Wie das NCR-Hoch­haus lang­sam ver­schwand

Ro­bert Fritz hat mit­er­lebt, wie das ehe­ma­li­ge Wahr­zei­chen dem Erd­bo­den gleich­ge­macht wur­de und die Ar­bei­ten in ei­ner Fo­to­stre­cke fest­ge­hal­ten. Ver­mis­sen wird er es nicht

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON HE­LE­NA SCHACHTSCHABEL

Ro­bert Fritz konn­te von sei­ner Ter­ras­se aus be­ob­ach­ten, wie das NCRHoch­haus an der B17 in Kriegs­ha­ber nach und nach klei­ner wur­de und jetzt fast weg ist. Et­wa 150 Me­ter tren­nen sein Wohn­haus von dem ehe­ma­li­gen Sitz des Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­mens NCR, das En­de 2015 ins In­dus­trie­ge­biet Lech­hau­sen-Ost um­zog. Seit­dem wur­de das Hoch­haus Eta­ge um Eta­ge von ei­nem Mi- ni­bag­ger, der von dem Haupt­kran auf die Dach­pap­pe ge­stellt wur­de, von oben nach un­ten ab­ge­baut. In ei­ner Fo­to­stre­cke hat Ro­bert Fritz die Ar­bei­ten re­gel­mä­ßig fest­ge­hal­ten, aber jetzt sei er froh, dass es ge­schafft ist.

Das NCR-Hoch­haus galt als Wahr­zei­chen von Augs­burg und wur­de in der Ju­bi­lä­ums­schrift „75 Jah­re NCR Deutsch­land“vom Ja­nu­ar 1971 so­gar ge­wür­digt: „Sym­bo­lisch für die stei­le Auf­wärts­ent- wick­lung der NCR Deutsch­land in den letz­ten Jah­ren ragt das neue Ver­wal­tungs­hoch­haus, das An­fang des Jah­res 1968 sei­ner Be­stim­mung über­ge­ben wur­de, in Augs­burg em­por. Der tech­ni­sche Fort­schritt so­wie die Zweck­mä­ßig­keit neu­zeit­li­cher Ar­chi­tek­tur wer­den in die­sem mo­der­nen elf­ge­schos­si­gen Bau aus Glas, Be­ton und Alu­mi­ni­um ein­drucks­voll dar­ge­stellt.“Fritz be­dau­ert den Ab­riss trotz­dem nicht: „Es war ja kein wirk­lich schö­ner An­blick“, sagt er. Er freu­te sich, als er im De­zem­ber in der Zei­tung las, dass das Hoch­haus ver­schwin­de.

Seit 2008 woh­nen er und sei­ne Frau nun schon in dem Haus am Ran­de des gro­ßen NCR-Park­plat­zes, wel­ches zu­vor sei­ner Mut­ter und dem Stief­va­ter ge­hört hat­te. Den Ab­riss so haut­nah mit­zu­er­le­ben sei zwar ei­ne auf­re­gen­de, aber durch den Bau­lärm eben­so an­stren­gen­de Zeit für die ge­sam­te Nach­bar­schaft ge­we­sen: „Mei­ne Frau ar­bei­tet in der Nacht­schicht und konn­te durch die Bau­ar­bei­ten in letz­ter Zeit kaum schla­fen“, er­zählt er. Und ganz ru­hig war es auch ges­tern noch nicht. „Die Bag­ger fan­gen jetzt an, den As­phalt des Park­plat­zes auf­zu­rei­ßen“, be­schreibt Ro­bert Fritz. Meh­re­re Lö­cher und Aus­hü­be sei­en ge­macht wor­den. Wie der Augs­bur­ger Ge­wer­be­hof (AGH) als Ei­gen­tü­mer die nun lee­re Stel­le des ehe­ma­li­gen Hoch­hau­ses nut­zen will, war zu­letzt noch un­klar.

Nur et­wa 150 Me­ter vom NCR-Hoch­haus ent­fernt, wohnt Ro­bert Fritz mit sei­ner Frau in ei­nem Rei­hen­haus. Von sei­nem Bal­kon aus schießt er in re­gel­mä­ßi­gen Zeit­ab­stän­den Fo­tos vom all­mäh­li­chen Ab­riss des ehe­ma­li­gen Wahr­zei­chens von Kriegs­ha­ber und do­ku­men­tiert, wie die­ses nach Mo­na­ten nun ganz ver­schwun­den ist.

Fo­tos: Ro­bert Fritz

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