Über­all ein biss­chen ver­lo­ren

Ka­nu­sla­lom Zum ers­ten Mal in der olym­pi­schen Ge­schich­te blei­ben die deut­schen Teil­neh­mer oh­ne Me­dail­le. War­um auch Me­la­nie Pfei­fer dar­an nichts än­dern konn­te

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 - VON PE­TER DEININGER

Rio de Janei­ro Andre­as Pfei­fer ist Fach­mann. Der Leh­rer war frü­her selbst Ka­jak­fah­rer und kann den Sla­lom­kurs im Wild­was­ser-Sta­di­on von Deo­do­ro be­ur­tei­len. „Er ist tech­nisch an­spruchs­voll und geht am En­de ganz schön in die Ar­me.“

Sei­ne Schwes­ter Me­la­nie be­kommt es am ei­ge­nen Leib zu spü­ren. Die Eu­ro­pa­meis­te­rin geht am Don­ners­tag zum Ab­schluss der Sla­lom­wett­be­wer­be als Ers­te ins Fi­na­le. „Run­ter­pad­deln und das Bes­te ge­ben“, heißt die ein­fa­che De­vi­se.

Der böi­ge Wind bläst ihr ent­ge­gen und macht es von An­fang an schwer, den Rhyth­mus zu fin­den. Die Ka­jak­fah­re­rin von Schwa­ben Augs­burg er­hält früh zwei Straf­se­kun­den, weil sie ei­nen Tor­stab be- hat. „Das muss hauch­dünn ge­we­sen sein, weil ich gar nicht weiß, an wel­cher Stan­ge das war. Ich fand den Lauf gar nicht so schlecht, aber ich ha­be lei­der über­all ein klei­nes biss­chen ver­lo­ren“, be­ur­teilt sie ih­re Fahr­zeit von 106,89 Se­kun­den, die nur zu Rang sie­ben reicht.

Olym­pia­sie­ge­rin wird die Spa­nie­rin Maia­len Chour­raut (98,65) mit gro­ßem Ab­stand vor Lu­u­ka Jo­nes aus Neu­see­land (101,82) und der Aus­tra­lie­rin Jes­si­ca Fox (102,49).

Die deut­schen Sla­lomka­nu­ten blei­ben da­mit zum ers­ten Mal in ih­rer Olym­pia­ge­schich­te (1972 und dann durch­ge­hend seit 1992 in Bar­ce­lo­na) oh­ne ei­ne Me­dail­le.

Chef­trai­ner Micha­el Trüm­mer be­müht sich den­noch um ei­ne po­si­ti­ve Sicht der Din­ge. „Ich bin mit dem Auf­tre­ten der Mann­schaft zu­frie­den. Sie war bes­tens prä­pa­riert und hat al­le Fi­nals er­reicht.“

Si­de­ris Ta­sia­dis (Rang fünf im Ca­na­di­er-Ei­ner), Han­nes Ai­g­ner (Vier­ter im Ka­jak-Ei­ner) und Franz An­ton/Jan Ben­zi­en (Vierte im Ca­na­di­er-Zwei­er, sie­he un­ten­ste­hen­den Be­richt) wa­ren teil­wei­se nur Se­kun­den­bruch­tei­le von Edel­me­tall ent­fernt.

Me­la­nie Pfei­fer, die 29-jäh­ri­ge Sport­sol­da­tin aus Augs­burg, muss schon im Halb­fi­na­le ei­ne Zit­ter­par­tie über­ste­hen, als sie von ei­ner Wel­le am Tor vor­bei­ge­drückt wird und mü­he­voll strom­auf­wärts zu­rück­pad­deln muss. Mit über sie­ben Se­kun­den Rück­stand er­reicht sie als Zehn­te ge­ra­de noch den End­lauf.

Gro­ße Aus­sa­ge­kraft hat das nach Mei­nung der zwei­ma­li­gen WM­rührt Drit­ten nicht. „Bei der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft war ich 15. in der Qua­li­fi­ka­ti­on, bin als Zehn­te ins Fi­na­le und dann Eu­ro­pa­meis­te­rin ge­wor­den. Im Ka­nu­sla­lom kann so viel pas­sie­ren, die rich­ti­gen Schlä­ge müs­sen ge­macht wer­den. Das Glück war dies­mal eben nicht so auf mei­ner Sei­te.“Pfei­fer ge­steht, dass Olym­pia als emo­tio­na­ler Hö­he­punkt noch ein­mal ei­ne ganz an­de­re Num­mer ist als ei­ne Welt­meis­ter­schaft.

Nach dem Stress der Wett­kämp­fe will sie die Spie­le bis zum En­de voll aus­kos­ten. Freund Se­bas­ti­an, der eben­so wie Pfei­fer-Va­ter Tho­mas auf der Tri­bü­ne die Dau­men drück­te, weiß, wie er Me­la­nie auf an­de­re Ge­dan­ken brin­gen kann. „Sie freut sich schon auf den Ur­laub nach Olym­pia. Dann geht es mit un­se­rem Bus nach Frank­reich.“

Fo­to: Rob Carr, Get­ty Images

Sie hat­te mit der Me­dail­len­ent­schei­dung nichts zu tun: Me­la­nie Pfei­fer.

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