Mit­fie­bern beim Pu­b­lic Viewing

Die Ka­nu­tin An­ne Bernert ver­folgt die Ren­nen ih­rer Ver­eins­kol­le­gen in Rio mit vie­len an­de­ren im Boots­haus am Eis­ka­nal. War­um sie auch In­ter­es­se an an­de­ren Sport­ar­ten hat

Friedberger Allgemeine - - Sport - VON PE­TER KLEIST

Fried­berg Man kann Olym­pia auch al­lei­ne vorm Fern­se­her ver­fol­gen, doch wenn es um die Ren­nen im Ka­nu­sla­lom geht, dann ist das nichts für An­ne Bernert aus Fried­berg. Wenn ih­re Augs­bur­ger Ver­eins­kol­le­gen Si­de­ris Ta­sia­dis und Me­la­nie Pfei­fer das Wild­was­ser in Bra­si­li­en in An­griff neh­men, dann ist die 16-Jäh­ri­ge im Boots­haus der Ka­nuSchwa­ben am Eis­ka­nal zu fin­den. „Dort drü­cken wir na­tür­lich die Dau­men und fie­bern mit“, er­zählt die Schü­le­rin, die im kom­men­den Jahr ihr Abitur am Gym­na­si­um St. Ste­phan in Augs­burg ma­chen wird.

„Ich fin­de Olym­pia toll, es ist ein­fach et­was Be­son­de­res, die bes­ten Sport­ler der Welt in so ver­schie­de­nen Sport­ar­ten se­hen zu kön­nen“, mein­te die Schü­le­rin. Und wenn dann auch noch zwei Sport­ler aus dem Ver­ein, für den man sel­ber fährt, nach olym­pi­schem Edel­me­tall grei­fen, dann ist das noch ei­nen Tick spe­zi­el­ler. „Das ist für uns jun­ge Sport­ler na­tür­lich was Be­son­de­res, Mel­li und Si­de­ris dort zu se­hen – zu­mal wir uns mit den bei­den ja bes­tens ver­ste­hen. Und wir kön­nen uns na­tür­lich auch Tricks von den bei­den ab­schau­en“, er­zählt sie. Am gest­ri­gen Abend galt das Dau­men­drü­cken Si­de­ris Ta­sia­dis, dem An­ne Bernert von Her­zen ei­ne Fi­nal­teil­nah­me und vi­el­leicht noch mehr wünsch­te. (Das Ren­nen war bei Re­dak­ti­ons­schluss die­ser Aus­ga­be noch nicht be­en­det). „Ei­ne Me­dail­le wä­re toll, aber es muss nicht sein“, sag­te sie. Ein biss­chen hoff­te sie auch dar­auf, dass es dies­mal ei­nen kom­pe­ten­te­ren Fern­seh-Kom­men­tar ge­ben möch­te. „Beim Vor­lauf ha­ben wir den Ton ab­ge­schal­tet, weil die Re­por­te­rin we­nig Ah­nung hat­te“, er­klär­te sie mit ei­nem La­chen.

Doch nicht nur, wenn Kanu auf dem Pro­gramm steht, ver­folgt An­ne Bernert die Spie­le mit gro­ßem In­ter­es­se. „Ich fin­de die Viel­sei­tig­keit bei Olym­pia klas­se und schaue des­we­gen auch ger­ne bei an­de­ren Sport­ar­ten wie Leicht­ath­le­tik, Vol­ley­ball, Beach­vol­ley­ball oder Tur­nen und Rhyth­mi­scher Gym­nas­tik zu“, so die Schü­le­rin. Das liegt zum Teil auch dar­an, dass sie im Gym­na­si­um im Sport-Ad­ditum Vol­ley­ball und Leicht­ath­le­tik als Haupt­sport­ar­ten hat, in de­nen sie auch Prü­fun­gen ab­le­gen muss. „Un­ser Sport­leh­rer hat ge­sagt, wir sol­len uns was von Olym­pia an­schau­en – vi­el­leicht fragt er uns ja nach den Fe­ri­en aus“, mein­te sie schmun­zelnd.

Was sie na­tür­lich an Olym­pia stört, ist die Do­ping-Dis­kus­si­on. „Es ist schwie­rig, hier die rich­ti­ge Ent­schei­dung zu tref­fen. Ich fin­de, un­ge­dop­te rus­si­sche Sport­ler sol­len teil­neh­men dür­fen, an­de­rer­seits wä­re an­ge­sichts des Staats­do­pings in Russ­land auch ei­ne Kom­plettsper­re ver­tret­bar. Man fragt sich nun halt lei­der im­mer bei Top-Leis­tun­gen, ob al­les mit rech­ten Din­gen zu­geht“, sag­te An­ne Bernert.

Sie selbst hat bis­lang ei­ne er­folg­rei­che Sai­son hin­ter sich. Un­ter an­de­rem wur­de sie Drit­te beim ECAJu­ni­ors-Cup im Ka­jak und deut­sche U18-Meis­te­rin mit der Mann­schaft. „Noch bin ich im D/C-Ka­der, für die Na­tio­nal­mann­schaft hat es noch nicht ganz ge­reicht. Da muss ich erst noch mit dem Druck fer­tig wer­den“, er­zählt sie.

Ih­re sport­li­chen Zie­le hat die 16-Jäh­ri­ge klar um­ris­sen: „Nächs­tes Jahr möch­te ich den Sprung in die Na­tio­nal­mann­schaft schaf­fen.“Und Olym­pia? „Dort mal zu fah­ren, wä­re der ab­so­lu­te Traum“, so An­ne Bernert. Zu­nächst aber steht noch et­was ganz an­de­res an: das Abitur im nächs­ten Jahr.

Fo­to: Ma­ri­an­ne Steng­lein

An­ne Bernert aus Fried­berg ist ei­ne er­folg­rei­che Ka­jak­fah­re­rin, die na­tür­lich ih­ren Ver­eins­kol­le­gen in Rio sämt­li­che Dau­men drückt. Sel­ber ein­mal bei Olym­pia an den Start ge­hen zu dür­fen, wä­re ein Traum für die 16-Jäh­ri­ge, die auch schon deut­sche Meis­ter­ti­tel ein­ge­fah­ren hat.

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