Augs­burg er­zeugt mehr Öko-Strom als je­mals zu­vor

2015 war ein Re­kord­jahr. Wie es zu­stan­de kam und wo noch Luft nach oben ist

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON STE­FAN KROG

Die Ener­gie­wen­de in Augs­burg ist vor­an­ge­schrit­ten: Mit 184,5 Mil­lio­nen Ki­lo­watt­stun­den war die Strom­men­ge, die aus Was­ser­kraft, Son­ne, Bio­mas­se­ver­bren­nung und aus De­po­nie-/Klär­an­la­gen­gas ge­won­nen wur­de, 2015 so hoch wie nie. Vor al­lem die 38 Was­ser­kraft­wer­ke leg­ten zu. Das liegt an Mo­der­ni­sie­rung, Was­ser­stand und dar­an, dass das neue Hoch­ab­lass­kraft­werk der Stadt­wer­ke erst­mals vol­le Leis­tung brach­te. Auch bei den Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen gab es ei­nen Sprung: Im Stadt­ge­biet gibt es in­zwi­schen mehr als 1650.

Ge­gen­über 2014 wur­den in Augs­burg knapp 18 Mil­lio­nen Ki­lo­watt­stun­den mehr pro­du­ziert. Rech­ne­risch reicht das für 54 000 Zwei-Per­so­nen-Haus­hal­te (mit Warm­was­ser, oh­ne Hei­zung), wo­bei Ökostrom nicht stän­dig ver­füg­bar ist. Vor al­lem die Pho­to­vol­ta­ik hat in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren auf­grund staat­li­cher För­de­rung zu­ge­legt. Auf städ­ti­schen Dä­chern wur­de 2015 elf­ein­halb Mal so viel Strom pro­du­ziert wie im Jahr 2002.

Laut baye­ri­schem Ener­gie­at­las (Zah­len von 2014) liegt der An­teil von Strom aus er­neu­er­ba­ren Quel­len in Augs­burg bei 38 Pro­zent des Ge­samt­ver­brauchs der Pri­vat­haus­hal­te, beim Ge­samt­strom­ver­brauch (mit Ge­wer­be) sind es sie­ben Pro­zent. Die Stadt­wer­ke, die wer­ben, al­le Pri­vat­haus­hal­te und die Tram mit Strom aus öko­lo­gi­schen Quel­len zu ver­sor­gen, rech­nen an­ders: Hier zählt auch der Strom da­zu, der als Ne­ben­pro­dukt bei der Er­zeu­gung von Fern­wär­me an­fällt. Um­welt­re­fe­rent Rei­ner Er­ben (Grü­ne) sieht vor al­lem bei der Pho­to­vol­ta­ik noch Luft nach oben.

Bei Was­ser­kraft­wer­ken ist wohl das En­de der Fah­nen­stan­ge er­reicht: Durch Er­neue­run­gen kann bei man­chen An­la­gen die Ef­fi­zi­enz ge­stei­gert wer­den, doch Ge­wäs­ser sol­len nicht ver­baut wer­den. Im­mer­hin wol­len die Stadt­wer­ke noch in die­sem Jahr auf dem Ge­län­de von UPM ein Klein­kraft­werk re­ak­ti­vie­ren, die Stadt stellt Über­le­gun­gen für ei­ne An­la­ge am Öl­höf­le beim Stadt­bad an ei­nem be­ste­hen­den Wehr an. Ob das von Eon ge­plan­te Kraft­werk an ei­ner Schwel­le im Lech nörd­lich des Man­di­cho­se­es kommt, ist un­ge­wiss.

In wel­chem Aus­maß der An­stieg von Ökostrom Preis­stei­ge­run­gen für die Ver­brau­cher zur Fol­ge ha­ben wird, ist für 2017 noch un­klar. Ei­ner­seits dürf­te der Han­dels­preis für den Strom mit dem bun­des­wei­ten Aus­bau wei­ter sin­ken, weil mehr Ener­gie auf dem Markt ist, an­de­rer­seits dürf­te das zur Fol­ge ha­ben, dass die EEG-Um­la­ge steigt.

Im re­gio­na­len Ver­gleich steht Augs­burg mit 38 Pro­zent Ökostrom-An­teil bei den Haus­hal­ten im Mit­tel­feld. Grund­sätz­lich schnei­den Städ­te mit zu­neh­men­der Grö­ße schlech­ter ab, weil sie vie­le Haus­hal­te ha­ben, aber die Mög­lich­kei­ten zur Er­zeu­gung nicht mit­hal­ten. In Mün­chen liegt der Ökostrom-An­teil bei ge­ra­de ein­mal sechs Pro­zent. Ge­win­ner sind hin­ge­gen Dör­fer mit we­nig Ver­brauch, aber viel Bio­gas­an­la­gen und Pho­to­vol­ta­ik. Im Be­reich der Ge­mein­de Schmie­chen (Kreis Aichach-Friedberg) wird et­wa 37 Mal so­viel Ökostrom pro­du­ziert, wie die Pri­vat­haus­hal­te pro Jahr ver­brau­chen. Der über­schüs­si­ge Strom geht ins Lei­tungs­netz des Gr­und­ver­sor­gers. In wei­ten Tei­len des Stadt­ge­biets sind das die Stadt­wer­ke, im Um­land die Lech­wer­ke.

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