Wo wächst die Stätz­lin­ger Ho­nig­bir­ne?

Im Land­kreis wer­den al­te Obst­sor­ten be­stimmt, er­fasst und ver­mehrt. Mit den nach­ge­züch­te­ten Bäu­men sol­len dann neue Streu­obst­wie­sen ent­ste­hen

Friedberger Allgemeine - - Friedberg - VON CHRIS­TI­AN LICH­TENS­TERN

Aichach-Friedberg Oben Äp­fel, un­ten Gras. Das Obst für die Men­schen, Heu oder Wei­de fürs Vieh. Die Streu­obst­wie­se ge­hör­te bis zur Mit­te des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts zur Kul­tur­land­schaft in gro­ßen Tei­len Deutsch­lands und na­tür­lich auch im Wit­tels­ba­cher Land. Heu­te sind sie na­he­zu ver­schwun­den. Zum Glück gibt es im Land­kreis noch die An­schau­ungs­bei­spie­le im Aich­a­cher Stadt­teil Ober­mau­er­bach oder auf der Flä­che des Gar- Re­derz­hau­sen. Mit den Obst­baum-Wie­sen sind auch vie­le Sor­ten ver­schwun­den. In Deutsch­land sind al­lein 1500 bis 2000 Ap­fel­sor­ten be­kannt. Und je­de Re­gi­on hat ih­re ganz ei­ge­nen. Im Han­del gibt es da­ge­gen nur noch 30 bis 40 ver­schie­de­ne Äp­fel und im Su­per­markt ge­ra­de noch fünf oder sechs Sor­ten zu kau­fen.

Ge­gen die­sen Ver­lust will der Land­kreis et­was tun. Das Wit­tels­ba­cher Land be­tei­ligt sich an ei­nem Pro­jekt, bei dem al­le al­ten Ap­fe­lund Bir­nen­sor­ten aus vier Krei­sen in Nord­schwa­ben er­fasst wer­den sol­len. Ziel ist die Si­che­rung des Be­stands und dann auch wie­der die Ver­meh­rung und Pflan­zung von Obst­bäu­men die­ser al­ten und re­gio­nal­ty­pi­schen Sor­ten. Land­rat Klaus Metz­ger hat­te in der jüngs­ten Sit­zung des Um­welt­aus­schus­ses ein na­ment­li­ches Bei­spiel pa­rat: „Wir hof­fen, die le­gen­dä­re Stätz­lin­ger Ho­nig­bir­ne wie­der zu fin­den.“

Ge­plant ist, et­wa 20 re­gio­nal­ty­pi­sche Sor­ten im Kreis zu be­stim­men. Die Be­stän­de im weit­hin be­kann­ten Obst­gar­ten im klei­nen Wei­ler Ber­ten­bau­ver­eins gen (Schilt­berg) gel­ten laut Ma­nue­la Rie­pold, Kreis­fach­be­ra­te­rin für Gar­ten­kul­tur und Lan­des­pfle­ge, da­bei als wah­rer Gold­schatz. Zehn aus­ge­wähl­te Sor­ten sol­len dann zur Er­hal­tung ih­rer ge­ne­ti­schen Ei­gen­schaf­ten in der Ver­suchs­sta­ti­on für Obst­bau an der Hoch­schu­le Wei­hen­ste­phan in Schlach­ters (Kreis Lin­dau) auf so­ge­nann­te Un­ter­la­gen auf­ge­pflanzt wer­den. Al­so auf­ge­pfropft oder ver­edelt, wie Obst­baum­fach­leu­te das nen­nen. Baum­schu­len kön­nen von dort Rei­ser zur Ver­meh­rung be­zie­hen. Und die Kom­mu­nen kön­nen mit die­sen Bäu­men kos­ten­los bei­spiels­wei­se öko­lo­gi­sche Aus­gleichs­flä­chen als Streu­obst­wie­se be­pflan­zen.

Die Kar­tie­rung meh­re­rer tau­send Obst­bäu­me in Neu-Ulm, Augs­burg-Land, Do­nau-Ries und Aichach-Friedberg soll vier Jah­re dau­ern. Von den Ge­samt­kos­ten (ge­schätzt 200000 Eu­ro) blei­ben nach Ab­zug ei­ner 60-pro­zen­ti­gen För­de­rung aus EU-Mit­teln durch ein Le­a­der-Pro­jekt für das Wit­tels­ba­cher Land nur noch 20 000 Eu­ro, rech­ne­te Rie­pold vor.

Archivfoto: Nor­bert Dron­zel­la

Es gibt sie noch, die schö­nen al­ten Streu­obst­wie­sen. In Schmie­chen bie­ten sie zur Zeit der Ap­fel­blü­te ein Bild wie aus ei­nem Mär­chen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.