Auf­takt für ein neu­es Le­ben

Da­vid Do­cam­po war 18 Jah­re lang Hand­ball­pro­fi, jetzt steht er für den TSV Friedberg im Tor. Was der Spa­nier vor­hat und wie es ihn nach Bay­ern ver­schla­gen hat

Friedberger Allgemeine - - Sport - VON SE­BAS­TI­AN MAYR

Friedberg Für Da­vid Do­cam­po und sei­ne Fa­mi­lie hat ein neu­es Le­ben be­gon­nen. 18 Jah­re lang war der Spa­nier Pro­fi-Tor­wart im Hand­ball, spiel­te in der ers­ten, zwei­ten und drit­ten Li­ga. Dann las er ei­ne An­zei­ge im In­ter­net.

Vor ein paar Wo­chen hat der TSV Friedberg den groß­ge­wach­se­nen 38-Jäh­ri­gen mit dem dunk­len Drei­ta­ge­bart als ers­ten Neu­zu­gang vor­ge­stellt. Er soll das bis­he­ri­ge Tor­hü­ter-Duo Ben­ja­min von Pe­ters­dorff und Da­ni­el Eber­le mit sei­ner Er­fah­rung un­ter­stüt­zen. Do­cam­po hat mit der Mann­schaft viel vor. „Es ist ein jun­ges Team mit viel Qua­li­tät“, sagt er. Die Spie­ler sei­en gut ge­nug, um auch ei­ne Li­ga hö­her be­ste­hen zu kön­nen. „Ich wür­de ger­ne noch ein­mal in der drit­ten Li­ga spie­len“, be­kennt Do­cam­po. Auch ne­ben sei­nen per­sön­li­chen sport­li­chen Zie­len ist er von sei­nem neu­en Ver­ein über­zeugt: „Die Spie­ler hier kön­nen vie­le Jah­re zu­sam­men­spie­len, es ist ein gu­tes und lang­fris­ti­ges Pro­jekt.“Auch kurz­fris­tig er­kennt Do­cam­po gu­te Chan­cen für das Team. „Wir wol­len um den Auf­stieg kämp­fen und das Pu­bli­kum be­geis­tern, hof­fent­lich klappt das“, sagt er.

Mit 17 Jah­ren wur­de Da­vid Do­cam­po Pro­fi bei ei­nem Erst­li­gis­ten, stand fünf Jah­re lang bei Klubs in der höchs­ten spa­ni­schen Spiel­klas­se un­ter Ver­trag, zu­nächst bei SD Aca- de­mia Oc­ta­vio aus sei­ner Hei­mat­stadt Vi­go, spä­ter bei SD Teu­cro. „Ich saß oft auf der Bank und woll­te mehr spie­len“, be­rich­tet er. Des­we­gen wech­sel­te er in die zwei­te Li­ga, spiel­te zwi­schen­zeit­lich in der drit­ten Li­ga und trat für Ver­ei­ne in ganz Spa­ni­en an. Sein letz­ter Klub als Pro­fi war der Zweit­li­gist SD At­le­ti­co No­vás.

Schon in der ver­gan­ge­nen bei­den Spiel­zei­ten stand Da­vid Do­cam­po in Deutsch­land zwi­schen den Pfos­ten: Beim TSV Al­lach in der Lan­des­li­ga. Der Ver­ein aus dem Münch­ner Nor­den hol­te ihn aus der zwei­ten spa­ni­schen Li­ga nach Bay­ern. Nach den Jah­ren als Pro­fi sah sich der Mann aus Vi­go im Nor­den Spa­ni­ens nach ei­nem ge­eig­ne­ten Start in das Be­rufs­le­ben um. Die Al­la­cher Hand­bal­ler such­ten ih­rer­seits in ei­nem On­line-Por­tal nach ei­nem Tor­hü­ter und bo­ten Hil­fe bei der Su­che nach ei­ner Stel­le an. Weil die spa­ni­schen Ver­ei­ne die Ge­häl­ter nur un­re­gel­mä­ßig aus­be­zahl­ten und die Wirt­schafts­kri­se auf der Halb­in­sel die Job­su­che er­schwer­te, zo­gen Do­cam­po und sei­ne Frau Silvia nach Mün­chen.

„Ich bin sehr dank­bar für die­se Hil­fe“, be­tont Do­cam­po. Doch nach dem Ab­stieg der Al­la­cher Hand­bal­ler aus der Lan­des­li­ga in die Be­zirks­ober­li­ga war sein sport­li­cher Ehr­geiz zu groß. Do­cam­po will in der Bay­ern­li­ga an­grei­fen. Noch da­zu, wo beim TSV Friedberg ein Lands­mann und al­ter Be­kann­ter an der Sei­ten­li­nie steht. Ma­nu­el Vil­chez-Mo­re­no, der Trai­ner des TSV, stammt wie Do­cam­po aus Spa­ni­en. Die bei­den ha­ben zwar nie im sel­ben Team ge­spielt, aber ei­ni­ge Ma­le ge­gen­ein­an­der.

Jetzt ist Vil­chez-Mo­re­no froh über sei­nen neu­en Rück­halt. „Da­vid be­sitzt gro­ße Er­fah­rung und ich bin mir si­cher, dass er uns enorm hel­fen wird“, sag­te er bei der Vor­stel­lung sei­nes Lands­manns. In Kon­takt stan­den die bei­den be­reits wäh­rend Do­cam­pos Zeit in Al­lach, im­mer wie­der kam der 38 Jah­re al­te Tor­wart zum Zu­schau­en in die Fried­ber­ger Hal­le.

In Zu­kunft wer­den Do­cam­po und sei­ne Fa­mi­lie mög­li­cher­wei­se nicht nur für den Sport in die Her­zog­stadt kom­men. Die Fa­mi­lie kann sich vor­stel­len, nach Friedberg zu zie­hen. „Die Woh­nun­gen sind güns­ti­ger als in Mün­chen, au­ßer­dem sind wir dann nä­her bei un­se­ren Freun­den“, er­klärt Do­cam­po. Zur Fa­mi­lie ge­hö­ren seit ei­nem Jahr nicht nur Da­vid und sei­ne Frau Silvia. Der ge­mein­sa­me Sohn Lu­cas ist in Deutsch­land zur Welt ge­kom­men und soll hier auch auf­wach­sen. „Mo­men­tan ha­ben wir nicht vor, nach Spa­ni­en zu­rück­zu­ge­hen“, sagt Da­vid Do­cam­po.

Der Spa­nier hat in­zwi­schen ei­ne neue Stel­le ge­fun­den, die ihm bes­ser ge­fällt, als die ers­te Ar­beit: Er ar­bei­tet jetzt für ei­nen Me­di­zin­tech­nik­her­stel­ler in Mün­chen. Die Fa­mi­lie fühlt sich wohl in Bay­ern. Luft nach oben gibt es für Da­vid Do­cam­po nur bei der Spra­che. „Ich übe viel, aber mei­ne Frau ist viel bes­ser, ob­wohl sie ge­nau­so lan­ge hier ist“, sagt er und lacht.

„Ich übe viel, aber mei­ne Frau spricht viel bes­ser, ob­wohl sie ge­nau­so lan­ge hier ist.“

Da­vid Do­cam­po

Fo­to: Se­bas­ti­an Mayr

Der Spa­nier Da­vid Do­cam­po ist neu­er Tor­hü­ter beim TSV Friedberg. Er hat sei­ne Pro­fi­kar­rie­re an den Na­gel ge­hängt und ist mit sei­ner Frau Silvia nach Deutsch­land ge­zo­gen, um dort ins Be­rufs­le­ben zu star­ten. Sohn Lu­cas kam vor ei­nem Jahr hier zur Welt.

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