net sich jetzt schon ab.“

Vor­aus­sicht­lich noch bis zum En­de der Fe­ri­en wird auf der Stre­cke ge­baut, die sonst täg­lich mehr als 18000 Fahr­zeu­ge be­nut­zen. Für die Ar­bei­ter gibt es viel zu tun: Die zu frä­sen­de Flä­che um­fasst 40 000 Qua­drat­me­ter, es wird ei­ne As­phalt­men­ge von 15000 Ton­nen ver­baut. We­gen des schlech­ten Fahr­bahn­zu­stands muss die Deck­schicht drin­gend er­neu­ert wer­den; er­gän­zend soll durch den Ein­bau ei­ner zu­sätz­li­chen As­phalt­schicht der Ober­bau ver­stärkt und da­mit die Stand­fes­tig­keit der Stre­cke nach­hal­tig ver­bes­sert wer­den. Die Ge­mein­de­ver­bin­dungs­stra­ße zwi­schen Me­ring und Kö­nigs­brunn war in den Jah­ren 1977/78 er­rich­tet und 20 Jah­re spä­ter als Staats­stra­ße klas­si­fi­ziert wor­den.

Fo­tos: Pe­ter Stö­bich

Trotz der Bau­ar­bei­ten dür­fen Au­to­fah­rer den lin­ken Rad­weg zum Lo­kal be­nut­zen.

Sieg­lin­de und Hein­rich Metz­ger las­sen es sich in der Frie­denau schme­cken, Be­die­nung Sa­rah Schmid (Mit­te) muss Um­we­ge in Kauf neh­men.

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