Brennau­er wird nass ge­macht

Rad­fah­ren Im strö­men­den Re­gen von Pon­tal bleibt der Traum von ei­ner Olym­pia-Me­dail­le un­er­füllt. War­um die 28-jäh­ri­ge All­gäue­rin das Wet­ter nicht als Aus­re­de gel­ten lässt

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele - VON PE­TER DEININGER

Rio de Janei­ro Re­gen in Rio. Aus­ge­rech­net vor dem Zeit­fah­ren der Rad­sport­ler in Pon­tal sind die Stra­ßen nass. „Der Wind ist bö­ig. Hof­fent­lich ha­ben al­le Fah­re­rin­nen die­sel­ben Be­din­gun­gen“, sagt Jür­gen Brennau­er aus Du­rach. Sei­ne Toch­ter Li­sa winkt ihm nur kurz zu, be­vor sie ih­re Start­vor­be­rei­tun­gen fort­setzt.

Nur zwei Ta­ge konn­te sie sich von den Stra­pa­zen des Stra­ßen­ren­nens er­ho­len. Ru­he tan­ken, ein we­nig Stress­ab­bau vor dem per­sön­li­chen Hö­he­punkt bei den Olym­pi­schen Spie­len: dem Zeit­fah­ren. Kei­ne Mann­schaft­s­tak­tik wie am Sonn­tag (19. Platz als bes­te Deut­sche), son­dern ganz al­lei­ne im Kampf ge­gen die Uhr. 29,7 Ki­lo­me­ter, nur 24 Kon­kur­ren­tin­nen. Die All­gäue­rin liebt die­se Form des Rad­sports und muss am En­de ei­ne Ent­täu­schung ver­kraf­ten. Es reicht nur zu Rang acht. Drei­mal war Brennau­er schon Welt­meis­te­rin, ein­mal so­gar im Ein­zel (2014).

Der Kurs im Küs­ten­ort Pon­tal über 29,7 Ki­lo­me­ter stellt al­ler­dings höchs­te An­for­de­run­gen. Zwei An­stie­ge (1,3 und 2,1 Ki­lo­me­ter) mit 9,4 und 6,8 Pro­zent Stei­gung gilt es zu meis­tern. „Es kommt dar­auf an, den Rhyth­mus zu fin­den“, er­klärt ihr Bru­der Bernd, der frü­her Ama­teur­ren­nen fuhr und Li­sas Be­geis­te­rung für den Rad­sport weck­te.

Als sie um 9 Uhr Orts­zeit in Pon­tal von der Ram­pe fährt, reg­net es in Strö­men. „Ich mag die­se Be­din­gun­gen ei­gent­lich ganz ger­ne“, wird die 28-Jäh­ri­ge hin­ter­her er­zäh­len. Sie hält sich wäh­rend des Ren­nens an ih­re Stra­te­gie, fährt die ent­spre­chen­den Watt­zah­len. „Ich hat­te ei­gent­lich das Ge­fühl, dass ich hier ein gu­tes Ren­nen ma­che. Un­ter­wegs ha­be ich dann aber ge­hört, dass die sehr groß sind.“De­mo­ti­vie­rend war der Rück­stand für sie nicht. „Ich ha­be mei­nen ei­ge­nen Plan durch­ge­zo­gen und ge­schaut, was ich fah­ren will und was ich fah­ren kann.“

Die re­gen­nas­se Fahr­bahn ist kein Pro­blem für sie. Na­tür­lich las­se man in den Kur­ven Vor­sicht wal­ten, meint sie. „Aber ich den­ke nicht, dass ich da be­son­ders viel Zeit ver­lo­ren ha­be.“Ge­nau 56,20 Se­kun­den be­trägt der Rück­stand auf die 42-jäh­ri­ge Sie­ge­rin Kris­tin Arm­Zeit­ab­stän­de strong aus den USA (44:26,42 Mi­nu­ten). „Sie war das Jahr über fast nicht zu se­hen, weil sie über­wie­gend Ren­nen in den USA fuhr. Für mich war sie des­halb ei­ne nur schwer ein­zu­schät­zen­de Top­fa­vo­ri­tin.“

Brennau­er bringt es auf Rang acht auf ei­ne Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit von 39,271 St­un­den­ki­lo­me­tern. In Ru­he will sie ana­ly­sie­ren, war­um sie deut­lich lang­sa­mer war als die Me­dail­len­ge­win­ner. Sil­ber geht an die Rus­sin Ol­ga Za­be­lins­ka­ya (44:31,97), Bron­ze ge­winnt die Nie­der­län­de­rin An­na van der Breg­gen (44,37:80).

Tri­xi Wor­rack aus Dis­sen er­reicht Rang 16. „Wer ei­ne Chan­ce auf das Po­di­um hat­te, ging ein Ri­si­ko ein, ich nicht“, lau­tet ihr Fa­zit. Ihr muss­te nach ei­nem Sturz im Früh­jahr ei­ne Nie­re ent­fernt wer­den.

Für die Du­ra­che­rin Li­sa Brennau­er ist in Rio der gro­ße Traum ei­ner Me­dail­le nicht in Er­fül­lung ge­gan­gen. Wird sie ei­nen neu­en An­lauf wa­gen? „Bis To­kio 2020 ver­geht noch viel Zeit. Ich wer­de se­hen, was bis da­hin pas­siert.“Zu­nächst will sie in Rio noch ei­ni­ge Wett­be­wer­be als Zu­schaue­rin er­le­ben. Bis zum Schluss der Spie­le wol­le sie aber nicht blei­ben.

„Ich mag die­se Be­din­gun­gen ei­gent­lich ganz ger­ne.“Rad­fah­re­rin Li­sa Brennau­er

Fo­to: Greg Ba­ker, afp

Die All­gäue­rin Li­sa Brennau­er muss­te sich beim Ein­zel­zeit­fah­ren mit dem ach­ten Platz be­gnü­gen. Auf der Stre­cke hat­te sie ei­gent­lich ein gu­tes Ge­fühl, wie sie spä­ter er­klär­te.

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