Fech­ter so schlecht wie nie

War­um es kei­ne Aus­sicht auf Bes­se­rung gibt

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janei­ro Emil Becks eins­ti­ge Me­dail­len­bank hat ge­schlos­sen. Die deut­schen Fech­ter sind in Rio raus oh­ne Me­dail­le. Es ist ei­ne his­to­ri­sche Plei­te. Zum ers­ten Mal seit 1980, als die Bun­des­re­pu­blik die Spie­le in Moskau boy­kot­tiert hat­te, gibt es kein olym­pi­sches Edel­me­tall für deut­sche Fech­ter.

Die Ge­gen­wart ist trist, die Zu­kunft dürf­te so schnell nicht bes­ser wer­den. Der Ab­wärts­trend dau­ert schon lan­ge an. Das ei­ne oder an­de­re Ta­lent bei den Ju­nio­ren gibt es in Deutsch­land auch. „Aber wir brau­chen noch mehr Sub­stanz, mehr Brei­te“, sagt Sport­di­rek­tor Sven Res­sel. Sä­bel-Ass Max Har­tung, als Ak­ti­ven­spre­cher Mit­glied des Ver­bands­prä­si­di­ums, sieht es ähn­lich. „Die Ver­ei­ne funk­tio­nie­ren nicht mehr so gut wie frü­her“, sagt der 26-Jäh­ri­ge. „Da muss in Deutsch­land viel pas­sie­ren, um den Sport wie­der auf ein an­de­res Ni­veau zu he­ben – nicht nur im Fech­ten.“

Pro­fifech­ter wie in an­de­ren Län­dern gibt es in Deutsch­land nicht. Russ­land et­wa in­ves­tie­re Mil­lio­nen in den Fecht­sport, sagt Res­sel. So kön­ne man mit man­chen Na­tio­nen ein­fach nicht mit­hal­ten, meint Sä­bel­fech­ter Ma­ty­as Sz­abo: „Ich muss stu­die­ren und ver­su­chen, ir­gend­was aus mei­nem Le­ben zu ma­chen, wenn ich fer­tig bin hier­mit.“

Die Vor­ga­be nach Lon­don 2012, als es ein­mal Sil­ber und ein­mal Bron­ze gab, lau­te­te: ei­ne bis zwei Me­dail­len. Weit ge­fehlt. „Wir hat­ten in Lon­don schon noch ein paar an­de­re Fech­ter im Boot“, sag­te Res­sel. „Wir ha­ben aber na­tür­lich auch ge­hofft, dass sich der ei­ne oder an­de­re Fech­ter bes­ser ent­wi­ckelt.“

Was feh­le, sei ei­ne deut­lich grö­ße­re Un­ter­stüt­zung der Ar­beit­ge­ber, was den Fech­tern mehr Ru­he bei der Kar­rie­re­pla­nung zwi­schen Sport und Be­ruf er­mög­li­che. Was fehlt, ist aber auch der Zu­sam­men­halt im Ver­band – ein Te­am­ge­fühl, das über die ver­schie­de­nen Waf­fen hin­aus­geht. So sag­te Sä­bel­fech­ter Sz­abo: „Was die an­de­ren Waf­fen ma­chen, ist na­tür­lich schei­ße. Aber über de­ren Pro­ble­me möch­te ich nicht re­den. Das ist nicht mein Bier.“Aber spä­tes­tens jetzt, nach dem olym­pi­schen Ab­sturz, ist es das Bier al­ler.

Fo­to: Wit­ters

Nichts wur­de es mit der er­hoff­ten Me­dail­le für Mar­co Koch. Über sei­ne Spe­zi­al­stre­cke 200 Me­ter Brust schlug er als Sieb­ter an.

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