Das Trach­ten­heim ist sein zwei­tes Wohn­zim­mer

Bru­no Mei­er ver­bin­det vie­le Er­in­ne­run­gen mit dem Do­mi­zil der Paar­ta­ler Mer­ching – Se­rie 1

Friedberger Allgemeine - - Mering | Merching - VON PE­TER STÖBICH

Die Mit­glie­der er­fül­len ih­ren Ver­ein mit Le­ben. Doch da­für brau­chen sie ei­nen Raum, um sich zu ver­sam­meln, zu re­den, zu pro­ben oder zu fei­ern. Die­se Ver­eins­hei­me ha­ben oft ei­ne be­weg­te Ge­schich­te hin­ter sich. In un­se­rer neu­en Se­rie stel­len wir meh­re­re Ver­eins­hei­me aus dem Land­kreis­sü­den vor.

Mer­ching Für Bru­no Mei­er ist das Heim des Mer­chin­ger Hei­mat- und Volks­trach­ten­ver­eins „D‘Paar­ta­ler“auch ei­ne Heim­statt, so­zu­sa­gen sein zwei­tes Wohn­zim­mer: „Denn da­mit ver­bin­de ich un­zäh­li­ge schö­ne St­un­den und Er­in­ne­run­gen“, sagt der Vor­sit­zen­de. Den ge­müt­li­chen Gar­ten hin­ter dem Trach­ten­heim und die gro­ße Ter­ras­se da­vor kön­nen nicht nur Ver­eins­mit­glie­der nut­zen; bei­des ver­mie­ten die Paar­ta­ler auch für pri­va­te Ver­an­stal­tun­gen.

Frü­her fan­den hier denk­wür­di­ge Fa­schings- und Sil­ves­ter­bäl­le statt, heu­te gibt es re­gel­mä­ßig Platt­lerPro­ben und Mo­nats­ver­samm­lun­gen, au­ßer­dem spon­ta­ne Tref­fen der Ver­eins­ju­gend oder ei­nen Sket­chAbend der Mer­chin­ger Pfarr­büh­ne. Mei­er ist seit Jahr­zehn­ten min­des­tens ein­mal pro Wo­che im Haus un­ter­wegs, denn schon als 15-Jäh­ri­ger war er dem Ver­ein bei­ge­tre­ten und en­ga­giert sich seit­dem eh­ren­amt­lich; die Mer­chin­ger ken­nen ihn auch als ta­len­tier­ten Haupt­dar­stel­ler bei den Thea­ter­auf­füh­run­gen der Pfarr­büh­ne. „Zur Zeit der Grün­dung 1922 voll­zog sich in der Ge­sell­schaft ein ra­san­ter Wer­te­wan­del“, schil­dert der Vor­sit­zen­de. „In die­sem Um­feld woll­te da­mals ein Dut­zend jun­ger Bur­schen ein Ge­gen­ge­wicht zu all dem schaf­fen, was zer­stö­rend auf das Hei­mat­li­che ein­ge­wirkt hat.“Vor dem Hin­ter­grund der da­ma­li­gen Wir­ren ge­winnt das Ziel des Ver­eins noch zu­sätz­lich an Be­deu­tung: „Sitt‘ und Tracht der Al­ten wol­len wir er­hal­ten“.

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg fan­den sich die Tracht­ler in Mer­ching bald wie­der zu­sam­men und be­gin­gen im Sep­tem­ber 1947 ihr 25-jäh­ri­ges Be­ste­hen. Weil die ört­li­chen Gast­wirt­schaf­ten nicht mehr zur Ver­fü­gung stan­den, wur­de der Wunsch nach ei­ner ei­ge­nen Heim­statt zu ei­ner ech­ten Not­wen­dig­keit. „Da der An­trag des Vor­sit­zen­den Wil­li Wen­zel für ein ge­meind­li­ches Grund­stück ab­ge­lehnt wur­de, konn­ten sich die Mit­glie­der mo­na­te­lang nicht zu ih­ren Ver­samm­lun­gen tref­fen“, be­rich­tet Mei­er. Bis sich dem Ver­ein schließ­lich die Ge­le­gen­heit bot, vom Sau­er­kraut­fa­bri­kan­ten Gus­tav Spon­sel ei­ne Fass­hal­le zu kau­fen. Mit viel Ei­gen­leis­tung, Sach­spen­den und tat­kräf­ti­ger Un­ter­stüt­zung ver­schie­de­ner Gön­ner wur­de die Hal­le um­ge­baut. „An Stim­mung und Hu­mor fehl­te es trotz des Dünn­bie­res nicht. Früh um zwei Uhr tra­ten die letz­ten den Heim­weg an“, kann man im Pro­to­koll­buch nach­le­sen.

Ab 1969 führ­te dann Sepp Sie­fer den Ver­ein; sei­ne Amts­zeit war maß­geb­lich ge­prägt vom Bau des heu­ti­gen Trach­ten­hei­mes. Dies­mal glück­te der Ver­such, ein Grund­stück von der Ge­mein­de zu be­kom­men. Im April 1978 wur­de mit den Bau­ar­bei­ten be­gon­nen, im De­zem­ber fand als ers­te Ver­an­stal­tung ei­ne Ni­ko­laus­fei­er statt. Das Trach­ten­heim hat sich als Ver­samm­lungs­und Übungs­ort der Paar­ta­ler, durch Fa­mi­li­en­fei­ern, Tanz­ver­an­stal­tun­gen und Vor­trä­ge zu ei­nem Herz­stück der dörf­li­chen Ge­mein­schaft ent­wi­ckelt. Mehr­mals im Jahr gibt es ei­nen zünf­ti­gen Platt­ler-Früh­schop­pen, bei dem sich oh­ne fes­tes Pro­gramm die Ju­gend, Ak­ti­ven, Sän­ger und Mu­si­kan­ten ab­wech­seln. Für die mu­si­ka­li­sche Be­glei­tung sorgt schon seit 65 Jah­ren die Trach­ten­ka­pel­le St­ein­dorf. Die en­ge Ver­bin­dung zu den Paar­ta­lern kommt vor al­lem durch de­ren Vor­sit­zen­den Bru­no Mei­er zum Aus­druck, der mit sei­ner Ven­til­po­sau­ne ak­ti­ver Mu­si­ker in der Ver­eins­ka­pel­le ist.

Die St­ein­dor­fer sind aus dem Ver­eins­le­ben nicht weg­zu­den­ken, ge­stal­ten den Hei­mat­abend mit, spie­len bei den Gar­ten­fes­ten auf, ge­ben bei den Trach­ten­um­zü­gen den Takt an und sor­gen für den rich­ti­gen Ton bei Ver­eins­ju­bi­lä­en.

Zahl­rei­che Bier­krü­ge, Eh­ren­tel­ler, Po­ka­le und Ur­kun­den schmü­cken das Heim, mit dem nicht nur Bru­no Mei­er vie­le Er­in­ne­run­gen ver­bin­det. Er be­dau­ert, dass es im­mer we­ni­ger gro­ße Trach­ten­fes­te gibt, „weil die zahl­rei­chen Auf­la­gen und Vor­schrif­ten stän­dig ver­schärft wer­den - das reicht von der Hy­gie­ne bis zum Si­cher­heits­dienst!“Das hält die Paar­ta­ler zum Glück nicht da­von ab, Sitt‘ und Tracht der Al­ten zu er­hal­ten. „Sicht­ba­rer Aus­druck da­für ist un­ser G’wand“, sagt der Vor­sit­zen­de, „in Mer­ching tra­gen wir ei­ne ab­ge­wan­del­te Mies­ba­cher Ge­birgstracht.“

Fo­to: Pe­ter Stöbich

Bru­no Mei­er lei­tet seit 2002 den Mer­chin­ger Trach­ten­ver­ein und spielt seit 38 Jah­ren Ak­kor­de­on bei den Ju­gend-Platt­lerpro­ben.

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