Erst Kin­der, dann vi­el­leicht hei­ra­ten

Heu­te ist es nor­mal, dass je­des drit­te Ba­by au­ßer­halb ei­ner Ehe zur Welt kommt. Frü­her war die Zahl deut­lich nied­ri­ger. Was hat sich ver­än­dert?

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON BE­NE­DIKT WIE­DE­MANN

Im­mer mehr Kin­der in Augs­burg ha­ben le­di­ge El­tern. Seit der Jahr­tau­send­wen­de hat sich der An­teil nicht­ehe­lich ge­bo­re­ner Kin­der von 22 auf 28 Pro­zent er­höht. Im Jahr 2015 hat­ten da­mit 807 von 2846 Ba­bys El­tern, die nicht ver­hei­ra­tet wa­ren. Den bis­her höchs­ten Stand in Augs­burg gab es mit 30 Pro­zent im Jahr 2011. Seit et­wa fünf Jah­ren blei­ben die Zah­len in et­wa gleich, sagt der stell­ver­tre­ten­de Lei­ter des Stan­des­am­tes, Ro­bert Brüm­mer.

Be­trach­tet man je­doch die lang­fris­ti­ge Ent­wick­lung, lässt sich ein deut­li­cher Trend er­ken­nen. Im Jahr 1970 lag der An­teil nicht­ehe­lich ge­bo­re­ner Kin­der in Deutsch­land mit sie­ben Pro­zent noch im ein­stel­li­gen Be­reich. Seit­dem sind die Zah­len deut­lich ge­stie­gen. Im Jahr 1998 wur­de erst­mals die 20-Pro­zen­tMar­ke über­schrit­ten. Im Jahr 2014 wa­ren es deutsch­land­weit be­reits 35 Pro­zent. Augs­burg liegt da­mit ak­tu­ell un­ter dem Bun­des-Schnitt. Dass die Quo­te der nicht­ehe­li­chen Kin­der steigt, liegt auch dar­an, dass an­de­re Be­zie­hungs­for­men der Ehe zu­neh­mend den Rang ab­lau­fen.

Cars­ten Un­ger, stell­ver­tre­ten­der Lei­ter der Kin­der-, Ju­gend- und Fa­mi­li­en­hil­fe Hoch­zoll sagt: „Die 68er Be­we­gung hat zu re­vo­lu­tio­nä­ren ge­sell­schaft­li­chen Um­brü­chen ge­führt.“Dies er­klä­re den star­ken An­stieg von neun auf 15,4 Pro­zent zwi­schen 1978 und 1983. Gleich­zei­tig be­tont Un­ger die Macht von kon­ser­va­ti­ven Kräf­ten in der Be­völ­ke­rung.

Die­se hät­ten maß­geb­lich da­zu bei­ge­tra­gen, dass die Quo­te von 1983 bis 1994 nie mehr als et­wa ein Pro­zent von der 15-Pro­zent-Mar­ke ab­ge­wi­chen ist, und dass die größ­ten Stei­ge­rungs­ra­ten erst in den letz­ten 20 Jah­ren zu er­ken­nen sind: „In den 80er und 90er Jah­ren gab es noch ein sehr kla­res Fa­mi­li­en­sys­tem. Mitt­ler­wei­le sind ganz un­ter­schied­li­che For­men ge­sell­schaft­lich ak­zep­tiert“. We­sent­lich da­zu bei­ge­tra­gen ha­be die Eman­zi­pa­ti­on der Ge­schlech­ter, die be­son­ders im Fal­le der Frau­en zu ei­nem ver­än­der­ten Rol­len­ver­ständ­nis ge­führt hät­ten.

Do­ris Kell­ner von der psy­cho­lo­gi­schen Be­ra­tungs­stel­le für Ehe, Fa­mi­lie und Le­bens­fra­gen der Diö­ze­se Augs­burg fügt hin­zu: „Es ge­hört mitt­ler­wei­le zur Nor­ma­li­tät, dass auch un­ver­hei­ra­te­te Paa­re Kin­der ha­ben“. Sie be­rich­tet aus ih­rer per­sön­li­chen Er­fah­rung: „Vie­le Paa­re hei­ra­ten auch erst, nach dem sie be­reits ge­mein­sam Kin­der ha­ben.“Die Be­deu­tung der Ehe hat sich im Lau­fe der Zeit al­so ge­wan­delt. Aus Sicht der Kir­che hat sie je­doch noch im­mer „ei­ne sehr gro­ße Be­deu­tung und spielt ei­ne zen­tra­le Rol­le – auch und vor al­lem im Hin­blick auf die Kin­der und ih­re Er­zie­hung“, so Dom­de­kan Ber­tram Mei­er.

Die Zahl der Ehe­schlie­ßun­gen in Augs­burg blieb in den letz­ten Jah­ren auch re­la­tiv kon­stant. We­gen des Be­völ­ke­rungs­wachs­tums durch Zu­zü­ge – Augs­burg leg­te zu­letzt um bis zu 5000 Ein­woh­ner im Jahr zu – gilt den­noch: Der An­teil von le­di­gen Men­schen in Augs­burg steigt. Wa­ren im Jahr 2004 noch 40,2 Pro­zent der Augs­bur­ger le­dig, stei­ger­te sich der An­teil bis 2014 ste­tig auf 44,2 Pro­zent.

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