Schrä­ger Streit

Zwei Brü­der kämp­fen mit al­len Mit­teln um ei­nen ge­hei­men Kel­ler

Friedberger Allgemeine - - K!ar.text - VON MA­XI­MI­LI­AN VON LIN­DEN

Aichach-Friedberg Es herrscht Krieg in der Fa­mi­lie, die Brü­der Hid­de und Jep­pe strei­ten sich. Sie tun das aber nicht wie an­de­re Ge­schwis­ter, son­dern sie be­krie­gen sich bis aufs Letz­te. Die Waf­fen in die­sem Krieg sind St­ab­heu­schre­cken und Drum­sticks, We­spen und Gi­tar­ren.

Ge­nau­so wie die Art zu strei­ten nicht nor­mal ist, ist es auch der An­lass nicht. Die Brü­der kämp­fen um ei­nen ge­hei­men Kel­ler, von dem nur sie bei­de wis­sen. Nicht ein­mal ih­re Mut­ter ist ein­ge­weiht. Ge­ne­rell ist in der Fa­mi­lie von Hid­de und Jep­pe we­nig nor­mal. Frü­her war al­les an­ders, da gab es näm­lich noch ei­nen drit­ten Bru­der, der von dem Kel­ler wuss­te. Seit des­sen Tod be­fin­det sich die Mut­ter in ei­ner de­pres­si­ven Pha­se, aus der sie kaum her­aus­zu­ho­len ist. Kein Wun­der, dass sie nichts von dem Krieg merkt, der di­rekt vor ih­rer Na­se tobt.

Zwi­schen Hid­de und Jep­pe be­steht ein ge­hei­mer De­al, nach­dem dem Jün­ge­ren, al­so Hid­de, der Kel­ler zu­steht. In „sei­nem“Kel­ler kann Hid­de sei­nem Hob­by nach­ge­hen: In­sek­ten. Er fin­det und züch­tet Spin­nen, Schne­cken, Schmet­ter­lin­ge und noch vie­le an­de­re Tier­chen und sorgt für die­se. Die In­sek­ten sind sei­ne Welt.

Die­se ge­rät ins Wan­ken, als sein äl­te­rer Bru­der ihm er­öff­net, er sol­le den Kel­ler räu­men. Jep­pe will dort sein Schlag­zeug auf­bau­en. Für Hid­de ist das ein Ding der Un­mög­lich­keit. Wie soll er nur oh­ne sei­ne In­sek­ten le­ben? Wird Hip­pe es schaf­fen, den Kel­ler ge­gen sei­nen Bru­der zu ver­tei­di­gen? Oder ge­lingt es Jep­pe, ihm al­les zu neh­men, was er sich auf­ge­baut hat? Hid­de be­ginnt zu kämp­fen, nicht nur um das Le­ben sei­ner In­sek­ten.

Krass Hüp­fer ist ein Ro­man des nie­der­län­di­schen Au­tors Si­mon van der Geest. Für das Buch ge­wann die­ser 2013 den Li­te­ra­tur­preis „Gol­de­ner Grif­fel“.

Das Buch ist sehr emo­tio­nal ge­schrie­ben. Das wird vor al­lem da­durch aus­ge­löst, dass der Le­ser di­rekt vom Prot­ago­nis­ten an­ge­spro­chen wird. Der Ro­man ist im End­ef­fekt ein Ta­ge­buch, das an den Le­ser adres­siert ist. Letz­te­rer wird im­mer wie­der di­rekt in die Hand­lung ein­be­zo­gen und so noch nä­her in die ab­sur­den Zu­stän­de ei­ner zer­rüt­te­ten Fa­mi­lie hin­ein­ge­zo­gen.

Auch, wenn sich der Le­ser am An­fang noch sehr wun­dert und teils vor Hid­des Kr­ab­bel­tier­chen ekelt, lässt ihn die span­nen­de Hand­lung nicht los und er will un­be­dingt wis­sen, wer am Schluss als Sie­ger aus dem Krieg der Ge­schwis­ter her­vor­geht.

Krass Hüp­fer von Si­mon van der Geest, deutsch von Mir­jam Press­ler. Thie­ne­mann-Ver­lag, 12,99 Eu­ro. Mit freund­li­cher Un­ter­stüt­zung der Buch­hand­lung Le­sens­wert! in Friedberg.

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