Lu­lu muss zu­rück nach Bran­den­burg

Der Streit um den ent­lau­fe­nen Da­ckel zieht sich seit Jah­ren hin. Jetzt hat ein Ge­richt ent­schie­den. Für die Hun­de­da­me be­deu­tet das so­gar, dass sich ihr Na­me än­dert

Friedberger Allgemeine - - Bayern - Fo­to: En­ri­co Bel­ling, dpa

Potsdam/Mün­chen Lu­lu – so heißt die klei­ne Hun­de­da­me kurz und knapp bei ih­rer jet­zi­gen Fa­mi­lie in Mün­chen. Sei­ne ers­ten Le­bens­mo­na­te ver­brach­te der Da­ckel al­ler­dings un­ter dem klang­vol­len Na­men Bon­ny von Bee­litz in dem Ört­chen Ferch west­lich von Berlin. Im Jahr 2012 war der Rau­haar­da­ckel als Jung­tier ei­nem Jä­ger aus Ferch in Bran­den­burg da­von­ge­lau­fen. Ur­lau­ber la­sen den Hund oh­ne Mar­ke und Hals­band ei­nen Tag spä­ter na­he ei­ner Au­to­bahn­auf­fahrt auf und nah­men ihn mit.

Erst Jah­re spä­ter er­fuh­ren sie per Zu­fall von Lu­lus Her­kunft. Es kam zum er­bit­ter­ten Streit. Jetzt, vier­ein­halb Jah­re spä­ter muss aus dem baye­ri­schen Te­ckel wie­der ein preu­ßi­scher Da­ckel wer­den. So hat es am Mitt­woch das Land­ge­richt Potsdam ent­schie­den. Die Münch­ner be­kom­men 3271,16 Eu­ro Ent­schä­di­gung

Ent­schä­di­gung für Hun­de­fut­ter und Tier­arzt

für all das Hun­de­fut­ter, das sie ih­rem Lieb­ling ser­viert ha­ben, für den Tier­arzt und für an­de­re Kos­ten. Aber sie müs­sen das Tier auf je­den Fall zu­rück­ge­ben. „Sonst kommt ein Ge­richts­voll­zie­her und holt den Hund ab“, sagt Jus­tiz­spre­che­rin Sa­bi­ne Die­ßel­horst.

Die Bay­ern sind tief­trau­rig: „Lu­lu wird nach vier­ein­halb Jah­ren aus ih­rer Fa­mi­lie (2 Men­schen, 1 wei­te­rer Te­ckel) ge­ris­sen und in ei­ne für sie si­cher­lich ver­ängs­ti­gen­de Si­tua­ti­on ge­ge­ben“, heißt es in ei­ner Er­klä­rung am Tag des Ur­teils. „Ob dies dem Wohl des Tie­res dient, kann mehr als be­zwei­felt wer­den“, pran­gern sie an.

Dem Ge­richt wä­re im Sin­ne des Hun­de-Woh­les ei­ne ein­ver­nehm­li­che Lö­sung lie­ber ge­we­sen, sagt Die­ßel­horst. Doch we­der al­te noch neue Be­sit­zer hat­ten auf das Tier ver­zich­ten wol­len. Und vor dem Ge­setz ist ein Tier nichts an­de­res als ei­ne Sa­che. Für Fund­sa­chen gibt es im Bürgerlichen Ge­setz­buch kla­re Re­ge­lun­gen. „Der Ei­gen­tü­mer kann von dem Be­sit­zer die Her­aus­ga­be der Sa­che ver­lan­gen“, heißt es in Pa­ra­graf 985 BGB.

Und der recht­mä­ßi­ge Ei­gen­tü­mer ist nach gül­ti­ger Rechts­la­ge eben der Jä­ger aus Ferch. Sei­ne Frau hat­te ihm den Rau­haar­da­ckel zum 70. Ge­burts­tag ge­schenkt. Die­ses Ei­gen­tum ha­be der Mann aus Bran­den­burg nie auf­ge­ge­ben, er­klärt die Rich­te­rin Chris­tel Schulz bei der Ur­teils­ver­kün­dung in Potsdam.

Nach den Fest­stel­lun­gen des Ge­richts hat das Paar nach dem Auf­fin­den des Rau­haar­da­ckels vor vier­ein­halb Jah­ren ei­nen ent­schei­den­den Feh­ler ge­macht: Die Bay­ern hät­ten das Ord­nungs­amt nicht ein­ge­schal­tet und so­mit un­recht­mä­ßig ge­han­delt. Das Ur­teil ist un­an­fecht­bar.

Lu­lus al­te Iden­ti­tät als Bon­ny von Bee­litz war be­kannt ge­wor­den, nach­dem die Münch­ner ei­nen zwei­ten Te­ckel hat­ten an­schaf­fen wol­len und beim Züch­ter neue Pa­pie­re be­an­trag­ten. Die Bay­ern be­teu­er­ten in der Mit­tei­lung, sie hät­ten schon vor­her auf ver­schie­dens­ten We­gen nach den Ur-Be­sit­zern ge­sucht – oh­ne Er­geb­nis. Der Aus­rei­ßer ha­be we­der Hals­band noch Mar­ke ge­habt. Ei­ne Po­li­zei­strei­fe ha­be den jun­gen Da­ckel nicht an sich neh­men wol­len. Des­we­gen ha­be man das Tier schließ­lich nach Mün­chen mit­ge­nom­men.

Vor über vier Jah­ren war Lu­lu ei­nem Münch­ner Ehe­paar na­he ei­ner Au­to­bahn­auf­fahrt zu­ge­lau­fen. Jetzt muss es den Da­ckel sei­nem Be­sit­zer in Bran­den­burg zu­rück­ge­ben. Das ent­schied ein Ge­richt.

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